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Thomas Leichtenstern
Seit einigen Jahren macht der aus Corel Linux hervorgegangene Hersteller Xandros (Abbildung 1) durch optisch und technisch an Windows angelehnte Distributionen auf sich aufmerksam. Die Entwickler setzten als Grundlage auf Debian, wovon der Anwender allerdings nichts mitbekommt, da sowohl die Installationsroutine als auch die Verwaltungseinheit großteils auf Eigenentwicklungen basieren.
Der aktuellen Premium-Version 4.0 spendierten die Hersteller nicht nur das Migrations-Tool Versora sondern auch den NTFS-Treiber von Paragon, der neben lesenden auch schreibende Zugriffe auf das Windows-Dateisystem ermöglichen soll. Ebenfalls mit dabei ist die neue Version von Code Weaves CrossOver Office 5.0.3. Da zur Drucklegung die deutsche Fassung noch nicht fertig war, stellte sich die englischsprachige dem Kurztest.
Neben einem etwa 350 Seiten starken Benutzerhandbuch enthält die Premium-Box die Installations-CD, eine zusätzliche Applikations-CD und das Migrations-Tool Versora auf einem eigenen Datenträger. Die deutsche Version von Xandros 4 soll voraussichtlich im Oktober bis November diesen Jahres auf dem Markt erscheinen; der Preis bewegt sich mit etwa 80 Euro für die Premium Edition auf dem Niveau der Vorgängerversion. Die abgespeckte Home-Variante kostet ungefähr 40 Euro, ist jedoch wegen ihrer wesentlich geringeren Software-Ausstattung nicht wirklich empfehlenswert.
Das erklärte Ziel, dem Anwender einen unkomplizierten Umstieg von Windows zu Linux zu ermöglichen, zeigt sich in vielen Details: Der Datei-Browser sieht nicht nur so aus wie der von Windows, er verhält sich auch ähnlich. So spielt das Kontextmenü (rechte Maustaste) bei der Arbeit mit Verzeichnissen und Dateien eine erheblich größere Rolle als beispielsweise mit Konqueror. Sie geben darüber nicht nur mit wenigen Mausklick Dateien und Verzeichnisse im Netzwerk (wahlweise SMB oder NFS) frei, sondern merken diese auch für das Brennen auf CD vor. Windows-Dateisysteme versieht der Datei-Explorer mit einem Laufwerksbuchstaben.
Damit Sie nicht auf die gewohnten Windows-Applikationen verzichten müssen, enthält die Distribution den auf Wine basierenden Emulator CrossOver Office [2], der vielen Applikationen wie Photoshop 7, diversen Microsoft-Office-Produkten oder dem Windows Media Player 6.4 ein neues Zuhause bietet.
Das Migrations-Tool Versora [3] sorgt für einen reibungslosen Umzug der gewohnten Windows-Umgebung, indem es sowohl Nachrichten diverser Mail-Clients wie Outlook als auch Bookmarks vom Internet Explorer und Firefox in ein Linux-kompatibles Format konvertiert. Auch den Umzug der eigenen Dateien, der Systemklänge und des Themes beherrscht das Tool.
Wer auch zukünftig nicht auf Windows verzichten möchte, dem bietet der kommerzielle Paragon-Treiber [4] lesenden und schreibenden Zugriff auf seine NTFS-Partitionen. Im Test konnte dieser jedoch nur zum Teil überzeugen. Beim ersten Versuch weigerte sich Windows mit einer Fehlermeldung, das unter Linux kopierte Verzeichnis zu öffnen. Die Wiederholung mit einem anderen Ordnern klappte nach einem vorangegangenen Checkdisk, der erste Ordner war jedoch komplett verschwunden.
Zur Unterstützung der Hardware bringt Xandros nicht nur die offenen sondern auch proprietäre Treiber, beispielsweise für ATI, Nvidia und Fritz. Auch multimedial zeigt sich die Distribution von ihrer besten Seite. Der Lame-Encoder spielt nicht nur Dateien im MP3-Format ab, sondern konvertiert auch CDs in dieses.
Die dem Microsoft Sicherheits-Center nachempfundene Xandros Security Suite enthält neben dem beinahe obligatorischen Virenscanner die Konfigurationsoberfläche der Firewall, den so genannten System File Protektor und Xandros Networks, die auch für die Updates zuständige Paketverwaltung. Auch wenn die Security Suite optisch einiges bietet, überzeugt die Technik, die dahintersteckt, nicht wirklich durch Innovation.
Der Virenscanner basiert auf dem freien GPL-Projekt CLamAV, das in der Vergangenheit durch eine geringe Trefferquote auf sich Aufmerksam gemacht hat. Da es bislang jedoch keine Viren für Linux gibt, schützt dieser höchstens mit Xandros kommunizierende Windows-Systeme vor einer Infektion, beispielsweise durch Makros in Office-Dokumenten.
Die auf dem Paketfilter IPtables basierende Benutzeroberfläche der Firewall glänzt zwar mit einem Wizard zum Freigeben ein- und ausgehender Ports, jedoch fehlt ein interaktiver Modus (Pop-up), der Verbindungsversuche erkennt und meldet. Im schlimmsten Fall führt das dazu, dass der Anwender bestimmte Dienste nicht nutzen kann, weil er nicht weiss, dass die Firewall diese blockiert.
Auch der System File Protector bedient sich des altbekannten Programmes chkrootkit, dessen Aufgabe darin besteht, Backdoors und Rootkits zu erkennen, indem es MD5-Summen der Systemdateien erstellt und in einer Datenbank hinterlegt. Beim Prüfen vergleicht es die Signaturen gegen die hinterlegten. Diese Verfahrensweise schützt aber nicht gegen die fortschrittlicheren Techniken moderner Kernel Root Kits.
Wirklich problematisch wird es jedoch bei den Updates, da auch hoch kritische Bugfixes nur registrierten Benutzern zur Verfügung stehen. Im Hinblick darauf, dass verwundbare Programme nicht nur den betroffenen, sondern potentiell auch andere Rechner im Netz gefährden, eine inakzeptable Einschränkung, vor der allerdings auch große Anbieter wie Suse/Novell und Red Hat bei ihren Enterprise-Produkten nicht halt machen. Alles in allem erinnert die Suite eher an einen Marketing-Gag, als an ein sinnvolles Instrument zum Schutz des Anwenders.
Im krassen Gegensatz zu dieser vorgegaukelten Sicherheit stehen dagegen Features, die ein echtes Gefahrenpotential enthalten. So erlaubt das Windows Sharing des Xandros Dateibrowsers zwar das bequeme Freigeben von Dateien und Verzeichnissen im Netz, jedoch verrät erst der Klick auf den Button Permissions.. (Abbildung 2), dass diese Freigabe in der Grundeinstellung ohne Einschränkungen (jeder Nutzer besitzt Lese- und Schreibrechte) erfolgt.
Einen weiteren zentralen Bestandteil der Distribution stellt die an Synaptik erinnernde Paketverwaltung Xandros Network dar. Bevor Sie damit jedoch zusätzliche Software installieren dürfen, müssen Sie sich zuerst registrieren. Wie sich herausstellte, ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Intuitiv gab der Tester bei der Abfrage des Activation Code die der Box beigelgete Seriennummer ein um festzustellen, dass die Registrierung damit fehl schlug. Erst ein Anruf beim Support brachte Licht ins Dunkel: Zunächst gilt es, über die Webseite von Xandros einen Account einzurichten und sich danach dort einzuloggen. Im Feld Serial Number tippen Sie dann die der Box beigelegte Seriennummer ein, worauf hin Ihnen der Aktivierungs-Code via E-Mail zugestellt wird.
Ist diese Hürde genommen, gestaltet sich die Installation neuer Software sowie das Update des Systems Debian-typisch unkompliziert. Abhängigkeiten löst das Programm selbständig auf, die Paketliste eingetragener Repositories wird regelmäßig aktualisiert.
Xandros bietet gerade Umsteigern aus der Windows-Welt eine Arbeitsumgebung, in der diese sich im Nu zurechtfinden. Zum einen sorgt der kommerzielle Treiber von Paragon dafür, dass Sie im Dualbetrieb NTFS-Dateisysteme lesend und schreibend erreichen, zum anderen bereitet die der Box beiliegende Software Versora Windows-Dateien und Einstellungen für den Umzug auf Xandros vor.
Im Bezug auf die dem Windows Sicherheits-Center nachempfundene Xandros Security Suite schossen die Entwickler jedoch erheblich am Ziel vorbei. Dessen Existenzberechtigung erschließt sich auch beim dritten Blick nicht wirklich, und wirkt eher als Gimmick denn als sinnvolles Feature.
Der voraussichtliche Preis von etwa 80 Euro ist in Anbetracht dessen, dass die enthaltene kommerzielle Software alleine schon mehr kostet nicht zu hoch gegriffen. (tle)
| Infos |
|
[1] Xandros: http://de.xandros.com
[2] CrossOver Office: http://www.codeweavers.com [3] Versora: http://www.versora.com [4] Paragon: http://www.ntfs-linux.de |
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Last modified: 2008-11-05 17:02
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