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Heidi Jovanovic
Beim Einarbeiten in die Welt von Linux und freier Software greift fast jeder Anwender zu Handbüchern oder anderen Lernmaterialien. Wer das Wälzen dicker Bücher scheut, findet im Angebot des Verlags Addison-Wesley nun auch Schulungsvideos für den PC, darunter Einführungen in Suse Linux und Ubuntu. Die Produktionen der Firma Video2Brain, die auf inkteraktive Schulungsmedien spezialisiert ist, setzen auf Lernen durch Anschauung.
Die Produkte bestehen jeweils aus einer eine Schulungs-DVD, einer vollwertigen Installations-DVD des Betriebssystems und einem kleinen Beiheft. Die Lektionen auf der Schulungs-DVD betrachten Sie in einem Web-Browser mit Flash-Plugin. Die Videos sind auf eine Bildschirmauflösung von 1024 x 768 Pixel oder höher ausgelegt, das Abspielen der Flash-Filme können Sie mit einer Play-/Pause-Taste sowie schnellem Vor- und Rücklauf steuern. Als unterstützte Betriebssysteme gibt der Verlag Linux, Windows 98/2000/XP und Mac OS X 10.1 an. Unter Windows steht außerdem eine eigenständige Anwendung zur Verfügung, die eine zusätzliche Lesezeichen-Funktion hat. Daneben enthält die DVD einen Video-Teil, in dem einige Lektionen und ein Interview mit dem Trainer für die Darstellung am Fernseher aufbereitet sind.
Die Lektionen für den PC gleichen einem Präsenzseminar, in dem der Trainer seine Desktop-Oberfläche per Beamer auf eine Leinwand wirft. Sie hören seine Stimme und verfolgen am Bildschirm alle Schritte, die er vornimmt, während er Linux installiert oder die Benutzung von Programmen demonstriert. Das Lerntempo bestimmen Sie selbst -- Sie können Kapitel und einzelne Filme nach Ihrem Wissensstand und Ihren Interessen aus dem Menü auswählen (Abbildung 1). Am Ende jedes Kapitels können Sie das erworbene Wissen durch einen Multiple Choice-Test prüfen und einen zusammenfassenden Text ausdrucken.
Besonders praktisch ist es, wenn Sie zwei Rechner zur Verfügung haben: Einen, auf dem die Lern-DVD läuft und einen, auf dem Sie mit der Betriebssystem-DVD installieren und die vorgeführten Schritte nachvollziehen. Abgesehen vom Installationsvorgang ist das Mitarbeiten aber auch auf ein- und demselben Rechner möglich: Wechseln Sie einfach zwischen dem Film und der darin erklärten Anwendung hin- und her (beispielsweise mit [Alt]+[Tab]).
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Video2Brain, Jörg Kreß: Ubuntu 6.06 "Dapper Drake" |
Trainer auf der Schulungs-DVD zu Ubuntu 6.06 "Dapper Drake" ist Jörg Kreß. Er ist aktiv in der Ubuntu-Community und Vorstandsmitglied des Gnome Deutschland e.V. Er lädt zu einem Rundgang durch sein Lieblings-Betriebssystem, dessen Gnome-Oberfläche und die darauf laufenden Programme ein. Zunächst demonstriert er das Live-System, das von CD läuft und die Festplatte noch nicht berührt. Anschließend zeigt er die Installation aus dem Live-System und stellt die Installation im Textmodus als Alternative vor.
Über zwei Stunden nimmt sich der Umweltinformatik-Student Kreß für das Kapitel "Der Ubuntu-Desktop" Zeit. Dort erklärt er die Elemente des Gnome-Desktops, seine individuelle Anpassung und das Arbeiten damit. Er tut dies mit detaillierten Erläuterungen und zum Teil in kleinen Workshops. Abschließend gibt er einen Ausblick auf andere Oberflächen, indem er auf Ubuntu-Derivate wie Kubuntu mit seinem KDE-Desktop und die Vielfalt an Window Managern eingeht.
Unter dem Titel "Ubuntu im täglichen Gebrauch" führt der Trainer in drei Stunden ein breites Spektrum an Internet-, Büro-, Grafik- und Multimediaanwendungen für den Arbeitsalltag. Dabei beschränkt sich er sich meist darauf, die Programme und ihre Funktionen kurz vorzustellen, anstatt sie an Beispielen vorzuführen. So ist der Lerneffekt in diesem und den folgenden Kapiteln nicht so groß wie im ersten. Das Kapitel "Hilfe für Umsteiger" nimmt mit über einer Stunde ebenfalls viel Raum ein und ist von großem praktischen Nutzen. Es behandelt Software-Management, Anpassung und Verwaltung sowie den Mehrbenutzerbetrieb.
Die Schulung wendet sich an Einsteiger, vor allem solche, die ein reines Desktop-Linux suchen, die Textkonsole scheuen und nicht tiefer in die Administration und das Verständnis des Betriebssystems einsteigen wollen. Auch Zögerliche, die erst einmal zusehen wollen, bevor sie am eigenen Rechner Hand anlegen, sind damit gut bedient.
Ausdrücklich sagt Kreß, dass auch er Ubuntu benutze, damit er nichts administrieren muss. Also geht er auf Administration und Konfiguration so wenig wie möglich ein. Unerlässliches Wissen, beispielsweise zum Einrichten eines Druckers, vermittelt er dennoch. Ausflüge auf die Kommandozeile sind während der gesamten Schulung selten und knapp gehalten, das Seminar findet fast ausschließlich auf der grafischen Benutzeroberfläche statt. Selbst zu dem wichtigen Befehl mount zum Einbinden von Laufwerken ruft Kreß Lediglich die Man-Page auf.
Sein herzliches Bestreben, dem Einsteiger das Leben so einfach wie möglich zu machen und ihn keinesfalls zu verschrecken macht den Dozenten sympathisch. Er setzt den Schwerpunkt auf problemlose Funktion der alltäglichen Arbeitungen. Dazu gehört der reibungsloser Dokumentenaustausch mit anderen Plattformen. Deshalb legt er dem Lernenden die Verwendung offener Formate wie RTF und OpenDoucment nahe und zeigt die Installation Truetype Core Fonts von Microsoft, der in Windows gebräuchlichen Standardschriftarten.
Das Ubuntu-Seminar setzt kein Vorwissen voraus. Ganz ohne Computerkenntnisse ist es sicher schwierig zu folgen, aber nicht unmöglich. Ein einziges Mal wird jeder, der mit Windows- und Linux-Administration überhaupt nicht vertraut ist, überfordert: Bei der Vorbereitung der Festplatte für die Installation wirft der Trainer plötzlich ein: "Ein weiterer Schritt, den Sie vor der Partitionierung vornehmen müssen, ist dann eine Defragmentierung". Dass hier die Defragmentierung unter Windows gemeint ist, bleibt leider unklar. Hier zeigt sich die bedeutendste Schwäche eines solchen Heimtrainings: Bei einem Präsenzseminar hätte der verwirrte Teilnehmer nachgefragt.
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Video2Brain, Dieter Thalmayr: Suse Linux 10.1 |
Ein weiteres DVD-Training beschäftigt sich Suse Linux 10.1, Dozent ist hier der Linux-Trainer Dieter Thalmayr. Die didaktische Arbeit macht ihm hörbar Spaß, er lockert den Stoff mit rhetorischen Fragen auf und löst Aha-Effekte aus. Mit
Nach Installation und Einführung in KDE widmen sich umfangreice Kapitel den Grundlagen des Betriebssystems (rund zwei Stunden Laufzeit) und der Systemadministration (etwa drei Stunden). In ihnen wechselt der Dozent munter zwischen grafischer Benutzeroberfläche und Kommandozeile hin- und her, bis schließlich auch der Shell-Neuling überhaupt nicht mehr fremdelt. Der Streifzug durch das System nicht nur im Dateimanager Konqueror statt, das Einrichten einer neuen Festplatte und das Netzwerks nicht nur in YaST: Meistens ist gleichzeitig ein Terminal offen (Abbildung 3), in dem Thalmayr zeigt, wie man alternativ auf der Befehlszeile arbeitet, weitere hilfreiche Informationen abruft oder sich behilft, wenn Yast hakt. So orientiert sich der Dozent beispielsweise mit mount und setzt den Befehl eject ab, wenn während der Installation zusätzlicher Programme zwar die Aufforderung ergeht, eine neue CD einzulegen, das Schubfach sich aber nicht öffnen lässt.
Das Kapitel zu OpenOffice dauert weit über zwei Stunden und besteht aus praktischen Workshops, die alles vermitteln, was der Anwender für durchschnittlichen Büroalltag benötigt. So erstellt der Trainer beispielsweise mit der Textverarbeitung Writer eine Briefvorlage, deren Adressfeld in ein gängiges Fensterkuvert passt. Mit der Tabellenkalkulation Calc macht er Absatzberechnungen für vier Monate, die er einer Gesamtauswertung zuführt. Das Präsentationsprogramm Impress benutzt erum die Funktionsweise eines DHCP-Servers in einem 4-Block-Modell zu erklären. Der Bonuseffekt davon ist nützliches Wissen für das entsprechende Systemadministrationskapitel.
Kürzere Kapitel beschäftigen sich mit dem Editor vi und Internet- und Multimediaanwendungen. Schließlich gibt es noch Workshops zu Netzwerk- und Serverthemen wie dem Einrichten von FTP-, Samba- und LAMP-Servern und eines NFS-Servers und -Clients.
Von dieser Schulung können sowohl Neulinge als auch fortgeschrittene Linux-Anwenderprofitieren. Vorausgesetzt werden ein gesundes Computer-Basiswissen und grundlegende Windows-Kenntnisse. Linux dagegen erhlärt der Trainer ganz von vorn. Einsteiger werden vielleicht vor allem in den letzten zwei Kapiteln über manches unverstandene Fachwort stolpern. Nichts spricht dagegen, einfach auszuklammern, was noch zu schwierig ist -- die Sterungsmöflichkeiten der Trainings-DVD machen das einfach. So kann sich auch der erfahrene Anwender die Rosinen herauspicken und sich auf das konzentrieren, was für ihn interessant ist. Gerade die Systemadministrations- und Netzwerkthemen gehen so weit in die Tiefe, dass sich auch Fortgeschrittene nicht langweilen. 12 Stunden Schulung sind aufgezeichnet. Durch den Workshopcharakter kann man leicht viermal so lang mit dieser DVD beschäftigen. (mhu)
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Last modified: 2008-11-05 17:02
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