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Martin Loschwitz
Haben Sie schonmal einen Flyer, eine Informationsbroschüre oder gar ein kleineres Heft oder ein Vereinsmagazin erstellt? Dann wissen Sie, wie viel Arbeit das ist. Und vermutlich wissen Sie auch, dass sich das Projekt mit den üblichen Verdächtigen wie OpenOffice praktisch nicht umsetzen lässt. Denn letztere sind für den alltäglichen Schriftverkehr zwar praktisch und völlig ausreichend. Wenn Sie aber im Text auf ansprechende Weise Bilder unterbringen, Kästen und ähnliche Designelemente frei platzieren möchten oder wenn Sie die Daten druckfertig an die Druckerei senden müssen, stoßen Textverarbeitungsprogramme an ihre Grenzen.
Für Layoutzwecke sind gewöhnliche Schreibprogramme schließlich nicht da. Wenn man einen Text publikumswirksam gestalten möchte, nimmt man deshalb besser so genannte DTP-Software. DTP steht für "Desktop Publishing", einen Begriff, der Aktivitäten umfasst, die mit dem Setzen eines Textes zu tun haben. Natürlich gibt es Linux auch für eine ganze Menge DTP-Software. Eine Software hebt sich allerdings in Sachen Bekanntheit und Funktionalität von den anderen ab: Scribus ist das Programm der Stunde.
Leider ist Scribus aufgrund der vielen Funktionen, die es bietet, mittlerweile so umfangreich, dass die Vielfalt für unerfahrene Benutzer kaum zu überblicken ist.Wir erklären grundlegende Arbeitsweisen und zeigen, was mit Scribus möglich ist.
Weil Scribus mittlerweile so verbreitet ist, stellt die Installation keine Hürde dar. Allen Suse-Versionen liegt das Paket bei, ebenso gehört es bei Mandriva Linux und sogar bei Kubuntu zum Lieferumfang. Unter Umständen weisen die Versionen einzelner Distributionen Unterschiede auf, die hier beschriebene Vorgehensweise lässt sich aber mit den von EasyLinux unterstützten Distributionen umsetzen. Installieren Sie das Paket scribus, wie in der Anleitung zur Heft-CD für andere Pakete beschrieben, mit dem Paketverwaltungsprogramm Ihrer Distribution.
Bevor Sie mit dem Setzen einer Seite loslegen, müssen Sie einige Dinge klären. Wer einfach drauf los layoutet, kommt nicht zum Ziel oder macht sich am Ende jedenfalls viel mehr Arbeit, als notwendig wäre. Zunächst müssen Sie wissen, welches Produkt Sie am Ende erhalten möchten. Ein simpler Flyer unterscheidet sich ganz wesentlich von einer Broschüre, die meistens gefaltet wird. Eine Zeitungsseite ist wieder ganz anders zu konstruieren. Wir verwenden als Beispiel im Folgenden eine Zeitungsseite, die einzelnen Arbeitsschritte lassen sich natürlich auf andere Layout-Projekte übertragen.
Damit ist die Planungsphase aber noch immer nicht abgeschlossen. Denn es ist unwahrscheinlich, dass Sie in einer Zeitung später Seiten haben möchten, die ohne jedes Design auskommen. Zeitungen haben in der Regel auf jeder Seite ein wiederkehrendes Element, das die Seitenzahl und andere Informationen enthält. Schauen Sie sich zum Beispiel das Design dieser Seite an: Neben dem Text finden Sie oben Angaben zur Rubrik, unten steht die Seitenzahl und überdies finden sich auf der Seite andere Elemente, die nur im Zusammenspiel zum dargestellten Resultat führen (Abbildung 1).
Das passende Seitendesign überlegen Sie sich, noch vor den ersten Schritten in Scribus. Legen Sie fest, welche Elemente Sie wo auf der Seite verwenden möchten. Dazu tun es ein Blatt Papier und ein Bleistift, wer Computerunterstützung für das Seitendesign braucht, nimmt Gimp. Haben Sie ein grundlegendes Design für Ihre Zeitung ausgearbeitet, geht es nun daran, es zum ersten Mal umzusetzen. Starten Sie Scribus über das K-Menü oder mit [Alt-F2] und scribus.
Die meisten Symbole in Scribus sind nach dem ersten Programmstart noch ausgeblendet. Legen Sie eine neue Seite an.
Lassen Sie sich nicht von den vielen Symbolleisten verwirren. Wichtig ist zunächst der große Arbeitsbereich in der Mitte. Dort ist ein weißes Blatt im von Ihnen festgelegten Format zu sehen, das jeweils an den Seiten mit blauen Linien einen Abstand zum Seitenrand eingetragen hat. Innerhalb dieses Bereichs finden alle Veränderungen statt, die Sie an einer Seite vollziehen.
Die Symbolleiste unter der Menüleiste bietet Schnellzugriff auf die wichtigsten Funktionen. Eine detaillierte Erläuterung der Symbole finden Sie im Kasten Werkzeuge.
Scribus verwendet Ebenen. Wenn Sie mit Gimp oder einer anderen Bildbearbeitungssoftware regelmäßig arbeiten, kennen Sie das Prinzip schon: Während der Arbeit an einer Seite werden nach und nach immer wieder neue Ebenen angelegt, die sich unabhängig von den anderen bearbeiten lassen. Stellen Sie sich eine Ebene am besten als "durchsichtige" Folie vor, die auf die Grundseite gelegt wird. Veränderungen werden dann innerhalb dieser Ebenen gespeichert. Löscht man eine Ebene, sind sofort alle Veränderungen verschwunden, die auf dieser Ebene existierten. Kleine Pannen beim Layouten sind damit kein Problem -- löscht man die entsprechende Ebene, ist der Fehler ausgebügelt.
Wiederholen Sie die vorangegangenen Schritte immer dann, wenn Sie wichtige Veränderungen im Dokument vorgenommen haben. Während der Arbeitsphase entsteht dadurch eine recht große Ebenenliste.
Das erste Lernziel dieses Workshops ist einfach, mit den verschiedenen Scribus-Werkzeugen und -Funktionen klarzukommen. Um normalen Text einzufügen, gehen Sie beispielsweise so vor:
Der schönste Artikel verkommt ohne Bilder zur "Bleiwüste". Der Umgang mit Bildern ist in Scribus glücklicherweise so einfach wie der Umgang mit Texten.
| Kasten 1: Druckersprache |
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Wenn Sie regelmäßig Texte setzen, sich aber im Handwerk eines Druckers noch nicht so gut auskennen, wird Sie vermutlich früher oder später jemand darauf aufmerksam machen, dass er in Ihrem Machwerk ein "Hurenkind" oder einen "Schusterjungen" gefunden hat. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: "Hurenkind" und "Schusterjunge" sind zwei Begriffe, die aus der Druckersprache stammen und bezeichnen zwei Fehler beim Setzen eines Textes. So spricht man vom Hurenkind dann, wenn der letzte Satz auf einer Seite in der ersten Zeile der folgenden Seite endet. Mit einem "Schusterjungen" verhält es sich ähnlich, allerdings beginnt hier ein neuer Absatz in der letzten Zeile einer Seite. Auch dieser Fehler wird nicht gern gesehen. Achten Sie beim Setzen Ihrer Texte darauf, dass Sie Schusterjungen und Hurenkinder vermeiden, indem Sie notfalls durch das manuelle Einfügen von Zeilenumbrüchen Platz sparen oder einfügen, wo es notwendig ist. |
Die anderen Icons in der Scribus-Leiste erklären sich fast von selbst. So ziehen Sie mit dem Button, an dessen Ende sich jeweils ein kleines Kreuz befindet, Trennlinien. Das viereckige Symbol legt Kästen an, die sich dann farbig ausfüllen lassen. So hinterlegen Sie Text mit einer Farbe. Diese vier Werkzeuge reichen entsprechend eingesetzt für eine ordentliche Zeitungsseite bereits aus. Eine Übersicht der Werkzeuge gibt Abbildung 2.
Wie schon erwähnt, werden Sie in einer Zeitung normalerweise nicht jede Seite mit einem neuen Layout ausstatten, sondern das Grunddesign über das ganze Druckwerk hinweg beibehalten. Deshalb ist es nicht sinnvoll, bei jeder neuen Seite erst das Grunddesign mühsam herzustellen. Arbeiten Sie stattdessen besser mit Musterseiten. Eine neue Seite erstellen Sie dann, indem Sie die Musterseite laden, den seitenspezifischen Inhalt eingeben und die Seite speichern.
So erstellen Sie eine Musterseite:

Nun setzen Sie das Seitenlayout, das Sie zuvor mit Bleistift und Papier oder mit Gimp ausgearbeitet haben, in eine Musterseite um. Im Beispiel hat die Seite drei Elemente: Am oberen Rand teilt eine schwarze Trennlinie einen kleinen Teil der Seite nach oben hin ab. Über der Trennlinie steht links die Seitenzahl, dann folgt ein senkrechter Trennstrich, und rechts daneben steht schließlich die Rubrik, in der die Seite erscheint.
Die erstellte Beispielseite wird im Heft später jeweils auf der linken Seite erscheinen. Deshalb befinden sich die festen Seitenelemente auf der linken Seite des Dokuments. Legen Sie nun noch eine Musterseite an, bei Seitenzahl, Trennstrich und Rubrikname jeweils auf der rechten Seite des Dokuments stehen. Im gedruckten Heft sind das später die rechten Seiten.
Schließen Sie den Dialog zur Bearbeitung von Musterseiten. Nun beginnen Sie die erste tatsächliche Seite.
Eine Musterseite ist zwar schön, ohne Text aber wenig aussagekräftig. Fügen Sie deshalb welchen ein:
Nun haben Sie zwar Text im Dokument, wie ein echter Zeitungstext sieht der aber noch nicht aus. Das liegt im Wesentlichen daran, dass er bisher nur ein normaler Lauftext ist. Zeitungen sind allerdings in Spalten unterteilt. Um bei Ihrer Zeitung ebenfalls eine Spaltentrennung einzuführen, gehen Sie die folgenden Schritte:
Der Eigenschaften-Dialog enthält übrigens für Textfelder noch viele weitere, praktische Einstellungsmöglichkeiten. Bei Text legen Sie zum Beispiel die Schriftgröße fest, ohne extra den Texteditor zu öffnen (Abbildung 4). Zudem bestimmen Sie hier auch den Zeilenabstand sowie den Abstand einzelner Buchstaben voneinander (wenn der Abstand größer sein soll, als er normalerweise ist).
Das Einsetzen von Bildern gestaltet sich einfach: Ziehen Sie diesem Artikel beschrieben irgendwo den entsprechenden Bereich für das Bild auf, laden Sie es und passen Sie die Bildgröße an. Das erledigen Sie entweder manuell oder mit der Option An Rahmen anpassen im Dialog Bild im Eigenschaften-Fenster.
An dieser Stelle wird der letzte Aspekt klar, der bei Scribus wichtig ist: Scribus weist einzelnen Elementen auf einer Seite nach einem eigenen System Prioritäten zu. Das hat mit dem zuvor beschriebenen Ebenensystem nichts zu tun, es hilft Scribus und dem Benutzer lediglich dabei, die Reihenfolge der Darstellung bestimmter Elemente auf einer Seite zu beeinflussen. Elemente mit hoher Priorität liegen nämlich auf Elementen mit niedrigerer Priorität und verdecken diese.
Dieses Problem hat auch Ihr Bild noch: Der Text liegt darüber, so dass man es zwar schemenhaft erkennt, aber trotzdem nicht richtig sehen kann. So beheben Sie den Fehler:
Scribus erledigt den Rest alleine, ordnet Ihren Text also so an, dass er um das Bild herum fließt.
Wenn Ihr Textkasten ausgefüllt ist, verschiebt Scribus nach dem Einfügen des Bildes automatisch den Text, um Platz für das Bild zu schaffen. Statt des vollständigen Textes im Kasten ist nur noch ein Teil zu sehen, am Ende erscheint ein Kreuz. Es verdeutlicht, dass der Text am Ende des Kastens eigentlich noch weitergeht.
Das Problem lösen Sie so:
Gefällt Ihnen die selbst gestaltete Zeitung, geht es ab zur Druckerei. Als Austauschformat ist dafür heute PDF üblich, das Scribus perfekt beherrscht. Den passenden Menüpunkt finden Sie unter Datei / Exportieren / als PDF-Datei sichern (Abbildung 6). Nun steht Ihrem eigenen Print-Imperium nichts mehr im Weg. (ofr)
Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.
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Last modified: 2008-11-05 17:01
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