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Erschienen in EasyLinux 08/2006   »   Ausgabe bestellen

Fantastische 3D-Effekte mit Xgl unter Suse Linux

Würfelzauber

Marcel Hilzinger


Xgl ist zweifellos eine der spannendsten Entwicklungen für den Linux-Desktop. In diesem Artikel lesen Sie, wie Sie den 3D-Desktop ohne Zauber unter Suse Linux 10.1 einrichten.

Xgl ist eine von Novell entwickelte Technik, die die 3D-Fähigkeiten der Grafikkarte benutzt, um bestimmte Spezialeffekte darzustellen. Der bekannteste unter diesen Effekten ist der Würfel (Abbildung 1) für den Wechsel zwischen den virtuellen Arbeitsflächen. Bevor Sie sich nun fieberhaft an diesen Workshop machen, sollten Sie allerdings die Voraussetzungen im Kasten Checkliste lesen. Sie ersparen sich damit eventuell einigen Ärger bei der Einrichtung von Xgl.

Abb. 1: Mit Xgl sieht Ihr Desktop wie ein Würfel aus, den Sie beliebig drehen können.

Xgl installieren

Die Xgl-Pakete sind nicht Teil der Standardinstallation. Sie müssen diese deshalb zunächst mit YaST nachinstallieren.

  1. Starten Sie YaST über [Alt-F2] und den Befehl kdesu yast2.
  1. Wählen Sie Software / Software installieren oder löschen.
  1. Geben Sie xgl in die Suchmaske ein und markieren Sie beide Pakete.
  1. Suchen Sie nach dem Paket compiz und merken Sie auch dieses für die Installation vor.

Nach einem Klick auf Übernehmen zeigt YaST die automatischen Änderungen an, die die Installation der ausgewählten Pakete nach sich zieht. Wählen Sie hier Fortfahren. Xgl ist nun auf Ihrem Rechner installiert.

Checkliste

Die Anweisungen in diesem Workshop beziehen sich auf Suse Linux 10.1. Für Suse Linux 10.0 finden Sie unter [1] eine detaillierte Anleitung, ältere Suse-Versionen werden von Novell nicht unterstützt. Für Ubuntu Dapper Drake gibt es unter [2] eine englische Anleitung, für Mandriva Linux 2006 unter [3].

Xgl funktioniert am besten mit Nvidia-Grafikkarten, die den proprietären Treiber von Nvidia benutzen, und auf i9xx-Grafikchips von Intel. Bei ATI-Karten ist das Grafiksystem bereits wählerischer: Hier benötigen Sie in der Regel eine Karte, die mit den proprietären Treibern funktioniert. Details zur Einrichtung der 3D-Beschleunigung lesen Sie unter [4]. Falls Ihre Grafikkarte Xgl nicht voll unterstützt, arbeitet der Rechner entweder ganz langsam oder das grafische System stürzt ab. In seltenen Fällen kann auch Linux komplett abstürzen. Ohne 3D-Beschleunigung arbeitet Xgl überhaupt nicht.

Bei Problemen laden Sie sich am besten die neuesten Xgl-Pakete für Suse 10.1 aus dem Internet herunter [5]. Sie benötigen die Pakete compiz-cvs, xgl-cvs und libpng aus dem Verzeichnis i586 beziehungsweise x86_64 und xgl-hardware-list aus dem Verzeichnis noarch. In der neuesten Version sind die Konfigurationsdialoge bereits auf Deutsch übersetzt. In unseren Tests mit den Paketen vom 21. Juni gab es aber einen Fehler mit der Gnome-Fensterdekoration: Diese startete überhaupt nicht.

Xgl einschalten

Suse Linux 10.1 bringt ein grafisches Werkzeug für die Einrichtung von Xgl mit. Sie starten dieses über [Alt-F2] und den Befehl

gnome-xgl-settings

Das Programm überprüft zunächst die 3D-Tauglichkeit Ihres Rechners und die Fähigkeiten der Grafikkarte (Abbildung 2).

Abb. 2: Die Einrichtung von Xgl erfolgt in einem übersichtlichen Gnome-Dialog.

Zeigt es unter 3D-Acceleration den Wert Enabled an, sind die Grundvoraussetzungen für Xgl erfüllt. Steht dort hingegen Disabled, müssen Sie zunächst die 3D-Unterstützung Ihrer Grafikkarte aktivieren. Hinter Video card listet der Dialog die erkannte Grafikkarte auf. Befindet sich diese in einer speziellen Liste von unterstützen Modellen, sollte Xgl auf Ihrem Rechner problemlos funktionieren. Ist Ihre Karte nicht in der Datenbank, können Sie Xgl über einen Klick auf Enable 3D Desktop trotzdem aktivieren. Bei Nvidia-Karten funktioniert das in der Regel problemlos. Danach müssen Sie das Root-Passwort eingeben, damit das Tool die nötigen Änderungen an den Konfigurationsdateien vornehmen kann. Ein Neustart von KDE ist an dieser Stelle noch nicht nötig; benutzen Sie Gnome, startet dieses automatisch neu.

Xgl starten

Bevor Sie Xgl ausprobieren können, müssen Sie zunächst eine Einstellung im KDE-Kontrollzentrum überprüfen:

  1. Starten Sie das KDE-Kontrollzentrum über [Alt-F2] und den Befehl kcontrol.
  1. Wählen Sie Arbeitsfläche / Fensterleiste und überprüfen Sie, ob vor Die Fenster sämtlicher Arbeitsflächen anzeigen eine Markierung gesetzt ist. Wenn nicht, markieren Sie diese Option und klicken dann auf OK.

In einem zweiten Schritt müssen Sie eine KDE-Autostartdatei anlegen, um beim Start von KDE automatisch den Compiz-Fenstermanager zu aktivieren. Öffnen Sie dazu den Editor Kate über [Alt-F2] und den Befehl kate und schreiben Sie danach den Inhalt des Kastens Autostart-Datei ab. Anschließend speichern Sie die Datei unter dem Namen compiz.desktop im Verzeichnis .kde/Autostart Ihres Home-Verzeichnisses. Dazu wählen Sie in Kate Datei / Speichern unter und klicken im neuen Dialog auf Persönlicher Ordner. Unter Adresse tippen Sie nun .kde/Autostart/compiz.desktop ein (der Punkt am Anfang ist wichtig) und klicken dann auf Speichern.

Nach diesen Vorbereitungen starten Sie KDE neu. Wählen Sie dazu Abmelden / Aktuelle Sitzung beenden aus dem Startmenü. Melden Sie sich neu an, startet bereits Xgl und der Compiz-Fenstermanager. Sie erkennen Xgl daran, dass die Fenster beim Verschieben schwabbeln (Abbildung 3) und KDE eine leicht veränderte Fensterdekoration anzeigt. Im Xgl-Konfigurationsdialog sind nun auch die restlichen Reiter aktiv, auf denen Sie Xgl detailliert einrichten und zum Beispiel die Anzahl der virtuellen Arbeitsflächen festlegen.

Autostart-Datei

[Desktop Entry]
Encoding=UTF-8
Exec=compiz --replace gconf & gnome-window-decorator &
GenericName[de]=Compiz und Gnome-Fensterdeko starten
StartupNotify=false
Terminal=false
TerminalOptions=
Type=Application
X-KDE-autostart-after=kdesktop

Abb. 3: Schwabbelnde Fenster sind eines der typischen Merkmale von Xgl.

Xgl benutzen

Die Bedienung von Xgl erfolgt weitgehend über Tastenkombinationen und das Mausrad. Um zum nächsten Desktop zu wechseln, drücken Sie [Strg-Alt-Rechts], zurück geht's mit [Strg-Alt-Links]. Die Kombination [Strg-Alt-Pfeil runter] zeigt sämtliche Desktops nebeneinander an. Diese Übersicht ist oft hilfreich, da der Desktop-Umschalter von KDE nicht mit Xgl klarkommt: Er zeigt nur noch eine Arbeitsfläche an.

Eine Sonderfunktion von Xgl erreichen Sie über die [Pause]-Taste. Das Programm ordnet dann sämtliche Fenster einer Arbeitsfläche nebeneinander an (Abbildung 4), so dass Sie per Klick das gewünschte Fenster in den Vordergrund holen können.

Abb. 4: Bei Apple abgeschaut: Über die Pausetaste ordnet Xgl alle Fenster übersichtlich nebeneinander an.

Zwei nützliche Funktionen erreichen Sie nur per Mausrad oder Scrollbereich auf dem Touchpad. Bewegen Sie bei gedrückter [Windows]-Taste das Mausrad, vergrößert Xgl den aktuellen Ausschnitt des Bildschirms. [Alt-Mausrad] über einem Fenster ändert den Transparenzwert. So können Sie einzelne Fenster vollständig durchsichtig einstellen.

Eine nette Spielerei schalten Sie über [Umschalt-F9] ein: Auf Ihrem Desktop fängt es dann an zu regnen, und einzelne Tropfen hinterlassen ihre Spuren auf der Arbeitsfläche (Abbildung 5). Beachten Sie, dass diese Funktion nur wenige Grafikkarten perfekt unterstützen und Ihr System dabei sehr langsam werden kann. Erneutes Drücken von [Umschalt-F9] schaltet den Regen aus. Sind auch die letzten Tropfen weg, sollte sich die Prozessorlast wieder normalisieren.

Abb. 5: Xgl macht's möglich: Führen Sie Ihren Bekannten einmal diesen Regentanz vor.

Kein Licht ohne Schatten

Xgl ist mehr als eine bloße Spielerei. Der 3D-Desktop hat jedoch auch seine Schattenseiten. Bei vielen Spielen funktioniert die 3D-Beschleunigung unter Xgl nicht, und durch den fremden Fenstermanager büßt KDE einiges an Funktionalität ein. Zumindest dieses Problem lässt sich durch einen Wechsel zu Gnome beheben, für KDE-Benutzer ist dies allerdings keine echte Lösung. Möchten Sie Xgl wieder ausschalten, starten Sie über [Alt-F2] und den Befehl gnome-xgl-settings den grafischen Konfigurationsdialog von Xgl und klicken hier auf Disable 3D Desktop. Bei Problemen mit der grafischen Oberfläche versetzt der Befehl

gnome-xgl-switch --disable-xgl

den Sie mit Root-Rechten eingeben müssen, die grafische Oberfläche wieder in den ursprünglichen Zustand zurück. Die Autostart-Datei müssen Sie nicht löschen: Ist Xgl deaktiviert hat diese keine Bedeutung. (mhi)

Infos
[1] Anleitung für Suse Linux 10.0: http://de.opensuse.org/Xgl_unter_älteren_Versionen_von_SUSE_Linux_verwenden
[2] Anleitung für Ubuntu: https://help.ubuntu.com/community/CompositeManager/Xgl
[3] Anleitung für Mandriva Linux: http://qa.mandriva.com/twiki/bin/view/Main/XglHowTo
[4] Marcel Hilzinger: "Schön in allen Dimensionen", EasyLinux 02/2006, S. 16. ff.
[5] Aktuelle Xgl-Pakete: http://download.opensuse.org/distribution/SL-OSS-factory/inst-source/suse/

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