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Erschienen in EasyLinux 08/2006   »   Ausgabe bestellen

System überwachen mit Gkrellm

Unter Beobachtung

Kristian Kißling


Das Babyfon für Computernutzer ist der Systemmonitor. Gkrellm gehört zu den beliebtesten Vertretern dieser Gattung -- der modulare Helfer nimmt Linux den Puls.

Aufgebaut ist Gkrellm [1] wie ein Hifi-Turm: Mehrere übereinander gestapelte Monitore zeigen, wie viele Prozesse gerade laufen und ob ein Programm Ihre CPU malträtiert (Abbildung 1). Gkrell informiert Sie auch darüber, ob neue E-Mails in Ihrem Postfach liegen und -- über eine Erweiterung -- wie das Wetter wird.


Monitore: überwachen Hardware- und Software-Ressourcen des Systems und bereiten die gewonnenen Daten auch grafisch auf. So zeigt ein Festplattenmonitor die Zugriffe auf die Platte in Diagrammform.

Abb. 1: Der Systemmonitor Gkrellm erinnert an ein klassisches Hifi-Rack: Er stapelt die Monitore für verschiedene Systemkomponenten übereinander und wächst mit jeder zusätzlichen Erweiterung.

Installation

Nutzer von Suse Linux 10.0/10.1 installieren das Programm über die Heft-DVD: Wie das geht, verrät die Anleitung auf der DVD. Mandriva Linux 2006 bringt Gkrellm in der Version 2.2.7 mit, Sie spielen das Programm über RPMDrake ein. Kubuntu-Anhänger installieren das Paket gkrellm über den Paketmanager Adept.

  1. Starten Sie dazu Adept und geben Sie Ihr Benutzerpasswort ein.
  1. Rufen Sie den Menüpunkt Ansicht / Paketquellen verwalten auf. Es erscheint eine Liste von Paketquellen, auf die schwarz hervorgehobenen greift der Paketmanager aktuell zu.
  1. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf deb http://de.archive.ubuntu.com/ubuntu breezy universe und wählen Sie Enable aus dem Kontextmenü. Nach einem Mausklick auf Apply akzeptiert der Paketmanager die neuen Paketquellen.
  1. Ein Linksklick auf das Icon Aktualisierungen holen bringt abschließend die Paketliste auf den neusten Stand.
  1. Suchen Sie dann nach gkrellm und installieren Sie das Paket auf die gewohnte Weise -- die Abhängigkeiten löst Adept selbständig auf.

Drücken Sie [Alt-F2] und geben Sie gkrellm ein, um den Monitor zu starten. Werfen Sie zunächst ein Blick auf die verschiedenen Monitore. Ganz oben steht der Name Ihres Rechners, darunter finden Sie Datum und aktuelle Uhrzeit. Es folgen Monitore, die CPU, Prozesse, Festplatte und Netzwerkkarte überwachen. Weitere Module beaufsichtigen Speicher, Swap und den E-Mail-Eingang. Jeder Monitor zeigt dabei wahlweise Kurven oder Zahlen an. Wie Sie zusätzliche Monitore einbinden, verrät der Kasten Erweiterungen.

Erweiterungen

Wollten Sie schon immer mal Programme selbst übersetzen, bieten sich die Gkrellm-Plugins als Experimentierfeld an. Sie finden diese auf der Webseite [2]; eine Anleitung zum Übersetzen von Software gibt es im Internet [3]. Ein Hinweis: Den Befehl make install brauchen Sie beim Kompilieren nicht auszuführen: Kopieren Sie einfach mit Root-Rechten die beim Kompilieren entstehende Datei mit der Endung so in das Verzeichnis /usr/lib/gkrellm2/plugins und starten Sie Gkrellm neu.

Der CPU-Monitor zeigt die Belastung des Prozessors an: So identifizieren Sie schnell fehlerhafte Programme, die schlagartig die CPU in Beschlag nehmen und damit das System nahezu einfrieren. Auf dem Proc-Monitor steht neben procs die Anzahl der laufenden Prozesse. Darunter lesen Sie, wie viele Benutzer gerade auf Ihrem System arbeiten. Keine Panik falls Gkrellm plötzlich 2 users anzeigt: Einige Programme starten im Hintergrund mit anderer Benutzerkennung. Unter Suse Linux startet z. B. regelmäßig der Find-Befehl, der neue und aktualisierte Dateien identifiziert, als Benutzer Nobody. Der Festplatten-Monitor zeigt die Zugriffe auf die Festplatte an.

Die Netzwerkkarte heißt meist eth0, der gleichnamige Netzwerk-Monitor zeigt, welche Datenpakete sie empfängt oder sendet. Bewegen Sie die Maus über den Graphen, erscheint ein kleines graues Rechteck. Klicken Sie auf dieses, öffnet sich ein Fenster, das Ihnen die Datenmenge anzeigt, die Ihre Netzwerkkarte Täglich, Wöchentlich und Monatlich passiert (Abbildung 2) -- eine interessante Möglichkeit für Nutzer von Volumentarifen.

Abb. 2: Internetnutzer, denen laut Vertrag nur ein begrenztes Datenvolumen pro Monat zusteht, messen mit Gkrellm das Datenaufkommen in einem bestimmten Zeitraum.

Monitore einstellen

Drücken Sie [F1], erscheint das Konfigurationsmenü von Gkrellm. Sie sehen den Reiter Allgemein, der über drei Unterregister verfügt, über die Sie das Aussehen und die Handhabung von Gkrellm ändern. Über den Reiter Optionen bestimmen Sie, ob das Programm Ihnen an oberster Stelle den Rechnernamen und den Systemnamen präsentiert. Am selben Ort verändern Sie über Breite von Gkrellm auch die horizontale Ausdehnung des Systemmonitors -- die Änderungen treten dabei sofort in Kraft.

Der Reiter rechts daneben trägt den Schriftzug Eigenschaften: Wählen Sie dort die Option Oberhalb anderer Fenster gleicher Art setzen, bleibt Gkrellm immer sichtbar und setzt sich automatisch vor andere Fenster. Die Wahlmöglichkeiten unter Fenster als Dock oder Panel setzen beziehen sich auf alternative Desktops und betreffen KDE-Nutzer nicht.

Layout-Tricks

Die Monitore von Gkrellm sind nicht unbedingt übersichtlich: So überlagern sich z. B. die Kurven für den aus- und eingehenden Datenverkehr. Das ändern Sie mit einem Klick der rechten Maustaste auf den jeweiligen Monitor: Dadurch öffnet sich ein Layoutfenster (Abbildung 3). Wählen Sie Geteilte Ansicht, trennt Gkrellm die Kurven voneinander, was die Übersicht erleichtert. Zudem besteht die Möglichkeit, die Diagrammhöhe zu ändern -- auch diese Option gilt für sämtliche Monitore.

Abb. 3: Ein Rechtsklick auf einen Monitor öffnet ein Fenster, über das Sie das Layout des Monitors verändern. So sorgen Sie dafür, dass die Kurven sich nicht überlagern.

Feintuning

Anders sieht das mit der Konfiguration der Module aus: Da diese sich qualitativ unterscheiden, variieren auch die Möglichkeiten, sie zu beeinflussen. Rufen Sie wieder das Konfigurationsmenü auf, finden Sie im linken Fenster den Punkt Fester Inhalt. Hier bearbeiten Sie die Voreinstellungen für die Standardmonitore von Gkrellm.

Im Bereich Uhr legen Sie fest, wie Gkrellm die aktuelle Uhrzeit anzeigt, wesentlich interessantere Möglichkeiten bietet aber der Reiter Einrichtung. Tragen Sie als Stunden-Befehl einen beliebigen Kommandozeilen-Befehl ein, führt Gkrellm diesen automatisch nach jeder vollen Stunde aus. Das Kommando kmail ruft z. B. jede Stunde das E-Mail-Programm auf. In die Felder darunter kommen so genannte Startbefehle: Dabei handelt es sich ebenfalls um Kommandos, die Gkrellm bei einem Linksklick auf einen Monitor ausführt. Geben Sie in die Zeile Kalender-Befehl das Kommando korganizer ein, startet ein Klick auf das Datum den KDE-Kalender. Wollen Sie, dass Gkrellm ein bestimmtes Modul nicht mehr anzeigt, entfernen Sie für jeden Monitor das Häkchen neben dem Eintrag aktivieren.

Es gibt auch spezifische Einstellungen für einzelne Module: Soll Gkrellm Ihre E-Mails abholen, tragen Sie unter Fester Inhalt / Mail / Postfächer als Entferntes Postfach Ihren E-Mail-Provider ein. Nutzen Sie Web.de, muss dort z. B. unter Server smtp.web.de stehen, darunter geben Sie Nutzername und Passwort an. Gkrellm lädt die E-Mails nicht runter, sondern schaut nur regelmäßig auf dem Server nach, ob es neue E-Mails gibt. Tragen Sie unter dem Reiter Einrichtung als Programm zum Lesen von Mails den Namen Ihres E-Mail-Clients ein, startet dieser beim Klick auf die noch nicht abgeholten E-Mails.

Neue Kleider

Langweilt Sie das Aussehen von Gkrellm, finden Sie auf der Heft-DVD und auf der Gkrellm-Webseite [1] neue Themes, die das Gesicht des Systemmonitors verändern: Laden Sie ein Theme mit der Endung tar.gz herunter und entpacken Sie es im Konqueror über das Kontextmenü und den Eintrag Hier entpacken. Kopieren Sie den Ordner nach /home/benutzername/.gkrellm2/themes, wobei Sie benutzername durch Ihren Benutzernamen ersetzen. Öffnen Sie mit [F1] noch einmal das Menü Konfiguration, wählen Sie links Themen und auf der rechten Seite das neue Thema und drücken Sie OK: Nun erscheint Gkrellm im neuen Gewand. (kki)

Infos
[1] Webseite von Gkrellm: http://members.dslextreme.com/users/billw/gkrellm/gkrellm.html
[2] Gkrellm-Erweiterungen: http://members.dslextreme.com/users/billw/gkrellm/Plugins.html
[3] Artikel zum Thema Kompilieren im Netz: http://www.planet-rcs.de/de/article/compile_howto/

Auf der Heft-CD:


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