![]() |
|
||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||
Martin Loschwitz
Apples Entscheidung, Intel-CPUs statt PowerPC-Prozessoren in ihren Rechnern zu verbauen, sorgte für Wirbel in der Computerwelt: Durch die neue Architektur sind Macs normalen PCs von der Stange in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich geworden -- so ähnlich, dass sich eine handelsübliche Linux-Distribution eigentlich völlig problemlos installieren lassen sollte. Tatsächlich: Mit Apples Programm BootCamp [1] richten Sie sogar drei Betriebssysteme ein -- Mac OS X, Linux und Windows auf einem Intel-Mac sind sofort startklar.
Als Testgerät haben wir einen aktuellen iMac (Dual-Core-Prozessor mit 2 GHz, 1 GByte RAM, 128 MByte Videospeicher) verwendet (Abbildung 1).

Zwar ist die Linux-Installation auch ohne BootCamp möglich, das Apple-Hilfsprogramm erleichtert die Arbeit aber immens. Die folgende Anleitung beschreibt daher die BootCamp-basierte Einrichtung. Beachten Sie, dass Sie dafür eine USB-Tastatur benötigen: Wenn Sie eine Bluetooth-Tastatur verwenden, ist Umstecken angesagt.
Die Suse-Installation läuft genau wie auf normalen PCs ab, übernehmen Sie die vom Installer ermittelten Vorgaben, wie sie angezeigt werden. Es gibt lediglich zwei Ausnahmen:
Fahren Sie mit der Installation wie gewohnt fort. Eine ausführliche Anleitung zur Suse-Installation finden Sie im EasyLinux Starter Kit 10 (Suse Linux 10.0).
| Kubuntu |
|
Auch Kubuntu musste sich im Test dem Duell mit dem iMac stellen, zunächst landete die Version 5.10 im Laufwerk. Allerdings gab es mit "Breezy Badger" nur wenig Freude: Zwar bootete die CD, aber beim Starten des X-Servers blieb das komplette System hängen, und nur ein beherzter Druck auf den Reset-Knopf konnte den Rechner wieder zur Räson bringen. Besser lief es zunächst mit der neuen Kubuntu-Version 6.10 LTS: Das Live-System startete, und nach rund fünf Minuten war Linux betriebsbereit. Den Breitbildmonitor des Macs erkannte Kubuntu allerdings nicht: Im verwendeten Modus mit 1280x1024 Pixeln stellte das System den Desktop im falschen Seitenverhältnis dar. Der Klick auf Install auf dem Desktop startete sogleich den Installationsassistenten, und es gab eine böse Überraschung: Kubuntu erkannte den Bluetooth-Adapter des Macs nicht, so dass die Bluetooth-Tastatur nicht funktionierte. Ein USB-Keyboard löste zwar das Problem, trotzdem werden diejenigen, die bei der Anschaffung des Macs mehr Geld für eine Bluetooth-Tastatur investieren, an dieser Stelle bestraft. Bootmanager-DesasterDer Installationsprozess, der bei Ubuntu erstmals mit einem grafischen Installer realisiert wird, ist sehr einfach: In nur sechs Schritten erfragt die Installationsroutine alle wichtigen Informationen -- die Festplattenpartitionierung inbegriffen. Die Freude über die einfache Installation wich aber bald Resignation: Der Einfachheit halber fragt Kubuntu nämlich nicht mehr, welchen Bootmanager es installieren soll. Für BootCamp braucht man LILO, Kubuntu installiert aber automatisch Grub und lässt die Festplatte in einem Zustand zurück, in dem weder Linux noch Mac OS starten. Erst eine Wiederherstellung der Bootreihenfolge mit der CD von Mac OS schuf Abhilfe. Zwar wäre es theoretisch möglich, aus dem gestarteten Live-System heraus LILO zu installieren. Für Anfänger ist diese Aufgabe aber nicht zu bewältigen. Ubuntu schafft den Mac-Test nicht. |
| Mandriva Linux 2006 |
|
Weil Mandriva Linux 2006 bereits viele Monate auf dem Buckel hat, enthält es einen Kernel, der älter als die Intel-Macs ist. Ihm fehlen deshalb alle Neuerungen, die notwendig sind, um Linux auf den Macs mit Intel-Prozessor zur Kooperation zu überreden. Das Resultat war ein schwarzer Schirm nach dem Einlegen der Mandriva-CD. Leider ist Mandriva Linux 2006 damit ein Totalausfall, was Intel-Macs angeht. |
Nachdem BootCamp wahlweise bei der Windows- oder Linux-Einrichtung hilft, stellt sich die Frage, ob auch beides parallel möglich ist, sich also ein Dreifachsystem mit Mac OS, Linux und Windows einrichten lässt. Die kurze Antwort ist: Es funktioniert. Aber für ein brauchbares Resultat ist ein wenig Handarbeit notwendig.
Unverändert gilt der dringende Hinweis, von wichtigen Daten im Vorfeld ein Backup zu machen, das Sie zurückspielen können, falls es zu Schwierigkeiten bei der Installation kommt. Auf die grafischen Hilfen, die Apple zusammen mit Mac OS und BootCamp zur Verfügung stellt, ist in dieser Kombination kaum mehr Verlass; viele Schritte sind nur manuell zu bewerkstelligen.
Auf Intel-Macs funktioniert die Partitionierung der Festplatte zwar schematisch genau wie auf normalen Intel-PCs. Aufgrund diverser Unterschiede zwischen EFI (der Motherboard-Firmware, die Intel-Macs verwenden) und dem alten BIOS liegen den Systemen technisch aber völlig andere Funktionsweisen zugrunde. Weil EFI nur den GPT-Boot-Mechanismus unterstützt, Windows XP zugleich aber einen so genannten "Master Boot Record" auf der Platte braucht, damit es überhaupt startet, entsteht hier ein Problem. BootCamp umgeht dieses Problem zwar, wenn man Windows damit direkt installiert -- dann ist anschließend aber auch die Festplatte so verbaut, dass ein drittes Betriebssystem keinen Platz mehr hat. Es ist also Handarbeit bei der Partitionierung der Festplatte angesagt.
Die folgenden Schritte wirken schwieriger, als sie es sind. Apples Mac OS X enthält praktische und gut funktionierende Hilfsprogramme für die Kommandozeile, auf die Sie sich für die Einrichtung begeben müssen.
Bevor Sie die Partitionierung verändern, starten Sie den BootCamp-Installationsassistenten, der Ihnen gleich im ersten Dialog das Erstellen einer Treiber-CD anbietet. Diese CD enthält alle für die Windows-Installation nötigen Treiber. Fahren Sie anschließend aber nicht mit der Partitionierung der Platte fort, sondern beenden Sie den Assistenten wieder.
Beachten Sie, dass dieser Schritt nur dann funktioniert, wenn Sie zuvor nicht mit BootCamp die Festplatte partitioniert haben.
So schaffen Sie Platz für Mac OS, Linux und Windows:
sudo diskutil resizeVolume Mac-OS-Partition 190G Linux disk0s3 20G "MS-DOS FAT32" disk0s4 20G
Installieren Sie nun Windows und achten Sie darauf, bei der Auswahl der Festplattenpartition die für Windows eben angelegte auszuwählen, also die zweite Partition mit 20 GByte (sie erhält unter Windows den Laufwerksbuchstaben C:). Formatieren Sie die Partition mit FAT32, nicht NTFS.
Im Anschluss startet das Windows-Setup den Computer neu. Halten Sie bei der Installation [Alt] (auch "Optionstaste" genannt) so lange gedrückt, bis ein Auswahlmenü erscheint. Darin wählen Sie die Windows-Festplatte aus. Der Windows-Installer setzt dann seine Arbeit fort.
Den Trick mit der Optionstaste müssen Sie übrigens bei jedem Neustart wiederholen, bis die Windows-Installation abgeschlossen ist.
Installieren Sie unter Windows noch die Treiberpakete von der BootCamp-CD.
Eine Festplattenpartition liegt noch immer brach -- und auf die kommt jetzt noch das Linux-System. Legen Sie also eine Linux-Installations-CD oder -DVD ein. Starten Sie den Mac neu und halten Sie [C] gedrückt, sobald Sie den Apple-Jingle hören. Der Mac startet jetzt das Linux-Setup von CD.
Die Installation vollziehen Sie wie gewohnt -- mit zwei Eigenheiten: Wie schon zuvor wählen Sie die noch freie 20-GByte-Partition als Ziel für das neue System. Für eine Swap-Partition ist auch in diesem Beispiel weder Platz noch brauchen Sie diese. Als Boot-Manager wählen Sie außerdem statt Grub Lilo aus. Zum Startlaufwerk machen Sie die Partition, auf der Sie Linux installieren, im Beispiel /dev/hda3. Haben Sie die Einstellungen vorgenommen, stoßen Sie die Installation an.
Nach erfolgreicher Linux-Installation fehlt jetzt nur noch eine Lösung, die komfortabel den Start aller drei Systeme ohne Umweg erlaubt: Sie heißt rEFIt.
Unsere Testresultate für den iMac sind nicht ohne Weiteres auf die anderen Intel-Macs übertragbar: So verwendet z. B. der Mac Mini einen anderen Grafikchip als die MacBooks, die MacBook Pro und der iMac. Die Notebooks (MacBook und MacBook Pro) benötigen spezielle Power-Management-Treiber, die unter Linux nur teilweise oder eventuell gar nicht funktionieren.
Dass Ubuntu im Test nicht benutzbar war, heißt nicht, dass es generell die Zusammenarbeit mit Intel-Macs verweigert -- im Internet gibt es diverse Anleitungen dazu, wie die Distribution sich aus einem Live-System heraus installieren lässt (z. B. [4]). Das ist allerdings eher etwas für Mutige. (hge)
| Infos |
|
[1] Apple BootCamp: http://www.apple.com/de/macosx/bootcamp/
[2] Apples Firmware-Updates für Intel-Rechner, damit BootCamp funktioniert: http://www.apple.com/support/downloads/ [3] Der rEFIt-Bootmanager: http://refit.sourceforge.net/ [4] Englische Anleitung: Ubuntu auf Intel-Mac: http://desrt.mcmaster.ca/macbook.xhtml [5] GPT-FAQ: http://www.microsoft.com/whdc/device/storage/GPT_FAQ.mspx |
Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.
Druckerfreundliche Version |
Feedback zu dieser Seite |
Datenschutz |
© 2012 Linux New Media AG |
Last modified: 2008-11-05 17:01
[Linux-Magazin]
[LinuxUser]
[Linux-Community]
[Admin-Magazin]
[Ubuntu User]
[Smart Developer]
[Linux Events]
[Linux Magazine]
[Ubuntu User]
[Admin Magazine]
[Smart Developer]
[Linux Magazine Poland]
[Linux Community Poland]
[Linux Magazine Brasil]
[Linux Magazine Spain]
[Linux Technical Review]