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Erschienen in EasyLinux 08/2006   »   Ausgabe bestellen

Erweiterte Fenstereinstellungen für Programme

An der kurzen Leine

Andrea Müller


Widerspenstige Fenster, die sich ihre Größe nicht merken, weisen Sie mit Bordmitteln von KDE in ihre Schranken. Der Desktop bringt alle Werkzeuge mit, die Sie benötigen, um das Verhalten von Programmfenstern zu steuern.

Nicht alle Programme unter Linux merken sich die Fenstergröße, wenn Sie diese schließen. Sogar Firefox vergisst manchmal seine Fenstergröße und startet nicht mehr maximiert. Selbst wenn eine Anwendung keine Option mitbringt, welche die Fenstergröße beim Start festlegt, müssen Sie das Programm nicht nach jedem Aufruf von Hand maximieren oder verkleinern: KDE nimmt Ihnen diese Arbeit ab, sobald Sie für eine Anwendung erweiterte Fenstereinstellungen definieren.

Mit Hilfe dieses Features ist es nicht nur möglich, Anwendungen mit einer bestimmten Fenstergröße zu starten, sondern Sie können beispielsweise auch bestimmen, dass sich ein Programm immer in der oberen linken Bildschirmecke öffnet.

Feste Maße

Wir erklären im ersten Teil Schritt für Schritt, wie Sie eine neue Regel für ein Programmfenster definieren, so dass die Anwendung sich automatisch maximiert öffnet. Im Abschnitt Weitere Optionen erfahren Sie dann, welche zusätzlichen Möglichkeiten es gibt, das Verhalten von Anwendungsfenstern zu beeinflussen. Eines kann KDE jedoch nicht: Der Desktop steuert nur Fenster, bei denen die Anwendung selbst entsprechende Optionen mitbringt. Es ist also nicht möglich, das Fenster des Audio-Players XMMS [1] zu maximieren.

Auf dem schnellsten Weg erreichen Sie den richtigen Dialog über die Titelleiste des Programms, das Sie künftig automatisch maximiert starten wollen.

  1. Ziehen Sie zuerst das Fenster auf die gewünschte Größe, da KDE die Maße dann später automatisch einträgt. Klicken Sie danach mit der rechten Maustaste auf die Titelleiste und wählen Sie Fensterverhalten festlegen aus dem Kontextmenü.

  1. Im folgenden Dialog wechseln Sie in der Leiste am linken Fensterrand zum Abschnitt Fensterspezifische Einstellungen. Im rechten, anfangs noch leeren, Listenfeld zeigt KDE alle Regeln an, die Sie definiert haben.
  1. Über die Schaltfläche Neu erstellen Sie eigene Regeln. Der folgende Dialog besteht aus fünf Registerreitern, auf denen Sie eine Aktion festlegen, die KDE nur auf ein bestimmtes Programmfenster anwendet.
  1. Tragen Sie zunächst im Feld Beschreibung einen frei wählbaren Namen ein, beispielsweise Firefox maximiert, und klicken Sie danach auf Erkennen. Der Mauszeiger verwandelt sich in ein Kreuz, mit dem Sie das Fenster des Programms anklicken, für das die neue Regel gelten soll. Beachten Sie dabei, dass Sie ins Anwendungsfenster klicken müssen; mit der Titelleiste funktioniert es nicht.
  1. Der folgende Dialog verrät Ihnen Klasse, Typ und Titel des angeklickten Fensters. Jedes Fenster, das Sie öffnen, gehört zu einer so genannten Fensterklasse (meistens ähnelt diese dem Programmnamen). Unter anderem darüber identifiziert die grafische Oberfläche von Linux, das X Window System [1], Fenster eines bestimmten Typs. Auf der Kommandozeile erfahren Sie solche Fensterdetails mit dem Befehl xwininfo, der die Informationen allerdings nicht so übersichtlich zusammenfasst wie die KDE-Autoerkennung. Das Firefox-Fenster hat Firefox-bin (Gecko Firefox-bin) als Klasse.

  1. Damit KDE künftig alle Browserfenster maximiert, aktivieren Sie die Option Fensterklasse verwenden (gesamte Anwendung) und klicken auf OK. Im Regeldialog steht nun Firefox-bin im Feld Fensterklasse (Programmtyp). Darunter hat KDE in der Drop-down-Box bereits die Exakte Übereinstimmung ausgewählt, so dass die neue Regel für alle Firefox-Fenster gilt (Abbildung 1).
  1. Wechseln Sie nun zum Reiter Geometrie, auf dem Sie die Fenstergröße vorgeben. Setzen Sie dazu ein Häkchen vor Größe und wählen Sie im Drop-down-Feld dahinter Erzwingen, was bedeutet, das KDE das Firefox-Fenster bei jedem Start in der gewünschten Größe öffnet.
  1. Im Eingabefeld dahinter steht bereits die richtige Größe, wenn Firefox beim Klick auf Erkennen maximiert war. Wundern Sie sich nicht, dass die Maße nicht genau Ihrer Bildschirmauflösung entsprechen. In der Höhe fehlt immer der Platz, den die Kontrollleiste beansprucht (Abbildung 2).

Abb. 1: Über "Erkennen" tragen Sie die Fensterklasse einer Anwendung automatisch in diesen Dialog ein.

Abb. 2: Auf dem Reiter "Geometrie" stellen Sie unter anderem die Fenstergröße ein, mit der eine Anwendung starten soll.

Ein abschließender Klick auf OK trägt die Einstellung unter dem von Ihnen gewählten Namen in die Regelliste ein. Diese Vorgabe gilt, sobald Sie auf Anwenden klicken oder den Einrichtungsdialog mit OK schließen. Wenn Sie danach Firefox starten, öffnet sich das Browserfenster maximiert -- und zwar unabhängig davon, ob Sie das Programm aus dem Menü, über ein Desktopicon oder von der Kommandozeile aus aufrufen.

Weitere Optionen

Neben der Möglichkeit, die Fenstergröße festzulegen, bietet der Einrichtungsdialog noch weitere interessante Einstellungen. So können Sie beispielsweise auch die Position eines Fensters auf dem Bildschirm festlegen. Das ist praktisch, wenn Sie den KDE-Systemmonitor immer in der oberen linken Ecke haben wollen, um sich schnell über Speicher- und CPU-Auslastung zu informieren. Tragen Sie dazu erst über Erkennen auf dem Reiter Fenster die Klasse ein und wechseln Sie danach zum Tab Geometrie. Setzen Sie dort ein Häkchen vor Position, wählen Sie Erzwingen und tragen Sie dahinter die Koordinaten ein, in denen sich die linke obere Ecke des Fensters befinden soll. Auch diese Werte erwartet KDE in Bildpunkten. Anders als in der Mathematik befindet sich der Nullpunkt nicht unten links, sondern in der oberen linken Bildschirmecke. Soll eine Anwendung dort starten, tragen Sie einfach 0,0 in das Eingabefeld ein. Andere Positionen messen Sie mit dem Bildschirmlineal kruler aus. Starten Sie das Tool über ein Schnellstartfenster, in das Sie Kruler eingeben und messen Sie nach, wie weit die gewünschte Position vom linken Bildschirmrand entfernt ist. Um den Abstand vom oberen Rand herauszufinden, ändern Sie die Ausrichtung des Lineals über sein Kontextmenü.

Im Abschnitt Geometrie verbannen Sie Anwendungen auch auf eine bestimmte Arbeitsfläche. Soll ein Programm immer auf dem zweiten virtuellen Desktop starten, aktivieren Sie die Option Arbeitsfläche, wählen aus dem Menü Bei Initialisierung anwenden oder Erzwingen und stellen dahinter den gewünschten Desktop ein. Ab sofort ist es egal, von wo aus Sie das Programm starten, es öffnet sich immer auf der voreingestellten Arbeitsfläche. Der Unterschied zwischen Erzwingen und Bei Initialisierung anwenden besteht darin, dass KDE bei ersterem die Regel nur beim Start des Programms anwendet, sich später aber nicht mehr darum kümmert, wenn Sie oder ein Ereignis im Programm etwas ändern.

Weitere interessante Optionen finden Sie auf dem Reiter Persönliche Einstellungen:

Mit den erweiterten Fenstereinstellungen schaffen Sie Ordnung auf dem Desktop und sparen sich manchen Mausklick. Alle hier vorgestellten Optionen können Sie auch miteinander kombinieren, so dass es möglich ist, eine Anwendung mit einer bestimmten Größe, in der oberen linken Ecke im Vordergrund zu starten. (amü)

Infos
[1] XMMS-Artikel: Thomas Hümmler, "XMMS optimal nutzen", EasyLinux 08/2005, S. 39 ff.
[2] Artikel über das X Window System: Kristian Kißling, "Doktor Xorg", EasyLinux 10/2005, S. 63 ff.
[3] Artikel über RSS-Reader: Thomas Hümmler, "Nachrichtensammler", EasyLinux 12/2005, S. 51 ff., http://www.easylinux.de/2005/12/051-rss/

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