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Erschienen in EasyLinux 09/2006   »   Ausgabe bestellen

Drei Wörterbuchprogramme im Vergleich

Do you speak...?

Marcel Hilzinger


Egal ob Anfänger oder Profi: Ein gutes Englisch-Wörterbuch kann man immer gebrauchen. Die Redaktion hat drei Programme getestet, die auch unter Linux laufen.

Wissen Sie, was chunk, junk und gunk bedeuten? Wenn nicht, bleibt der Griff zum Wörterbuch oder zu einem Online-Nachschlagwerk. Alternativ installieren Sie auf Ihrem Computer eine elektronische Variante. EasyLinux hat drei Produkte getestet (siehe Übersichtstabelle). Zwei davon (Duden und Lingea) sind Deutsch-Englisch-Wörterbücher, der Longman Dictionary of Contemporary English ist ein reines Englisch-Englisch-Wörterbuch.

Der Marktführer

In Deutschland steht der Duden quasi als Synonym für das Wörterbuch. Der Verlag bietet in seiner Reihe Office-Bibliothek (siehe auch den separaten Artikel auf Seite 78) zahlreiche Titel für Linux an, darunter auch das Großwörterbuch Englisch mit rund 300 000 Stichwörtern und 470 000 Übersetzungen. Die Installation des Wörterbuchs gestaltet sich denkbar einfach.

  1. Benutzer von Suse und Mandriva Linux installieren das RPM-Paket von der Duden-CD. Es enthält die eigentliche Wörterbuch-Software. Unter Ubuntu entpacken Sie die Datei mit der Endung tar.gz und führen danach das Setup-Skript aus. Die einzelnen Schritte sind im Artikel ab Seite 78 detailliert erklärt.
  1. Starten Sie die Office-Bibliothek über [Alt-F2] und den Befehl officebib, dann wählen Sie Datei / Neues Buch installieren.
  1. Im neuen Dialog klicken Sie auf Durchsuchen (Abbildung 1) und wählen dann von der Duden-CD die Datei PC-BIB.INF aus. Unter Suse Linux müssen Sie die CD dazu erst über einen Klick auf den Arbeitsplatz und das CD-Symbol mounten. Danach zeigt Konqueror das Verzeichnis /media/DOX/ an. Bei Ubuntu finden Sie die Datei im Verzeichnis /media/cdrom. Benutzer von Mandriva Linux wählen als Verzeichnis /mnt/cdrom aus. Danach folgen Sie den Anweisungen des Installationsprogramms.

Abb. 1: Um ein neues Wörterbuch einzurichten, müssen Sie den Pfad des CD-Laufwerks angeben.

Beim ersten Start stört das Duden-Wörterbuch mit zwei, drei Fenstern, die Ihnen die Registration der Software nahelegen und auf Updates hinweisen. Die Oberfläche (Abbildung 2) macht einen aufgeräumten Eindruck: Die Schriften sind gut lesbar, allerdings passt der Stil nicht ganz zum KDE-Desktop. Das Duden-Wörterbuch bringt keine Beispiele für die Aussprache mit. Da hilft auch die phonetische Lautschrift zu den meisten Stichwörtern nicht viel. Im Test mit den drei englischen Suchbegriffen processor, harddisk (absichtlich falsch geschrieben) und operating system fand das Duden-Wörterbuch sämtliche Begriffe. Bei harddisk listete es sämtliche Komposita mit hard auf. Drucken und Copy & Paste funktionieren gut. Das Duden-Programm druckt auf jeder Seite in der Fußzeile einen Copyright-Hinweis.

Abb. 2: Die grafische Oberfläche des Duden Wörterbuchs ist übersichtlich und klar gestaltet.

Lingea Collins

Wie der Titel Lingea Lexicon 2002 vermuten lässt, stammt das Großwörterbuch Englisch von Lingea aus dem Jahr 2002. Die grafische Oberfläche des Programms ist deshalb nicht mehr ganz aktuell. Beim Einlegen der CD zeigt KDE ein Hiweisfenster an, dass sich auf der CD eine Autostart-Datei befindet. Diese Datei sollte eigentlich die Installation starten, das entsprechende Skript versagte aber bei sämtlichen EasyLinux-Distributionen seinen Dienst. Sie müssen das Wörterbuch deshalb über die Konsole installieren:

  1. Öffnen Sie über [Alt-F2] und den Befehl konsole das KDE-Terminal.
  1. Wechseln Sie mit dem Befehl cd /mnt/cdrom (Mandriva Linux) beziehungsweise cd /media/lg4engrhcp (Suse Linux) ins Verzeichnis der CD.
  1. Starten Sie die Installation mit dem Befehl ./setup (der Punkt am Anfang ist wichtig). Nach der Installation finden Sie auf dem Desktop ein neues Symbol für den Programmstart.

Unter Ubuntu 6.06 versagte das Installationsprogramm komplett seinen Dienst. Hier müssen Sie für die Installation auf eine andere Distribution ausweichen, soweit verfügbar. Danach kopieren Sie den Ordner lex4 aus Ihrem Home-Verzeichnis in das Home-Verzeichnis der Ubuntu-Installation und starten das Programm durch einen Doppelklick auf die Datei lexicon.

Auf den ersten Blick beschränkt sich der Umfang des Programms auf die gewöhnliche Wörterbuchfunktion. Über Stichwort / Lernen bietet Lexicon zudem eine kleine Lernhilfe. Diese eignet sich aber höchstens für Anfänger. Brauchbarer sind die Kontextinformationen, die das Wörterbuch auf den Reitern Volltextsuche, Formen und Kollokationen anzeigt. Von den drei Testwörtern fand das Lingea-Wörterbuch die harddisk erst bei der Suche nach hard oder disk. Auch die Treffer für processor waren etwas dürftig (Abbildung 3).

Abb. 3: Das Lingea-Wörterbuch bedarf einer grundlegenden Überarbeitung.

Die deutlichsten Schwächen zeigt das Programm bei der Kopier- und Druckfunktion. Kopieren lassen sich nur einzelne Wörter oder zusammengehörende Ausdrücke. Störend wirkt sich dabei auch aus, dass das Programm per Doppelklick gleich zum ausgewählten Stichwort springt, anstatt dieses nur zu markieren: eine eigentlich gut gemeinte Funktion. Aus dem Wörterbuch zu drucken, ist nicht möglich. Die Anwendung zeigt zudem die Phonetische Lautschrift nicht korrekt an, wie im Vergleich von Abbildung 2 und Abbildung 3 zu erkennen ist.

Longman

Das Englisch-Englisch-Wörterbuch von Langenscheidt arbeitet mit dem Flash-Player 6.0 und dem Browser Mozilla. Beide Programme bringt es gleich selbst mit. Für die Installation sind folgende Schritte auf der Kommandozeile nötig:

  1. Legen Sie CD 1 ein und warten Sie, bis KDE das Medium erkannt hat. Öffnen Sie dann über [Alt-F2] und den Befehl konsole das KDE-Terminalfenster.
  1. Wechseln Sie mit dem Befehl cd /media/cdrom (Ubuntu), cd /mnt/cdrom (Mandriva Linux) beziehungsweise cd /media/LDOCE_CD1 (Suse Linux) ins Verzeichnis der CD.
  1. Starten Sie das Installationsprogramm mit dem Befehl sh linux/installation.sh. Meldet das Programm unter Ubuntu einen Fehler, müssen Sie zunächst noch über den Paketmanager das Paket libgtk1.2 installieren.
  1. Möchten Sie sämtliche Sprachdateien installieren, kreuzen Sie im ersten Dialog die Optionen Recommended data files und Full data files an. Sie benötigen dazu rund 1,2 GByte freien Speicherplatz. Die vorgeschlagenen Pfade können Sie übernehmen.

Das Installationsprogramm legt auf dem Desktop eine Verknüpfung auf das Wörterbuch an. Ein Klick darauf startet den Longman Dictionary. Die grafische Oberfläche des Langenscheidt-Wörterbuchs hebt sich positiv von den beiden Großwörterbüchern ab, die Bedienung erfolgt allerdings komplett in Englisch (Abbildung 4). Gut gefällt, dass das Programm zu den meisten Stichwörtern Aussprachebeispiele in britischem Englisch und amerikanischem Englisch bereitstellt. Die Aufnahmefunktion zur Überprüfung der eigenen Aussprache funktioniert allerdings in der Linux-Version nicht. Von den drei Testbegriffen fand das Wörterbuch processor und operating system auf Anhieb. Bei der harddisk kam prompt eine Meldung, die auf die falsche Schreibweise hinwies und einige Vorschläge aufführte. Darunter befand sich auch die hard disk.

Abb. 4: Das Longman-Wörterbuch verfügt über die meisten Funktionen. Bilder helfen zudem, Wörter schneller zu erkennen.

Das eigentliche Wörterbuch macht nur einen Teil des Longman-Dictionarys aus. Hinter den farbigen Schaltflächen Exercises und Activator verbergen sich viele nützliche Funktionen für Studierende und alle, die Englisch unterrichten: vom einfachen Lückentext (Abbildung 5) über das Hörtraining bis hin zu fertigen Prüfungen. Hinsichtlich der Nützlichkeit und Bedienbarkeit der Übungen hat die Langenscheidt-CD deutlich mehr zu bieten, als das Lingea-Wörterbuch.

Abb. 5: Übungen wie dieser Lückentext erweitern das aktive Vokabular auf spielerische Weise.
Englisch-Wörterbücher für Linux
Longman Dictionary of Contemporary EnglishGroßwörterbuch EnglischGroßwörterbuch Englisch
HerausgeberLangenscheidtDudenLingea/Collins
Umfang2 CDs1 CD1 CD
SprachenEnglisch-EnglischDeutsch-Englisch, Englisch-DeutschDeutsch-Englisch, Englisch-Deutsch
Stichwörter200 000300 000300 000
Übersetzungen-470 000500 000
Sprachbeispiele90 000-70 000
BesonderheitenÜbungen zum Hörverstehen, Lernblätter für LehrerListe der unregelmäßigen Verben (D,E)
Systemanforderungen400 MHz CPU, 128 MByte RAM400 MHz CPU, 128 MByte RAM400 MHz CPU, 128 MByte RAM
Betriebssysteme (laut Hersteller)Windows 98 bis XP, Mac OS 10.2 oder neuer, Red Hat 9, Mandriva 10.0, Suse Linux 9.1, Debian 3.0 oder neuerWindows 98 bis XP, Mac OS 10.2 oder neuer, Red Hat 9, Mandriva 10.0, Suse Linux 9.1, Debian 3.0 oder neuerWindows 9x-XP, Apple Mac OS 9 (Mac OS X auf Anfrage), Linux
Preis (ca.)Nur CDs: 25 Euro, Buch+CDs: 35 Euro50 Euro70 Euro
Homepage:http://www.langenscheidt.de/deutsch/testit/dce5/http://www.office-bibliothek.dehttp://www.lingea.de

Fazit

Für alle, die gerade Englisch lernen oder ihre Englischkentnisse auffrischen möchten, ist das Longman Dictionary of Contemporary English die beste Wahl. Es ist mit rund 25 Euro (nur CDs) nicht nur das günstigste der drei Nachschlagewerke, sondern bietet auch einen sehr großen Funktionsumfang und überzeugt durch die vielen Sprachbeispiele und Übungen. Das Duden-Nachschlagewerk eignet sich für alle, die ihre Englischkenntnisse nicht in erster Linie erweitern möchten, sondern einfach ein Wörterbuch brauchen. Durch die Office-Bibliothek lässt es sich zudem einfach um weitere Wörterbücher erweitern. Das Lingea-Wörterbuch ist nur bedingt zu empfehlen. Es bringt zwar auch viele Hörbeispiele mit, der Wortschatz und die grafische Oberfläche des Programms sind aber nicht mehr ganz up-to-date. Der hohe Preis im Vergleich zu den zwei CDs von Langenscheidt ist nicht gerechtfertigt. (mhi)

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