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Erschienen in EasyLinux 09/2006   »   Ausgabe bestellen

Anwender-Tipps und kleine Kniffe zu Gimp

Effizienter arbeiten mit Gimp

von Claudia Dotterweich


Gimp ist das populärste Grafikprogramm für Linux. Unsere Gimp-Tipps stellen interessante Funktionen vor: Wir zeigen, wie Sie effektiv Bilder bearbeiten, die Werkzeugpalette einsetzen und nützliche Filter anwenden.

Tipp: Das Herzstück von Gimp

Der wichtigste Bestandteil von Gimp ist die Werkzeugpalette (Abbildung 1): Mit ihr erstellen oder öffnen Sie Dateien, ändern Farben, Muster und die Pinselauswahl. Standardmäßig finden Sie dort 37 Werkzeuge. Die jeweiligen Werkzeugeinstellungen rufen Sie per Doppelklick auf das Werkzeugsymbol auf, der Inhalt des Einstellungsfensters passt sich an das aktivierte Werkzeug an. Gefallen Ihnen die neuen Einstellungen nicht, stellen Sie die ursprünglichen Vorgaben wieder her: Ein Mausklick auf die Symbolschaltfläche Auf Vorgabewerte zurücksetzen reicht aus.

Sie bestimmen auch, welche Werkzeuge Gimp in der Werkzeugpalette anzeigt: Über Datei / Dialoge / Werkzeuge öffnen Sie ein Fenster, das alle zur Verfügung stehenden Werkzeuge auflistet. Klicken Sie auf das Auge-Symbol, um ein vorhandenes Werkzeug aus der Palette auszublenden. Ein erneuter Klick fügt es der Palette wieder hinzu. Benötigen Sie zum Beispiel öfter den Befehl Einfärben, fügen Sie ihn über diese Option der Werkzeugpalette hinzu: Dann brauchen Sie das Dialogfenster nicht umständlich über das Bildmenü Ebene / Farben / Einfärben aufzurufen.

Zusätzlich können Sie über Datei / Einstellungen / Werkzeugfenster die drei Optionen Vorder- und Hintergrundfarbe anzeigen, Ausgewählten Pinsel, Muster und Farbverlauf anzeigen und Aktuelles Bild anzeigen (de-) aktivieren.

Abb. 1: Die Werkzeugpalette von Gimp besteht aus verschiedenen Teilen und ist individuell gestaltbar.

Tipp: Letzte Dateien öffnen

Gimp merkt sich unter Datei / Zuletzt geöffnet die letzten zehn Dokumente, die Sie geöffnet haben. Diese können Sie auch über die Tastenkombinationen [Strg-0] bis [Strg-9] aufrufen.

Tipp: So variieren Sie Linien

Linie erzeugen Sie mit einem beliebigen Malwerkzeug: Sie klicken irgendwo ins Bild und legen den Anfangspunkt fest. Halten Sie während des zweiten Klicks die Umschalt-Taste gedrückt, verbindet Gimp die beiden Punkte zu einer Linie.

Diese Funktion wird besonders interessant, wenn Sie die Linienzüge mit Radiergummi, Weichzeichner, Wischfinger oder Aufhellen-Werkzeug durchführen. Vor allem der Weichzeichner ist nützlich, weil Sie damit einfach entlang einer Kante die Konturen durch zwei Klicks weichzeichnen können.

Auch das Stempel-Werkzeug ist hilfreich: Um eine gerade Strecke zu klonen, klicken Sie mit gehaltener Strg-Taste auf den Anfangspunkt der Linie. Legen Sie anschließend den Startpunkt fest und wählen Sie mit gehaltener Umschalt-Taste den Endpunkt. Wichtig ist dabei, dass der Winkel der erzeugten Linie der Originallinie entspricht.

Tipp: Bildbereich mit abgerundeten Rahmen versehen

Um einen Bildbereich wie in Abbildung 2 mit einem abgerundeten Rahmen zu verschönern, gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Aktivieren Sie mit [R] das rechteckige Auswahlwerkzeug und ziehen Sie eine Auswahl um den gewünschten Bildbereich.
  1. Wählen Sie anschließend im Bildmenü Auswahl / Vergrößern. Tragen Sie in das Dialogfeld einen Wert zwischen 10 und 20 Pixel ein. Gimp vergrößert dann die Auswahl um den eingetragenen Wert und rundet die Ecken ab.
  1. Im nächsten Schritt wählen Sie im Bildmenü Auswahl / Rand und fügen der Auswahl noch einen Rand hinzu. Dessen Breite tragen Sie in das Dialogfenster Auswahl umranden ein.
  1. Mit [Umschalt-B] aktivieren Sie das Füllwerkzeug und füllen den Auswahlrahmen mit einer Farbe oder einem Muster Ihrer Wahl.

Abb. 2: Fotos wirken besser, wenn Sie ihnen einen Rahmen verpassen.

Tipp: Schatteneffekte justieren

Mit Gimps Ebenenfunktionen wenden Sie ohne großen Aufwand Schlagschatten auf ganze Ebenen an. Nachdem Sie einen Schatten für eine Auswahl erstellt haben, können Sie ihn nachträglich über das Verschieben-Werkzeug ([M]) direkt im Bild an der gewünschten Stelle positionieren. Das funktioniert, weil Gimp für jeden Schatten eine separate Ebene erzeugt.

Tipp: Arbeiten mit Collagen

Eine Collage ist ein Bild, das aus verschiedenen Motiven anderer Bilder besteht. Das Ergebnis ist oft interessanter als die Originale. In der Regel erstellen auch Anfänger eine Collage ohne große Probleme. Im folgenden Beispiel zeigen wir Ihnen, wie schnell Sie mit ein paar Effektfiltern und Bildmotiven ein neues Fotomotiv kreieren, das neugierige Blicke auf sich ziehen wird.

  1. Wählen Sie einen passenden Hintergrund für Ihre Collage aus. Für das Bild in Abbildung 3 haben wir als Grundmotiv ein Fraktal gewählt. Sie erzeugen einen solchen Hintergrund über Filter / Render / Fraktal Explorer. Klicken Sie im Dialogfenster auf Fraktale und wählen Sie ein passendes Fraktal aus.
  1. Legen Sie über das Bildmenü eine neue transparente Ebene an (Ebene / Neue Ebene) und füllen Sie diese an der unteren Ecke mit einem Farbverlauf von VG nach Transparent.
  1. Nachdem Sie mit der Gestaltung des Hintergrunds fertig sind, kopieren Sie mit dem Auswahlwerkzeug aus diversen anderen Bildern die Bildmotive heraus.
  1. Wichtig ist, dass Sie jedes Motiv in einer separaten neuen Ebene platzieren: Dann können Sie später ohne Probleme die Positionen verändern oder die Motive ein- und ausblenden. Experimentieren Sie für jede Ebene auch ein wenig mit Deckkraft und Ebenenmodus, bis das Ergebnis Ihren Vorstellungen entspricht.
  1. Nachdem Sie alle Teile der Collage angeordnet haben, können Sie das Gesamtwerk noch mit einem passenden Rahmen versehen. Im Beispiel grenzen Sie einfach einen Bereich des Bilds mit dem rechteckigen Auswahlwerkzeug ([R]) ein und invertieren ihn mit [Strg-I]. Danach rufen Sie über Skript-Fu / Schatten / Schlagschatten das Dialogfenster für Schlagschatten auf. Die vorgegebenen Standardwerte können Sie beibehalten. Führen Sie das Skript aus und erzeugen Sie dadurch den Schatten.
  1. Wie in Tipp ## bereits erwähnt, haben Sie die Möglichkeit, die Position des Schattens mit dem Verschieben-Werkzeug ([M]) zu ändern. Die Ebene mit dem Rahmen bearbeiten Sie noch ein wenig mit einem Verzerrungsfilter (Filter / Verzerren).

Abb. 3: Gimp kennt viele Möglichkeiten, um eindrucksvolle Collagen aus verschiedenen Fotomotiven zu erstellen.

Tipp: Einstellungen zurücksetzen

Ein hilfreiches kleines Tool findet sich im Werkzeugeinstellungsdialog. Haben Sie eigene Einstellungen im Werkzeugdialog vorgenommen, sind aber mit dem Ergebnis nicht zufrieden und möchten von vorn beginnen, dann klicken Sie auf die Schaltfläche Auf Vorgabewerte zurücksetzen. Um alle Einstellungen wieder auf die Standardwerte zurückzustellen, halten Sie beim Klick auf die Schaltfläche [Umschalt] gedrückt.

Tipp: Pfadwerkzeugauswahlen kombinieren

Mit dem Pfadwerkzeug erzeugte Auswahlen können Sie mit anderen Auswahlwerkzeugen kombinieren:

  1. Erzeugen Sie mit dem Pfadwerkzeug ([B]) eine Form Ihrer Wahl.
  1. Wählen Sie anschließend im Bildmenü Auswahl / Vom Pfad.
  1. Aktivieren Sie als Nächstes ein anderes Auswahlwerkzeug (zum Beispiel die rechteckige Auswahl).
  1. Halten Sie nun [Umschalt] gedrückt und erzeugen Sie eine neue Auswahl, die sich mit der ersten Auswahl verbindet.

Solange die Umschalt-Taste gedrückt bleibt, können Sie so viele Auswahlen miteinander verbinden, wie Sie wollen. Zum Abschluss füllen Sie die Auswahl mit einer Farbe oder einem Muster. (hge)

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