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Erschienen in EasyLinux 09/2006   »   Ausgabe bestellen

Browser-Alternative Opera

Alles unter einem Dach

Andrea Müller


Browser, Mail- und Newsprogramm und ein RSS-Reader sind die wichtigsten Begleiter im Internet. Opera vereint all diese Tools unter einem Dach und bringt in Version 9.0 praktische neue Features mit.

Seit über zehn Jahren bietet der norwegische Softwarehersteller Opera Software ASA eine Browser-Suite an, die sich durch einzigartige Features von der Konkurrenz abhebt. Spätestens seit die kostenlose Variante keine Werbebanner mehr einblendet, findet Opera eine immer größere Fangemeinde. Version 9 des Programms wartet mit neuen Funktionen auf, die Ausflüge ins Internet noch komfortabler gestalten. Dieser Artikel stellt Opera und die Besonderheiten der neuen Version vor.

Opera für alle

Obwohl der Browser nicht zur Standardausstattung der Linux-Distributionen gehört, gestaltet sich die Installation denkbar einfach: Der Hersteller bietet für nahezu alle großen Distributionen fertige Pakete an [1]. Auf der Heft-DVD finden Sie Opera 9.01 für Suse Linux 10.0 und 10.1, Mandriva Linux und Kubuntu sowie eine Installationsanleitung.

Selbst wer auf der Opera-Download-Seite kein passendes Päckchen findet, muss nicht auf den Browser verzichten: Die beiden Versionen (ein RPM-Paket und eines für Debian-basierte Distributionen) mit static im Namen bringen die benötigten Bibliotheken gleich mit, so dass die Software auch auf älteren Distributionen läuft.

Bibliotheken: Ähnlich wie DLL-Dateien unter Windows stellen Bibliotheken Funktionen zur Verfügung, die mehrere Programme nutzen können, man spricht von Shared Libraries. Es besteht allerdings die Möglichkeit, Bibliotheksfunktionen in ein Programm einzukompilieren, so dass es auch dann funktioniert, wenn es die Bibliothek auf dem Zielsystem nicht gibt. Auf die einkompilierten Funktionen solcher Anwendungen haben andere Programme jedoch keinen Zugriff.

Nach der Installation starten Sie den Browser über ein mit [Alt-F2] geöffnetes Schnellstartfenster, in das Sie opera eingeben. Unter KDE weist Sie das Programm darauf hin, dass einige Opera-Tastenkürzel nicht funktionieren, da diese schon mit Desktopfunktionen belegt sind (Abbildung 1). Möchten Sie das ändern, erfahren Sie unter [2], wie Sie KDE-Tastenkürzel im Kontrollzentrum anpassen oder löschen.

Abb. 1: Opera weist Sie darauf hin, dass einige seiner Tastenkürzel schon für Desktopfunktionen vergeben sind.

Beim ersten Start begrüßt Sie Opera mit seiner Homepage, welche die neuesten Features des Browsers vorstellt (Abbildung 2). Die Seite ist jedoch englischsprachig, und so zeigen sich auch Menüs und Dialoge. Dem Browser Deutsch beizubringen, ist jedoch kein Hexenwerk. Sie benötigen dafür lediglich eine Sprachdatei, die Sie unter [3] oder auf der Heft-DVD finden:

Abb. 2: Beim ersten Start öffnet Opera die eigene Homepage, auf der Sie sich über neue Features des Browsers informieren.
  1. Kopieren Sie die deutsche Sprachdatei ouw901_de.lng entweder über die Oberfläche der Heft-DVD oder von der Opera-Homepage in den versteckten Ordner .opera in Ihrem Homeverzeichnis. Klicken Sie dabei nicht mit der linken Maustaste auf den Link, da alle Browser die Textdatei sonst anzeigen. Wählen Sie stattdessen Ziel speichern unter aus dem Kontextmenü des Links. Verwenden Sie den Konqueror, drücken Sie im Speichern-Dialog [F8], damit er auch die versteckten Verzeichnisse anzeigt, deren Namen mit einem Punkt beginnen.
  1. Wählen Sie in Opera Tools / Preferences und wechseln Sie auf den Reiter General.
  1. Klicken Sie hinter Language auf Details. Im folgenden Dialog öffnet ein Klick auf Choose im Abschnitt User interface language den Dateiauswahldialog.
  1. Navigieren Sie dort in den Ordner .opera in Ihrem Homeverzeichnis und markieren Sie die Datei ouw901_de.lng. Sollte der Browser das versteckte Verzeichnis nicht anzeigen, klicken Sie mit der rechten Maustaste in den Auswahldialog und setzen ein Häkchen vor Show hidden files. Nach Klicks auf Open und zweimal auf OK zeigt sich Opera ohne Neustart mit deutschen Menüs.

Ab ins Netz

Die ersten Schritte mit Opera fallen auch Umsteigern von anderen Browsern leicht: Am oberen Fensterrand befindet sich die Adressleiste, neben der ein Eingabefeld mit einigen vordefinierten Suchmaschinen liegt. Standardmäßig ist Google voreingestellt, Sie können aber auch Ebay oder Amazon nach Schnäppchen durchforsten.

Bein Links, für die andere Browser ein neues Fenster öffnen, erzeut Opera einen neuen Tab. Konsequenterweise öffnen sich auch alle Opera-Programmmodule, wie etwa der Download-Manager, in einem neuen Reiter.in neuen Tabs. Um einen Link in einem neuen Fenster zu öffnen, klicken Sie ihn mit der rechten Maustaste an und wählen den entsprechenden Menüeintrag aus dem Kontextmenü. Die Aufteilung in Tabs trägt zur Übersichtlichkeit bei, da der Browser auch für den Download-Manager, die Mailkomponente und das Chatprogramm weitere Reiter öffnet und so hilft, die Fensterflut auf dem Desktop einzudämmen.

Seit Version 9 haben die Entwickler die Tastenkürzel an gängige Browserkonventionen angepasst: So öffnet nun [Strg-T] wie unter Firefox einen neuen Reiter. Noch schneller als mit Shortcuts navigieren Sie jedoch mit Mausgesten. Halten Sie beispielsweise die rechte Maustaste gedrückt und bewegen den Zeiger nach links, wechselt Opera zur zuvor geöffneten Seite. Eine Bewegung nach rechts navigiert im Verlauf vorwärts. Bei der ersten Mausgeste fragt das Programm, ob Sie das Feature nutzen möchten. Welche Gesten der Browser kennt, erfahren Sie im Dialog unter Extras / Einstellungen / Erweitert / Schnellzugriff (Abbildung 3). Markieren Sie dort unter Mausgesten den Eintrag Opera Standard und klicken Sie auf Bearbeiten, um alle Mausgesten anzuzeigen. Dort können Sie diese auch an Ihre Wünsche anpassen. Dabei sollten Sie jedoch nicht das Standardschema verändern, sondern es über die gleichnamige Schaltfläche duplizieren, um dann mit der Kopie herum zu experimentieren.

Abb. 3: In diesem Dialog verändern Sie die voreingestellten Mausgesten.

Wer schon einmal versehentlich Tabs schließt, wird sich über den Opera-Papierkorb freuen: Bei einem Klick auf das Mülleimersymbol rechts neben der Tableiste klappt Opera eine Liste aller Tabs aus, die Sie in der aktuellen Sitzung geschlossen haben. Noch weiter geht Operas gutes Gedächtnis bei den geöffneten Webseiten: Der Browser merkt sich nicht nur, welche Sie geöffnet hatten, als Sie das Programm zuletzt beendet haben, und öffnet sie automatisch neu, sondern es merkt sich auch den Verlauf der einzelnen Tabs, so dass Sie auch nach einem Neustart über die Vor- und Zurückschaltfläche zwischen den zuletzt geöffneten Seiten hin- und herwechseln können.

Individuell Surfen

Damit man beim Surfen nur das zu Gesicht bekommt, was man sehen will, bringt Opera gleich mehrere Neuerungen mit: Die Funktion Inhalte blockieren erlaubt es Ihnen, hektisch blinkende Werbebanner und störende Grafiken auszublenden. An deren Stelle Stelle zeigt Opera eine weiße Fläche an. Das funktioniert allerdings nicht bei Werbung, die in den HTML-Code einer Seite eingebettet ist. Um bestimmte Inhalte auszusperren, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine Webseite und wählen Inhalte blockieren aus dem Kontextmenü. Der Browser zeigt dann nur die Elemente, die Sie blockieren können, farbig an (Abbildung 4). Mit einem Mausklick auf eines teilen Sie Opera mit, dass es sich um unerwünschten Inhalt handelt. Opera legt daraufhin einen roten Balken über das Element. Mit einem Klick auf Fertig schließen Sie die Aktion ab. Einmal blockierte Inhalte schalten Sie über Extras / Weiteres / Blockierter Inhalt wieder frei.

Abb. 4: Über die Funktion "Inhalte blockieren" blenden Sie störende Werbung aus.

Eine weitere neue Funktion sind die seitenspezifischen Einstellungen, mit denen Sie für jede Webseite unter anderem festlegen, ob diese JavaScript ausführen, Sounds abspielen und Pop-up-Fenster öffnen darf. Die Einstellungen passen Sie unter Extras / Schnelleinstellungen an. So können Sie zwar Ihrer Online-Banking-Seite erlauben, Fenster zu öffnen und JavaScript auszuführen, es jedoch anderen Seiten verbieten, was gerade bei Internetauftritten mit viel Pop-up-Werbung praktisch ist.

Wenn Sie öfters im EasyLinux-Artikelarchiv stöbern oder die Suchfunktion anderer Webseiten nutzen, ist es kein Problem, diese in die Suchleiste von Opera zu integrieren: Klicken Sie das Eingabefeld für den Suchbegriff mit der rechten Maustaste an und wählen Sie Suche erstellen. Im folgenden Dialog können Sie den Namen der Suche anpassen und optional ein Kürzel vergeben. (Abbildung 5). Dann reicht es aus, das Kürzel gefolgt von einem Suchbegriff in die Adressleiste einzugeben, damit Opera die Suchanfrage stellt. Außerdem finden Sie die selbst definierten Suchen in der Auswahl rechts neben der Adressleiste. Sie müssen nicht befürchten, ein Kürzel doppelt zu vergeben: Ist das der Fall, blendet Opera die Warnung Kürzel wird bereits benutzt in roter Schrift ein.

Abb. 5: Mit wenigen Mausklicks erweitern Sie die Suchmaschinenauswahl von Opera um zusätzliche Einträge.

Erweitert und aufgebohrt

Nicht nur an den Surffunktionen hat der Hersteller gefeilt, sondern Opera auch um zusätzliche Komponenten erweitert. Wenn Sie Dateien über das Filesharing-Netzwerk BitTorrent [4] tauschen, benötigen Sie dafür kein spezielles Programm mehr, denn Opera behandelt Torrent-Dateien wie normale Downloads. Sobald Sie auf einen solchen Link klicken, startet der Download-Manager in einem neuen Tab, und Opera kopiert die Datei auf die Festplatte. Außerdem warnt Sie der Browser, dass Sie Dateien, die Sie herunterladen, gleichzeitig selbst anbieten. Sie sollten sich also nur nach legalen Downloads umschauen, von denen es im BitTorrent-Netzwerk viele gibt. So gelingt der Download der neuesten Distribution über BitTorrent oft schneller als über die Web-Server der Distributionen. Mit Eingabe von b gefolgt von einem Suchbegriff oder über BitTorrent im Suchfeld finden Sie die gewünschten Downloads besonders schnell.

Haben Sie bei Opera bislang die Möglichkeit vermisst, den Browser ähnlich wie Firefox mit Extensions zu erweitern, gibt es vielleicht bei den in Version 9 neu hinzugekommenen Widgets die passende Ergänzung. Dabei handelt es sich um Minianwendungen, die Sie per Mausklick herunterladen und installieren und welche sich in einem rahmenlosen Fenster über dem Browser öffnen. Unter [5] finden Sie mehrere Dutzend dieser Erweiterungen aus allen Bereichen: Neben nützlichen Tools, wie etwa einem Wettermonitor, einem Ebay-Überwacher und einem Podcast-Client [6] gibt es auch reine Spielereien, die mit Internet nicht das geringste zu tun haben (Abbildung 6). Eines der beliebtesten Widgets war zum Redaktionsschluss das Aquarium: Dort verdienen Sie pro Minute einen virtuellen Dollar, und wenn Sie ein wenig gespart haben, können Sie von dem Geld neue Fische und Seepflanzen kaufen.

Die Installation eines Widgets ist schnell erledigt:

  1. Wählen Sie Widgets / Widgets hinzufügen und stöbern Sie in den Kategorien, bis Sie ein Miniprogramm finden, das Ihnen gefällt.
  1. Klicken Sie dort auf Download, damit Opera das Widget auf die Festplatte kopiert. Der Browser startet die Erweiterung sofort und fragt, ob Sie diese behalten wollen.
  1. Eine eingespielte Minianwendung beenden Sie über Schließen aus ihrem Kontextmenü. Unterhalb des Menüeintrags Widgets befindet sich eine Liste aller installierten Erweiterungen. Per Mausklick starten Sie eines der Widgets.

Möchten Sie eine Erweiterung deinstallieren, wählen Sie Widgets / Widgets verwalten. Opera öffnet daraufhin die Widget-Liste in einem Reiter, auf dem Sie über die Schaltfläche Löschen Einträge entfernen.

Abb. 6: Zeitvertreib für zwischendurch: Neben Minispielen und einem Malprogramm gehört auch ein Aquarium, für das Sie sogar neue Fische kaufen können, zur Opera-Widget-Kollektion.

Gelungener Wurf

Der Hersteller hat bei seinem Browser in Version 9 nicht nur Oberflächenkosmetik betrieben, sondern das Programm um viele Funktionen erweitert. Das Blockieren von Inhalten und die seitenspezifischen Einstellungen helfen dabei, Unwichtiges aus dem Blickfeld zu verbannen und die eigene Privatsphäre zu schützen, da es möglich ist, Cookies gezielt anzunehmen oder abzulehnen. Intelligente Features wie das einfache Hinzufügen eigener Suchmaschinen erhöhen den Surfkomfort. Der BitTorrent-Client und immer neue Widgets machen viele externe Programme überflüssig. Dabei schafft es Opera trotz seiner Funktionsvielfalt, auch für Anwender, die das Programm noch nicht kennen, leicht bedienbar zu sein. (amü)

Infos
[1] Opera-Downloads: http://www.opera.com/download/?platform=linux
[2] Artikel über KDE-Tastenkürzel: Andrea Müller, "Schneller ans Ziel", EasyLinux 07/2006, S. 56 f., http://www.easylinux.de/2006/07/056-shortcuts/ -- auf der Jahres-CD
[3] Opera-Sprachdateien:http://www.opera.com/download/languagefiles/
[4] BitTorrent-Artikel: Carsten Schnober, "Reißender Datenstrom", EasyLinux 01/2005, S. 48 ff.
[5] Opera-Widgets: http://widgets.opera.com/
[6] Artikel über Podcasts: Elisabeth Bauer, "Radio vom Küchentisch", EasyLinux 03/2006, S. 56 f., http://www.easylinux.de/2006/03/056-podcasts/ -- auf der Jahres-CD

Software zum Artikel auf DVD: Opera 9.01 für Suse Linux 10.0 und 10.1, Mandriva Linux und Kubuntu 6.06, deutsche Sprachdatei für Opera

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