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Kristian Kißling
Ähnlich wie Knoppix und nicht aus reinem Zufall trägt auch Kanotix den Namen seines Schöpfers im Titel: Der heißt Jörg "Kano" Schirottke und entwickelte lange Zeit Knoppix mit. Irgendwann störten ihn aber die langen Pausen zwischen der Freigabe neuer Versionen und der gemächliche Patch-Nachschub, also gründete er einen Fork -- einen Ableger -- des Projekts. Im Gegensatz zu Knoppix läuft Kanotix erst mit Rechnern der i586er-Generation, die mindestens 128 MByte RAM mitbringen müssen.
Dafür -- und das ist der große Vorteil von Kanotix -- kennt es nicht nur sehr viel, sondern auch sehr aktuelle Hardware: Die Distribution unterstützt z. B. die Fritz! Card DSL und auch die berüchtigten Win-Modems. Die Konfiguration von Wireless-Karten gelingt mit den entsprechenden Kanotix-Tools ebenfalls leichter, zudem identifiziert die Distribution aufgrund der aktuellen Kernel-Version 2.6.16.16 eine größere Anzahl dieser Karten korrekt.
Kanotix installiert und konfiguriert seine Software über eine ganze Reihe von Skripten: An der Kommandozeile kommen Sie daher nicht vorbei, aber ein einfaches install-nvidia-debian.sh einzugeben, schaffen auch Einsteiger. Ein Wiki auf der Kanotix-Webseite erklärt Ihnen, wie Sie die einzelnen Komponenten fachgerecht einrichten, der Abschnitt InstallationNotes warnt Sie zudem vor Fallstricken während der Installation. Glücklicherweise handelt es sich bei Kanotix um eine Live-Distribution: Sie können diese Dinge also erstmal in Ruhe testen, bevor Sie den grafischen Installer benutzen, um die Distribution auf die Festplatte zu spielen.
Kanotix ist aktuell, weil es seine Pakete aus Debians "Unstable"-Zweig bezieht. Von Debian Linux gibt es immer drei rotierende Versionen: Eine stabile Version ("stable"), die keine kritischen Fehler enthält, eine Testversion ("testing"), die nach vielen Bugfixes die stabile Version ablöst und eine instabile Version ("unstable"), in die neueste Software einfließt. Der Vorteil dieser instabilen Version besteht darin, dass sie nicht nur die aktuellste Software enthält, sondern auch einen neuen Kernel, der Treiber für zeitgemäße Hardware mitbringt. Im Wort "unstable" klingt aber auch schon der Nachteil an: In dieser Version tummeln sich noch einige Bugs, mitunter auch solche, die ein Programm oder das komplette System zum Absturz bringen. Die Kanotix-Community reagiert auf dieses Problem, indem sie recht schnell Bugfixes veröffentlicht, den Kernel selbst gibt es in einer eigenen Kanotix-Version.
Das aktuelle CD-Image von Kanotix beherbergt die Webseite [1], es trägt den Namen Kanotix-2006-Easter-RC4.iso. Die Abkürzung RC4 steht für "Release Candidate", die Kanotix-Version befindet sich in der letzten Testphase kurz vor der offiziellen Freigabe.
Das Boot-Menü von Kanotix weicht etwas vom Gewohnten ab (Abbildung 1): Es enthält Einträge, über die Sie z. B. DMA und ACPI auszuschalten. DMA (Direct Memory Access) beschleunigt den Zugriff auf die Festplatte, führt mitunter aber auch dazu, dass Linux Laufwerke und Festplatten nicht mehr findet. ACPI (Advanced Configuration and Power Interface) nennt sich ein Standard für die Energieverwaltung von Computern. Er sorgt unter anderem dafür, dass Ihr Rechner sich selbstständig ausschaltet, wenn Sie ihn herunterfahren, bringt im ungünstigen Fall aber auch das System durcheinander. Treten also während der Installation oder im Betrieb Probleme auf, deaktivieren Sie beide Optionen.
Kanotix bringt ein aktuelles KDE 3.5.2 mit (Abbildung 2), Kword in der Version 1.5.0, Skype zum kostenlosen Telefonieren über Voice-over-IP sowie Amsn, um mit MSN-Nutzern aus der Windows-Welt zu chatten. Zahlreiche Multimediaprogramme wie Streamtuner, Xine, Vlc und Teclasat --mit dem Sie digitales Fernsehen empfangen -- ergänzen die Auswahl. Über Kpackage greifen Sie auf Debians Paketsystem Apt zu, mit dem Sie besonders einfach Ihre Software aktualisieren. Dank Hplip redet Kanotix auch mit Druckern und Scannern von Hewlett-Packard. Es bringt zudem das neue und noch umstrittene Dateisystem Reiser4 mit.
Alles in allem bekommen Sie mit der Software also eine brandaktuelle Linux-Distribution, die sehr viele Geräte unterstützt. Sie lässt sich nicht so einfach bedienen wie etwa Suse Linux oder Kubuntu und einzelne Programme laufen mitunter auch instabil. Aber gerade um zu testen, ob die eigene Hardware überhaupt unter Linux funktioniert, eignet sich Kanotix hervorragend. Mutigen hilft dann der grafische Installer beim zweiten Schritt: Einer Installation des System auf der eigenen Festplatte. (kki)
| Infos |
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[1] Kanotix Webseite mit Download-Link: http://kanotix.com
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Last modified: 2008-11-05 17:02
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