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Marcel Hilzinger
Wie leicht ist es doch geschehen: Einmal auf den falschen Knopf gedrückt oder im falschen Verzeichnis einen Befehl ausgeführt, und schon verschwinden sämtliche Daten im Nirvana. Gelöschte Dateien wiederherzustellen, ist unter Linux -- je nach Dateisystem -- nur mit sehr hohem Aufwand möglich. Umso wichtiger ist es, die eigenen Dateien vor Bedienfehlern und einem eventuellen Hardware-Ausfall zu schützen.
Der perfekte User speichert seine Dateien mindestens täglich, wobei von geänderten Dateien auch verschiedene Versionen erhalten bleiben sollten. Die Sicherheitskopie befindet sich idealerweise auf einem entfernbaren Medium und nicht im gleichen Raum. Ein echtes Backup gehört in einen feuer- und diebstahlsicheren Safe.
Diese fast illusorischen Anforderungen erfüllen wohl die wenigsten Heim-PCs. In der Realität stehen Aufwand und Kosten eines Backups immer in einem relativen Verhältnis zum Wert der Daten. Ein feuersicherer Tresor und ein Bandlaufwerk müssen es also nicht sein. Dennoch sollten Sie folgende Aspekte beachten:
Das einfachste und beste Backup-Werkzeug für KDE heißt Keep [1]. Es erstellt in frei wählbaren Abständen Sicherheitskopien von Verzeichnissen. Keep speichert diese in lokalen Verzeichnissen. CDs oder DVDs brennen, auf entfernte Rechner zugreifen oder mit Bandlaufwerken umgehen kann das Programm zurzeit nicht.
Für diese einfache Sicherheitskopie sollten Sie sich eine zweite Fesplatte zulegen. Sie verhindern damit, dass Original und Backup verlorengehen, wenn eine der beiden Festplatten kaputt geht. Am besten bauen Sie dazu eine zweite Platte in Ihren Rechner ein. Lösungen mit einem externen Laufwerk sind auch möglich. Hier müssen Sie sich allerdings selbst darum kümmern, dass die externe Platte eingeschaltet und gemountet ist.
Keep ist bei Kubuntu Teil der Standardinstallation. RPM-Pakete für Suse und Mandriva Linux finden Sie inklusive Installationsanleitung auf der Heft-DVD. Sie starten das Programm über [Alt-F2] und die Eingabe von keep. Für die Oberfläche des Programms soll es in Kürze eine deutsche Übersetzung geben, dieser Artikel beschreibt noch die englische Version.
Keep benutzt für das Ausführen der Backups das Programm rdiff-backup [2]. Zusätzlich achtet ein kleines Hilfsprogramm -- der Keep-Daemon -- darauf, dass die Sicherungen rechtzeitig ausgeführt werden. Dazu klinkt sich Keep ins KDE-System ein. Das Programm arbeitet also nur, wenn KDE läuft.
Um von einem bestehenden Verzeichnis eine Sicherung anzulegen, klicken Sie im Keep-Hauptfenster (Abbildung 1) auf das Icon mit dem Karton und dem grünen Plus-Symbol (Add directory to backup).

man rdiff-backup
Um die Einstellungen zu testen, führen Sie am besten gleich ein Backup durch. Klicken Sie dazu im Hauptfenster von Keep auf die Schaltfläche Backup now und markieren Sie im neuen Dialog den Eintrag, den Keep speichern soll. Haben Sie mehrere Aufträge eingerichtet, markieren Sie diese mit gedrückter Strg-Taste. Ein Klick auf OK startet den Vorgang, der je nach Umfang der Daten einige Zeit dauert. Da sämtliche Prozesse im Hintergrund stattfinden, merken Sie jedoch davon nichts. Manuelle Backups haben den Vorteil, dass Keep dann jeweils einen Wiederherstellungspunkt speichert. Haben Sie sich zum Beispiel für den Dreitageszyklus entschieden, können Sie so vor bestimmten Experimenten eine zusätzliche Sicherungskopie erstellen.
Werfen Sie nun einen Blick in den Ordner des Backup-Verzeichnisses, finden Sie dort Ihre Dateien sowie ein zusätzliches Verzeichnis rdiff-backup-data. In diesem Verzeichnis speichert Keep die Unterschiede zwischen den einzelnen Versionen. Damit das Programm eine bestimmte Datei wiederherstellen kann, ist es auf die Originaldatei und die Informationen im Verzeichnis rdiff-backup-data angewiesen. Löschen Sie also niemals Dateien in diesem Ordner! Möchten Sie ein größeres Backup nicht auf der Festplatte speichern (weil Sie zum Beispiel nur eine besitzen oder zu wenig Platz vorhanden ist), können Sie den Backupordner auch auf eine CD oder DVD brennen. Beim Wiederherstellen wählen Sie dann manuell diesen Ordner auf der DVD aus. Details dazu lesen Sie im folgenden Abschnitt.
Hat Keep die erste Kopie erstellt, sind Sie bereits auf der sicheren Seite. Damit lassen sich einzelne Dateien auch ohne Keep zurückspielen. Seine Stärken spielt das Tool jedoch erst aus, wenn Sie über Restore a backup einen bestimmten Zustand wiederherstellen möchten. Dazu gehen Sie folgendermaßen vor:
Ein Klick auf Finish startet den Wiederherstellungsvorgang. Je nach Umfang der Daten dauert dieser mehrere Minuten. Auch diese Arbeit läuft vollständig im Hintergrund ab. Keep zeigt keine Statusanzeige an.
In einem Langzeitest über die Monate August und September arbeitete das Programm auf einem Testrechner mit Suse Linux 10.1 sehr zuverlässig. Keep erstellte bei eingeschaltetem Rechner jede Stunde eine Sicherheitskopie -- da das Programm nur bei Änderungen der Originaldateien eingreift, überfüllte es damit die Festplatte nicht. Alternative Programme wie etwa Konserve [3] hätten über diese Zeit schon längst den gesamten Speicher der Festplatte verbraucht.
Nicht ganz einfach ist das Backup auf externe Datenträger. Da Keep seine Arbeit gleich beim Start von KDE durchführt, müssen externe Festplatten dann bereits eingehängt sein. Dies funktioniert aber mit den Mount-Methoden von Suse Linux und Ubuntu nicht zuverlässig. Schalten Sie Ihren Rechner für weniger als eine Stunde ein, fällt das Backup aus. Es empfiehlt sich deshalb, die externe Platte fest in die Datei /etc/fstab einzutragen und stets angeschlossen zu lassen. Alternativ führen Sie das Backup regelmäßig von Hand durch. Beim Einsatz einer internen Festplatte fällt dieses Problem weg.
Im Langzeittest traten auch Probleme mit der Wiederherstellung der Dateien auf. Hier führte Keep in der Liste 50 Einträge, als letzten ein Backup von Ende August, obwohl das Programm bis Mitte September fleißig Backups durchführte und sich auch täglich Dateien änderten. Eine Stichprobe zeigte aber, dass sämtliche Backups in Ordnung waren, das heißt, es waren jeweils die letzten Versionen sämtlicher Dateien komplett vorhanden. Die grafische Wiederherstellung einer Version aus September war allerdings über Keep nicht möglich, doch gerade darin liegt ja eigentlich der große Pluspunkt von Keep. Immerhin war es noch möglich, auf der Kommandozeile über rdiff-backup einen früheren Zustand wiederherzustellen. Dazu sind jedoch Expertenkenntnisse nötig.
Auf einem zweiten Rechner, den wir nur über eine Woche testeten, traten diese Probleme nicht auf. Hier funktionierte Keep tadellos und speicherte täglich einen Wiederherstellungspunkt.
Keep ist jetzt schon eine der besten und am einfachsten zu bedienenden Backup-Lösungen für den Heimbenutzer. Zurzeit erfüllt es die Grundaufgaben zuverlässig. Gelingt es dem Autor noch, die Zusammenarbeit mit externen Datenträgern zu verbessern und Einstellungsmöglichkeiten sowie Benachrichtigungen zu verfeinern, kann Ihren Daten fast nichts mehr passieren. Besser als kein Backup ist Keep allemal. (mhi)
| Infos |
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[1] Projekt-Homepage: http://jr.falleri.free.fr/keep/
[2] Rdiff-Backup: http://www.nongnu.org/rdiff-backup/ [3] Konserve: http://konserve.sourceforge.net Software zum Artikel auf DVD: Keep für Mandriva Linux, Suse Linux und Ubuntu |
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Last modified: 2008-11-05 17:02
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