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Erschienen in EasyLinux 09/2006   »   Ausgabe bestellen

Emulator Win4Lin im Test

Unter einen Hut gebracht


Mit einem Emulator ist es möglich, Windows und Linux gleichzeitig auf einem PC zu starten. Oft ist es aber schwierig, zwischen Linux und dem Windows im Fenster Daten zu tauschen. Win4Lin stellt eine rühmliche Ausnahme dar.

Peter Kreußel

Klassische Emulatoren wie VMware oder Parallels simulieren einen vollständigen PC: Starten Sie den Emulator, meldet sich im Anwendungsfenster zuerst das BIOS, dann fährt das Betriebssystem hoch. Dieses läuft auf der simulierten Hardware abgeschottet vom Linux-Gastsystem. Für die Sicherheit mag dies ein Vorteil sein, es erschwert jedoch die Kommunikation zwischen den Systemen: Um Dateien zwischen Linux und Windows im Emulator auszutauschen, müssen Sie eine Netzwerkverbindung und eine Dateifreigabe einrichten.

Leichter geht es mit Wine: Hier greifen die Windows-Programme direkt auf das Linux-Dateisystem zu. Leider laufen nur wenige Windows-Anwendungen unter Wine.

Win4Lin verspricht einen Kompromiss: Im Emulatorfenster startet anders als bei Wine ein "echtes" Windows, so dass alle Windows-Programme reibungslos funktionieren sollten. Öffnen Sie jedoch im Windows-Explorer den Ordner Eigene Dateien, greifen Sie direkt auf das Linux-Home-Verzeichnis zu. Gelingt es Win4Lin, die positiven Seiten der klassischen Emulatoren und von Wine unter einenen Hut zu bringen? EasyLinux hat Win4Lin Pro, das für etwa 60 Euro unter [1] erhältlich ist, zusammen mit Windows XP Professional Service Pack 2 getestet. Im Gegensatz zu anderen Emulatoren ist Win4Lin Pro auf Windows XP und Windows 2000 beschränkt. Eine Version für Windows 95, 98 und ME ist ebenfalls erhältlich.

Auf den Zahn gefühlt

Anders als Wine setzt Win4Lin ein Windows-Installationsmedium und eine gültige Windows-Lizenz voraus. Das Programm kopiert den Inhalt der Windows-DVD zur Installation auf die Festplatte. Dies dauert einige Minuten und belegt über 500 MByte Plattenplatz. Zwar können Sie diesen Platz nach der Installation wieder freigeben, Sie haben dann jedoch keinen Zugriff mehr auf das Windows-Installationsmedium und müssen es erneut kopieren, wenn Sie Windows-Komponenten nachinstallieren möchten.

Win4Lin ist beim Installationsmedium wählerisch: Alte Windows-XP-CDs, die Service Pack 1 noch nicht enthalten, sowie die meisten OEM- oder Recovery-CDs unterstützt es nicht. Auch bei Windows 2000 mit Service Pack 3 kommt es laut der nur auf Englisch vorliegenden Dokumentation zu Problemen.

Sind die Voraussetzungen erfüllt, bereitet die Installation keinen großen Aufwand: Wie bei VMware oder Parallels ist das Kernelquellpaket der Distribution Voraussetzung. Außerdem müssen die Kernelquellen für das Übersetzen eines Kernelmoduls vorbereitet werden. Die Win4Lin-Dokumentation beschreibt gut nachvollziehbar, wie Sie dabei unter den verschiedenen Linux-Distributionen vorgehen. Bei der Installation des Win4Lin-Pakets übernimmt der Paketmanager das Kompilieren des Win4Lin-Kernelmoduls. Im Test funktionierte dieser nicht ganz unkritische Vorgang stets reibungslos.

Die Windows-Installation dauert auf aktueller Hardware etwa 30 Minuten. Auch die Windows-Programme laufen unter Win4Lin zügig: Im Test ließ sich kaum ein Unterschied zu einem direkt auf dem gleichen Rechner installierten Windows-System wahrnehmen. Zweifel an der Zuverlässigkeit von Win4Lin kamen allerdings auf, als die 3D-Software Blender wiederholt abstürzte: Unter dem echten Windows traten mit derselben Anwendung keine Probleme auf. Zwar blieben die Abstürze auf ein Programm beschränkt, dennoch deuten sie darauf hin, dass Win4Lin nicht so zuverlässig arbeitet wie VMware und Parallels.

Fazit

Win4Lin zeichnet sich durch eine einfache Installation aus. Das Windows-System im Emulator läuft schnell. Der direkte Zugriff auf das Linux-Homeverzeichnis erspart eine Menge Konfigurationsaufwand. Eigentlich sollten unter Win4Lin alle Windows-Anwendungen laufen. Warum es mit Blender zu Problemen kam, ließ sich leider nicht klären. Im Gegensatz zu Wine setzt Win4Lin eine Windows-Lizenz und eine Windows-XP-CD mit mindestens Service Pack 1 oder eine Windows-2000-CD voraus. (pkr)

Infos
[1] Deutscher Win4Lin-Anbieter: http://www.ixsoft.de/cgi-bin/web_store.cgi?ref=Catalogs/de/win4lin-catalog.html

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