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Martin Loschwitz
OpenOffice, KOffice & Co. eignen sich gut für kürzere Schriftstücke. Kein Wunder, denn dafür sind sie konzipiert. Wenn Sie umfangreiche Dokumente mit vielen Kapiteln, Unterüberschriften und Fußnoten erstellen möchten, stoßen Sie jedoch schnell an die Grenzen der Officepakete: Das Ausdrucken großer OpenOffice-Dateien überlastet leicht den Rechner. Auch Programmabstürze, die zu allem Überfluss manchmal die Dokumentdatei unbrauchbar machen, häufen sich umso mehr, je umfangreicher die Texte werden. Schließlich ist auch die Qualität des Blocksatzes weit vom Standard in Büchern oder Zeitschriften entfernt.
Für Diplomarbeiten oder Dokumente, bei denen Sie auf eine professionelle Optik nicht verzichten möchten, führt kaum ein Weg an LaTeX (sprich "Latech") vorbei. LaTeX basiert auf TeX, einem von Donald E. Knuth entwickelten Textsatzsystem. Anders als die verbreiteten Office-Pakete zeigt LaTeX keine Vorschau des endgültigen Resultats auf dem Bildschirm an. Vielmehr verarbeitet LaTeX einfache Textdateien, in denen Formatierungen über Befehle (z.B. kursiv als \emph) definiert sind. Erst nach dem Speichern wandelt LaTeX die Mischung aus Text und Befehlen in formatierte Dokumente um.
Es ist nicht jedermanns Sache, sich in die LaTeX-Befehlssprache einzuarbeiten. Die Mischung aus Text und Formatierbefehlen ist außerdem nicht besonders übersichtlich. Wenn Sie die Stärken von LaTeX nutzen möchten, ohne auf die Vorzüge einer grafischen Oberfläche bei der Texteingabe zu verzichten, dann ist LyX die richtige Wahl. LyX ist ein Programm, das Sie ähnlich wie OpenOffice oder Koffice bedienen, das jedoch die endgültige Formatierung der Dokumente dem Satzsystem LaTeX überlässt. Dieser Artikel erklärt, wie Sie mit LyX ohne großen Aufwand professionell formatierte Dokumente erstellen.
Auf der Heft-DVD finden Sie aktuelle LyX-Pakete für Suse und Mandriva Linux sowie für Ubuntu. Installieren Sie diese wie auf der Heft-CD bschrieben mit dem Paketmanager Ihren Distribution. Sie Starten LyX entweder mit dem entsprechenden Eintrag im K-Menü oder mit [Alt-F2] und Eingabe von lyx.
Zwar wirkt die LyX-Oberfläche auf den ersten Blick ein wenig angestaubt, doch die einfache Gestaltung erleichtert die Eingewöhnung. Mit der grafischen Oberfläche führt Sie LyX Schritt für Schritt in die LaTeX-Basics ein, wenn Sie sich die LyX-Dateien gelegentlich in einem normalen Texteditor ansehen. Dies ist aber nicht Vorausssetzung für die Arbeit mit LyX. Der Kasten "LaTeX-Basics" bietet LaTeX-Grundwissen für Interessierte.
Die LyX-Oberfläche ist wie bei einem normalen Textverarbeitungsprogramm aufgebaut: Unterhalb der Menüleiste finden Sie eine Button-Leiste mit Schaltflächen zur Textformatierung sowie zum Speichern und Öffnen von Dateien und für das Benutzen der Zwischenablage.
| LaTeX-Basics |
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LaTeX-Dokumente sind auf normale Textdateien, wie Sie sie mit Kate, KWrite oder unter Windows mit Notepad erstellen. LaTeX interpretiert die darin enthaltenen Formatierbefehle (\Befehl[Typ]{Option}) und gibt fertig formatierte Dokumente im PDF- oder im LaTeX-spezifischen DVI-Format aus. Einige Beispiele für LaTeX-Befehle: Um ein neues Kapitel zu starten, verwenden Sie den Befehl: \section{Mein neues Kapitel}. Ein vollständiges LaTeX-Dokument besteht aus mindestens drei Befehlen: \documentclass, \begin sowie \end. Eine kleine LaTeX-Datei sieht so aus: % Seiteneigenschaften: A4, 11pt große Schrift, einseitiger Druck
% Dokument-Typ "article"
\documentclass[a4paper, 11pt, oneside]{article}
% der eigentliche Text
\begin{document}
% Dokmentende
\end{document}
Zwischen \begin{document} und \end{document} fügen Sie beliebige LaTeX-Befehle ein: \tableofcontents erzeugt ein Inhaltsverzeichnis, \section{Kapitelname} startet ein neues Kapitel. Alle LaTeX-Befehle im Kopf zu haben, ist schwierig. Doch wenn Sie LyX verwenden, ist dies nicht nötig. |
Die Grundstruktur eines LaTeX-Dokuments legt LyX für Sie an, ohne dass Sie sich darum kümmern müssen: Wählen Sie dazu Datei / Neu aus dem Menü. In folgenden Beispiel verwandeln Sie das leere Dokument in einen Geschäftsbrief. Sie lernen dabei die wichtigsten LyX-Features kennen.
LyX enthält "ab Werk" Vorlagen für die verbreitetsten Dokumenttypen. Einen professionell aussehenden Brief erstellen Sie so innerhalb von wenigen Minuten: Geben Sie nur Ihre eigene Adresse, die des Empfängers sowie den Text des Briefes ein. Eine passende Formatierung ergibt sich von selbst (Abbildung 2). So gehen Sie vor:
LyX hat automatisch einen Briefkopf und einen Seitenfuß erstellt. Das Adressfeld im Briefkopf ist so platziert, dass bei einem DIN-Lang-Umschlag die Adresse im Fenster sichtbar ist. LyX hat sogar Falzmarken hinzugefügt, damit Sie den Brief für das Fensterkuvert exakt falten können.
LaTeX sorgt für eine sinnvolle Formatierung der einzelnen Briefelemente wie Adresse oder Anrede. Zusätzlich können Sie im eigentlichen Brieftext per Hand Formatierungen einfügen:
Wenn sie häufiger mit LyX arbeiten, möchten Sie sicher Ihre eigene Adresse nicht jedes mal neu eingeben. So erstellen Sie eine angepasste Version der mitgelieferten Vorlage g-brief-de.lyx, die Ihre Adresse enthält:
Zwar macht die Qualität der mit LyX und LaTeX erstellten Dokumente gerade bei geschäftlicher Korrespondenz einen guten Eindruck, doch erst bei wissenschaftlichen Arbeiten spielt das Satzsystem seine Stärken voll aus: Bei Diplom- oder Doktorarbeiten fällt zum Beispiel das Einhalten der häufig genau vorgegebenen formalen Regeln wesentlich leichter als mit OpenOffice. Auch für wissenschaftliche Texte liefert LyX eine fertige Vorlage mit.
Besonders in den naturwissenschaftlichen Fächern entsteht seit langem ein großer Teil der Arbeiten mit LaTeX. Dessen gute Satzqualität ist hier Standard. Mit LyX können Sie unter einer grafischen Oberfläche arbeiten und trotzdem Dokumente in LaTeX-Qualität erstellen. LaTeX erstellt außerdem PDF-Dateien in professioneller Qualität, die selbst Druckereien direkt übernehmen können.
So richten Sie LyX für wissenschaftliche Arbeiten ein:
Alle anderen Einstellungen lassen Sie zunächst unangetastet. Schließen Sie den Dialog mit OK.
Das folgende Beispiel erläutert, wie Sie die ersten Seiten einer kleinen Facharbeit erstellen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit LyX Titelseiten gestalten und ein Inhaltsverzeichnis erstellen. Außerdem fügen Sie Fußnoten in den Fließtext ein.
Erstellen Sie zuerst das Titelblatt (Abbildung 4):
Auf der zweiten Seite des Beispiels steht der Name der Instituition, an der Sie die Facharbeit verfassen:
Die neue Seite nach dem Umbruch ist die richtige Stelle für das Inhaltsverzeichnis (Abbildung 4). LaTeX erzeugt es später automatisch aus den Zwischenüberschriften, die Sie in den eigentlichen Text der Arbeit einfügen. Wählen Sie Einfügen / Liste & TOC / Inhaltsverzeichnis, um die Position des Inhaltsverzeichnisses festzulegen. Fügen Sie nun nochmals wie beschrieben einen Seitenumbruch ein.
Drücken Sie [Eingabe], damit der Cursor in die erste Zeile der eben eingefügten neuen Seite wandert. Schrieben Sie die erste Überschrift Ihrer Arbeit und wählen Sie im Stil-Listenfeld Kapitel. Da LaTeX die Kapitel der Arbeit durchnummeriert, erscheint oberhalb der Überschrift zusätzlich der Text Kapitel 1.
Auch wenn die Vorschau in LyX dies nicht wiedergibt, beginnt LaTeX automatisch eine neue Seite, sobald die vorhergehende voll ist. Außerdem fügt es Kapitelnummer und -überschrift als Kopfzeile ein. Dies erleichtert die Orientierung in längeren Texten. Solche automatischen Kopfzeilen sind in einer Textverarbeitung schwierig zu realisieren.
Drücken Sie nun [Eingabe] und geben Sie den eigentlichen Text des Kapitels ein. Schriftformatierungen wie kursiv oder Kapitälchen fügen Sie wie bereits beim Geschäftsbrief-Beispiel beschrieben, mit der Buttonleiste hinzu.
Bei wissenschaftlichen Arbeiten sind Kapitel meist noch weiter untergliedert: Neben den großgedruckten Kapitelüberschriften gibt es noch kleinere Zwischenüberschriften. LaTeX kennt hierfür die Stile Section und Subsection (Abschnitt und Unterabschnitt). Geben Sie den Text für eine Zwischenüberschrift ein, nachdem Sie mit [Eingabe] einen neuen Absatz begonnen haben, und wählen Sie aus dem Listenfeld links in der Buttonleiste den passenden Stil aus. Wenn Sie erneut [Eingabe] drücken, schaltet LyX wieder zum normalen Fließtext um.
Alle Kapitel und Unterkapitel erscheinen im Inhaltsverzeichnis. LaTeX baut dieses übersichtlich auf: Die Unterkapitelüberschriften erscheinen eingerückt und im Gegensatz zu Kapitelüberschriften nicht fett. Hinter jeder Überschrift steht die Seitenzahl.
LaTeX erzeugt auf Basis des Dateityps, den Sie zu Beginn ausgewählt haben, automatisch ein vorgegebenes Layout. Sie müssen sich nicht um Details kümmern. Der Nachteil dieser Automatisierung ist, dass Sie keinen Einfluss darauf haben, wie das Layout ausfällt. Doch alle LaTeX-Designs wurden von Profis entworfen. Nur wenn Sie viel Erfahrung mit der Gestaltung von Dokumenten haben, gelingt es in einer normalen Textverarbeitung, ebenso professionell wirkende Seiten zu gestalten. LaTeX eignet sich daher ausgezeichnet für wissenschaftliche Arbeiten, bei denen es weniger auf eine individuelle Note als auf Übersicht ankommt.
Wie andere Textverarbeitungen kann LyX auch Grafiken einbinden. So fügen Sie Grafiken in Ihr Dokument ein (Abbildung 5):
Wenige wissenschaftliche Arbeiten kommen ohne Fußnoten aus. Auch diese verwaltet LaTeX automatisch. Sie müssen die Fußnote nur an der passenden Stelle im Text einfügen. LaTeX kümmert sich um die Nummerierung und eine optisch günstige Platzierung auf der Seite. So gehen Sie vor, um eine Fußnote zu erstellen:
Die LyX-Vorschau zeigt Fußnoten schematisch direkt an der Stelle im Text, an der im fertigen Dokument nur die verweisende, hochgestellte Ziffer erscheint: LyX basiert nicht wie normalen Textverarbeitungen auf dem WYSIWYG-Prinzip, bei dem die Bildschirmanzeige genau mit der Ausgabe auf dem Drucker übereinstimmt. Um in LyX das endgültige Layout zu sehen, müssen Sie erst mit dem Menübefehl PDF (pdf2latex) eine PDF-Datei erstellen.
Dieser Artikel hat nur die grundlegendsten Funktionen des Gespanns LyX und LaTeX vorgestellt. Einer der wichtigsten Gründe, warum viele naturwissenschaftliche Arbeiten und Bücher mit Hilfe des seit den 80er-Jahren existieren Satzsystems entstehen, ist neben der guten Satzqualität, der automatischen Verwaltung von Inhaltsverzeichnissen und Fußnoten vor allem der leistungsstarke Formeleditor: Praktisch jede mathematische Formel lässt sich damit umsetzen. Kein anderes Textverarbeitungssystem kann es hier mit LaTeX aufnehmen. Sie starten den Formeleditor in LyX über den Menüpunkt Einfügen / Mathematische Formeln. Eine Anleitung finden Sie unter [1].
Selbst wenn Sie den Formeleditor nicht nutzen möchten, ist LyX immer dann eine echte Alternative zu OpenOffice & Co., wenn Sie Ihre Texte schnell in ein übersichtliches, professionelles Layout bringen möchten. Für LyX und LaTeX spricht außerdem, dass beide mit einem einfach aufgebauten Dateiformat arbeiten: Wenn Sie eine LyX-Datei mit einem Texteditor wie Kate oder GEdit öffnen, können Sie, anders als bei Word- oder OpenOffice-Dateien, den Text trotzdem lesen. Nur einige Steuerbefehle, die stets mit \ beginnen, unterbrechen den Textfluss. Wegen dieses simplen Formats müssen Sie auch bei Dokumenten mit mehreren hundert Seiten nicht befürchten, dass das Programm abstürzt und das Dokument sich nach einem Neustart nicht mehr öffnen lässt. (pkr/hge)
| Infos |
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[1] Anleitung zum Formeleditor: http://wiki.lyx.org/LyX/LyXMathebefehle#download
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Last modified: 2008-11-05 17:02
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