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Erschienen in EasyLinux 08/2006   »   Ausgabe bestellen

Tools, um Bug-Meldungen zu finden und zu versenden

Packen wir es an!


Freie Softwareprojekte würden ohne die aktive Mitarbeit ihrer Anwender nicht viel erreichen. Eine wunderbare Möglichkeit für Nicht-Programmierer, sich an der Entwicklung freier Software zu beteiligen, ist das Rückmelden von Fehlern im Programm.

Max Werner

Keine Software läuft fehlerfrei; eine Erkenntnis, welche die meisten Computer-Anwender wohl schon gebeugten Hauptes hinnehmen mussten. Doch wer freie Software verwendet, deren Source Code jeder Nutzer stets im Web bekommt, muss diese Tatsache nicht so einfach hinnehmen. Denn jedes Projekt lebt davon, dass Sie als Anwender Fehler melden und damit helfen, freie Software zu verbessern.

Beim Melden von Fehlern geht es in der Regel nicht darum, herauszufinden, in welcher Codezeile oder welchem Objekt der Bug auftritt -- das ist Aufage der Programmierer. Vielmehr sollen Anwender möglichst jedes Fehlverhalten ihrer Applikationen an die Entwickler melden.


Bug: Zu deutsch Wanze. Unter Software-Entwicklern bezeichnet ein Bug einen Fehler im Programm. Meistens führt er dazu, dass sich das Programm falsch verhält oder gar abstürzt. Allerdings brauchen Programmierer immer eine sehr genaue Beschreibung der Umstände, unter denen der Fehler auftrat. Dazu gehören sehr tiefgreifende Statusinformationen, die man als Anwender kaum auftreibt.

Helferlein für Firefox

Um Ihnen trotzdem zu ermöglichen, Bugs zu melden, hilft spezielle Software dabei, alle nötigen Angaben zu finden. Einige große Programme wie Mozilla Firefox enthalten einen so genannten Quality Feedback Agent, also einen Fehlermeldungsagenten.

Falls Sie schon einmal eine Website besucht haben, die Firefox zum Absturz brachte, kennen Sie wohl das Fenster aus Abbildung 1. Einen Bug zu melden, besteht dank des Agenten aus vier einfachen Aktionen. Haben Sie nach dem ersten Fenster zweimal auf Next geklickt, steht es Ihnen frei, den Agenten auszuschalten.

Abb. 1: Bei einem Programmfehler öffnet Firefox mit letzter Kraft den Quality Feedback Agent, der Ihnen dabei hilft, den aufgetretenen Fehler an die Entwickler zu melden.

Um Fehler an das Projekt zu melden, wählen Sie hier jedoch Turn Agent on und klicken auf Finish. Sie sehen jetzt das Fenster aus Abbildung 2. Die Mozilla-Entwickler versichern, dass sie alle hochgeladenen Daten lediglich dazu benutzen, den gemeldeten Fehler nachzuvollziehen und zu beseitigen. Die Eingabe Ihrer E-Mail-Adresse unbedenklich und die Programmierer haben nun die Möglichkeit, sich auf die Suche nach dem Programmfehler zu machen.

Abb. 2: Wollen Sie das Mozilla-Projekt mit Zusatzinformationen versorgen, geben Sie diese in die entsprechenden Textfelder ein. Ohne sie fällt es jedoch schwerer, den Fehler nachzuvollziehen.

Ubuntu macht's vor

Die Entwickler der Ubuntu-Distribution haben sich ein möglichst einfaches System ausgedacht, um Fehler zu melden. Im Launchpad-Portal [1] findet sich unter dem Menüpunkt Bugs ein Bugtracker namens Malone. Die Verwendung eines Bugtrackers ist momentan leider noch etwas komplizierter als die Verwendung eines Agenten.


Bugtracker: Eine Datenbank, die Fehlermeldungen aufnimmt. Registrierte Anwender melden den aufgetretenen Fehler über ein Webformular; Entwickler ordnen den Fehlern dann Prioritäten zu.

Haben Sie beispielsweise einen Fehler im Programm Amarok gefunden, sollten Sie zuerst prüfen, ob dieser Fehler bereits bekannt ist. Geben Sie dazu im Feld Jump to bugs in product unter Malone Amarok ein. Das Programm öffnet dann die Produktseite des Multimedia-Programms, wo Sie links auf Bugs klicken. Dort finden Sie alle Fehler in einer Liste, sortiert nach Priorität.

Abb. 3: Mit dem Ubuntu-Bugtracker Malone finden Sie schnell alle Fehler in einem Programm und melden neue Probleme.

Befindet sich der Bug unter den bereits bekannten, klicken Sie auf die Kurzbeschreibung, die den dazugehörigen Datenbankeintrag öffnet. Dort haben Sie die Möglichkeit, Kommentare abzugeben oder diese Fehlermeldung zu abonnieren. Sie bekommen dann alle Änderungen per E-Mail zugesandt und erfahren, ob der Bug bereits behoben wurde.

Das Ubuntu-Launchpad ist einzigartig unter den freien Distributionen; das Team arbeitet stets an Verbesserungen. In Zukunft sollen Anwender die Möglichkeit haben, Bugs über ein grafisches Programm zu melden, um den Umweg über das Web-Portal zu sparen. Da Launchpad nicht nur Ubuntu sondern jede freie Software förtdert, kann jedes Projekt diesen Service für seine Zwecke einsetzten.

Das Ubuntu-Projekt hat bereits angefangen, externe Anwendungen besser in Malone zu integrieren. So sollen Fehlermeldungen von Programmen, die nicht direkt zur Ubuntu-Distribution gehören, zukünftig nicht in Malone selbst, sondern in den jeweiligen Bugtrackern gespeichert werden.

Bugzilla

Viele, vor allem größere Projekte besitzen nämlich eigene Bugtracker, die zumeist auf der Software Bugzilla [2] basieren. Diese verhält sich ähnlich wie Malone. Finden Sie beispielsweise Bugs in einem KDE-Programm, besuchen Sie das KDE Bug Tracking System [3]. Auch Gnome [4], Mozilla und viele weitere Projekte führen eine öffentliche Bug-Datenbank mit Bugzilla, derzeit jedoch lediglich in englischer Sprache.

Die Oberfläche erfordert, dass Sie sich ein wenig mit ihr anfreunden, da sie sehr mächtig und komplex ist. Als wichtigsten Grundsatz sollten Sie stets beherzigen, Duplikate zu vermeiden. Mehrfach gemeldete Bugs führen nicht dazu, dass sie eine höhere Priorität erhalten, sie verursachen lediglich Mehrarbeit bei den Entwicklern. Vor dem Veröffentlichen eines Fehlers sollten Sie deswegen immer zuerst die jeweilige Suchmaske bemühen. Suchen Sie im KDE-Bugtracker beispielsweise nach Amarok, finden Sie deutlich mehr Ergebnisse als in Malone. Befindet sich der Fehler nicht unter den aufgelisteten, sollten Sie ihn melden.

Fakten, Fakten, Fakten

Ohne Agenten wie den von Firefox erhalten Sie von vielen defekten Programmen keine Unterstützung, deswegen sollten Sie soviele Informationen wie möglich in ihren Bericht einfügen. Beschreibungen wie "das Programm funktioniert nicht" helfen Programmierern nicht. Welche Angaben die Entwickler benötigen, hängt zwar stark vom Programm ab, aber die wichtigsten und grundlegendsten, die Sie immer bereithalten sollten, sind diese:

Der letzte Punkt ist besonders wichtig: Reproduzierbarkeit bedeutet, dass das Fehlverhalten immer auftritt, wenn Sie eine bestimmte Aktion ausführen. Da Computer oft sehr unzuverlässig arbeiten, gibt es viele mögliche Einflussfaktoren, die ein Fehlverhalten auslösen. Können Sie den Bug allerdings reproduzieren, liegt der Fehler mit hoher Wahrscheinlichkeit im Programm selbst und nicht in der Hardware oder dem Betriebssystem.

Die KDE-Entwickler haben ihr Bugtracking-System besonders benutzerfreundlich gestaltet. Es leitet Sie über mehrere Schritte zum endgültigen Bericht. Das vermeidet das mehrfache Melden der gleichen Bugs und eine zu ungenaue Beschreibung dessen.

Mitmachen lohnt sich

Qualitätssicherung bereitet vielen Programmierern keinen Spaß. Als Ergebnis kümmern Sie sich nicht darum, solange ihr Programm auf ihrem eigenen Computer läuft. Umso wichtiger gestaltet sich die Mitarbeit der Anwendergemeinschaft. Wenn jeder Benutzer nur einen Bug findet und meldet, trägt das immens zur Qualitätssteigerung der Software bei. Es lohnt also, sich durch die manchmal etwas undurchsichtigen Bugtracker-Oberflächen zu graben, denn jedes freie Projekt lebt von der Mitarbeit seiner Anwender und nicht nur der Programmierer. (tle)

Infos
[1] Ubuntu Launchpad: http://www.launchpad.net
[2] Bugzilla: http://www.bugzilla.org
[3] KDE Bugtracker: http://bugs.kde.org
[4] Gnome Bugtracker: http://bugzilla.gnome.org
[5] Mozilla Bugtracker: https://bugzilla.mozilla.org

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