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Erschienen in EasyLinux 09/2006   »   Ausgabe bestellen

Know-how für die Kommandozeile

Shell-Tipps

von Andrea Müller


Dateimanager, Packprogramme und Texteditoren: Linux lässt auch auf der Kommandozeile nur wenige Wünsche offen. In den Shell-Tipps zeigen wir diesen Monat praktische Kniffe zu "vim" und dem Midnight Commander und erklären, wie Sie einen Blick in ZIP-Archive werfen.

Tipp: Schnell zum letzten Argument

Dass in der Bash ein Druck der Tab-Taste Pfade und Befehle vervollständigt, erspart einem viel Tipparbeit, doch gerade bei verschlungenen Verzeichnisstrukturen wünscht man sich weitere Abkürzungen. Mit einer Tastenkombination fügen Sie das letzte Argument an der Cursorposition ein: Haben Sie beispielsweise mit less /pfad/zum/dokument.txt den Inhalt einer Textdatei inspiziert und möchten diese danach in einen anderen Ordner kopieren, geben Sie cp gefolgt von einer Leerstelle ein und drücken [Alt-.]. Damit fügen Sie das letzte Argument, in unserem Beispiel /pfad/zum/dokument.txt ein, und Sie müssen nur noch das Zielverzeichnis angeben.

Tipp: Display als Bildbetrachter fürs Internet

Das Programmpaket ImageMagick [1] bringt nicht nur Kommandozeilenwerkzeuge für die Bildbearbeitung mit, sondern auch ein grafisches Anzeigeprogramm. Sie starten es mit dem Befehl display bild.jpg. Auf eine Menüleiste müssen Sie verzichten, stattdessen erreichen Sie die wichtigsten Funktionen über das Kontextmenü, das Sie mit einem Klick der rechten Maustaste öffnen.

Das Programm zeigt jedoch nicht nur Grafiken auf dem eigenen Computer an, sondern öffnet auch Fotos aus dem Internet. Schickt Ihnen jemand einen Link zu einem Bild, reicht es aus, display die URL auf der Kommandozeile zu übergeben. So zeigt

display http://www.easylinux.de/2004/01/036-xawtv/xawtv3_s.jpg

eine Grafik aus dem EasyLinux-Artikelarchiv an. Um das Bild auf der Festplatte zu speichern, klicken Sie mit der rechten Maustaste in das Fenster und wählen Save aus dem Kontextmenü. Im folgenden Dialog entscheiden Sie sich für einen Speicherordner und einen Dateinamen.

Tipp: Bildergalerie mit ImageMagick

Um sich schnell einen Überblick über alle Bilder eines Verzeichnisses zu verschaffen, können Sie display auch mehrere Bilder auf der Kommandozeile übergeben. Mit dem Befehl

display *.jpg

startet der Bildbetrachter und zeigt die erste Datei mit der Endung .jpg an. Mit der Leertaste gelangen Sie zum jeweils nächsten Bild. Wollen Sie alle Fotos eines Ordners gemeinsam im Blick zu haben, eignet sich jedoch der Befehl

display 'vid:*.jpg'

besser: Dieser Aufruf stellt alle JPG-Dateien im aktuellen Verzeichnis auf einer Seite als Miniatur dar (Abbildung 1). Per Rechtsklick auf eines der Vorschaubilder und Auswahl von Load öffnen Sie die Datei in voller Größe. Um zurück zur Thumbnail-Ansicht zu gelangen, öffnen Sie das Kontextmenü und wählen Former.

Abb. 1: Mit dem richtigen Befehl aufgerufen, zeigt der Bildbetrachter "display" aus dem ImageMagick-Paket alle Bilder eines Ordners an.

Tipp: Midnight Commander ohne Nachfragen

Nicht nur Anwender, die unter DOS mit dem Norton Commander gearbeitet haben, kommen schnell mit dessen Klon Midnight Commander zurecht. Sie starten den Dateimanager für die Kommandozeile mit dem Befehl mc. Dank der Kurzhilfe am unteren Fensterrand haben Sie die wichtigsten Tastenkombinationen zum Kopieren, Löschen und Erstellen eines Ordners immer im Blick. Standardmäßig fragt das Programm nach, wenn Sie Dateien löschen, überschreiben und mc beenden. Sind Ihnen die Sicherheitsabfragen lästig, deaktivieren Sie diese über das Menü, das Sie auch mit der Maus bedienen können: Wählen Sie Optionen / Nachfragen und entfernen Sie im folgenden Dialog die Häkchen vor den Aktionen, bei denen mc auf die Sicherheitsabfrage verzichten soll.

Tipp: "vim" im Einfügemodus starten

Der Texteditor vim gilt nicht zuletzt deshalb als sperrig, weil er zwischen Befehls- und Einfügemodus unterscheidet. Nur im Einfügemodus, den Sie mit [I] erreichen, können Sie Text eingeben, zum Speichern der Datei oder zum Löschen einzelner Zeilen müssen Sie mit [Esc] wieder in den Befehlsmodus wechseln. Standardmäßig startet vim im Befehlsmodus, was unpraktisch ist, da man meistens die Datei bearbeiten will.

Mit dem Aufrufparameter -c (für command) gefolgt von startinsert weisen Sie den Texteditor an, direkt nach dem Start in den Einfügemodus zu wechseln. Möchten Sie das zur Voreinstellung machen, erledigen Sie das mit einem Eintrag in die Datei .vimrc in Ihrem Homeverzeichnis. Wechseln Sie dazu mit cd in Ihr Homeverzeichnis und öffen Sie die Datei mit

vim .vimrc

Sie finden dort bereits viele Einstellungen, die Sie jedoch ignorieren können. Bewegen Sie den Cursor bis in die letzte Zeile der Datei und drücken Sie [O], um eine weitere Zeile einzufügen und in den Eingabemodus zu wechseln. Mit dem Eintrag startinsert legen Sie fest, dass vim künftig automatisch im Einfügemodus startet (Abbildung 2). Drücken Sie nun [Esc] und speichern Sie die Konfigurationsdatei mit Eingabe von :wq. Sobald Sie vim das nächste Mal starten, können Sie sofort Text eingeben.

Abb. 2: Mit der Option "startinsert" in der Datei ".vimrc" startet der Texteditor automatisch im Einfügemodus.

Tipp: Zeilenlänge beim "vim"-Start festlegen

Über die Option -c geben Sie vim beim Start auch andere Optionen mit als nur den Modus: So ist es manchmal praktisch, wenn das Programm den Text automatisch umbricht, etwa wenn man KMail als Mailprogramm verwendet und dort vim als externen Texteditor zum Verfassen von Nachrichten nutzt. Mit

vim -c "set tw=72"

legen Sie eine maximale Zeilenlänge von 72 Zeichen fest. Die Anweisung set tw=72 setzen Sie dabei in Anführungszeichen, da der Befehl Leerstellen enthält. Durch mehrmaliges Verwenden der Option -c geben Sie vim auch mehrere Kommandos mit. So startet

vim -c startinsert -c "set tw=72"

den Texteditor im Einfügemodus und sorgt dafür, dass er bei einer Zeilenlänge von 72 Zeichen automatisch einen Umbruch einfügt.

Tipp: Beim "vim"-Start in eine Zeile springen

Wer gelegentlich Shell-Skripte [2] schreibt, kennt das Problem: Man hat einen Befehl falsch geschrieben, und beim Ausführen meldet das Skript einen Fehler. Die Meldung informiert Sie auch darüber, in welcher Zeile des Skripts er auftritt. Wollen Sie den Fehler beheben, ist es möglich, vim gleich mit dem Cursor in der entsprechenden Zeile zu starten. Beim Aufruf

vim +5 skript

öffnet vim die Datei skript im aktuellen Verzeichnis und setzt den Cursor in die fünfte Zeile. Die gewünschte Zeilennummer geben Sie auf der Kommandozeile mit einem vorangestellten Pluszeichen an. Öffnen Sie eine 10-zeilige Datei mit dem Kommando

vim +15 testdatei.txt

setzt der Texteditor den Cursor in die letzte, also die zehnte, Zeile.

Tipp: Bis zum Ende einer Zeile löschen

In vim löschen Sie eine Zeile, indem Sie im Befehlsmodus zweimal [D] drücken. Oft will man aber keine ganze Zeile löschen, sondern nur alles ab der aktuellen Cursorposition. Auch dafür kennt vim eine passende Tastenkombination: Drücken Sie [D] und danach [Umschalt-4], um alles bis zum Zeilenende zu löschen.

Tipp: Inhalt eines ZIP-Archivs inspizieren

Nicht nur mit dem Konqueror, auch auf der Kommandozeile hält Linux Packprogramme bereit, mit denen Sie komprimierte Archive erstellen und entpacken [3]. Um Archive im unter Windows verbreiteten ZIP-Format zu entpacken, nutzen Sie das Programm unzip. Möchten Sie vor dem Entpacken erst einmal in ein Archiv hineinschauen, um zu erfahren, welche Dateien es enthält, greifen Sie zu zipinfo. Der Befehl

zipinfo gepackt.zip

listet in ausführlicher Form den Inhalt des Archivs gepackt.zip auf (Abbildung 3). Sie erfahren so nicht nur, welche Dateien es enthält, sondern auch deren Größe. In der letzten Zeile zeigt das Tool eine Zusammenfassung an, die unter anderem verrät, wie viele Dateien sich im Archiv befinden.

Interessieren Sie sich nicht für die ausführlichen Informationen, sondern wollen nur wissen, welche Dateien in dem ZIP-Archiv sind, rufen Sie zipinfo mit dem Parameter -1 auf. Er unterdrückt die ausführlichen Angaben zur Größe der Dateien.

Um nur die Zusammenfassung anzuzeigen, verwenden Sie den Parameter -h: Das Kommando

zipinfo -h gepackt.zip

gibt eine Zeile mit dem Namen des Archivs, seiner Größe und der Anzahl der gepackten Dateien aus. (amü)

Abb. 3: Der Befehl "zipinfo" verrät, welche Dateien sich in einem ZIP-Archiv befinden.
Infos
[1] Image-Magick-Artikel: Heike Jurzik, "Zauberhafte Bildbearbeitung", EasyLinux 06/2006, S. 89 f., http://www.easylinux.de/2006/06/089-guru-convert/ -- auf der Jahres-CD
[2] Anleitung zum Schreiben von Skripten: Andrea Müller und Elisabeth Bauer, "Shell-Tipps", EasyLinux 01/2004, S. 69 ff., http://www.easylinux.de/2004/01/069-shell-tipps/
[3] Artikel über Packprogramme für die Kommandozeile: Heike Jurzik, "Eingepackt und abgelegt", EasyLinux 03/2006, S. 88 ff. -- auf der Jahres-CD

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