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Erschienen in EasyLinux 09/2006   »   Ausgabe bestellen

Suse vorkon aus dem Millin-Verlag im Test

Mit Nachschlag, bitte!


Der Millin-Verlag hat eine Suse-DVD geschnürt, die zusätzliche Treiber und die gängigste proprietäre Software beinhaltet. Außerdem verspricht sie speziell vorkonfigurierte Softwarepakete zum sofortigen Start in das Linux-Vergnügen.

Mirko Albrecht

Suse Linux erfreut sich nicht zuletzt bei Neueinsteigern großer Beliebtheit. Der Buchverlag Millin hat eine eigene DVD zusammengestellt, welche neben der aktuellen Distribution Suse Linux 10.1 OSS vorkonfigurierte Software, proprietäre Tools sowie ein deutlich erweitertes Treiberangebot bereithält.

Das Angebot richtet sich in erster Linie an Benutzer, die flott ein funktionierendes System aufsetzen wollen, ohne die bei OpenSuse gestrichenen, proprietären Anteile erst lange im Internet zu suchen. Wer bereit ist, für diese zeitsparende DVD rund 20 Euro zu berappen, sollte aber vorher unbedingt den kleingedruckten Text neben dem Strichcode lesen: Hier lehnt der Verlag Millin jeglichen Support für sein Produkt ab und erklärt außerdem, dass die DVD keine 64-Bit-Variante der OpenSuse-Distribution enthält.


proprietär: (lat. proprius: eigen) bezeichnet im Zusammenhang mit Software Programme, die unter keiner freien Lizenz stehen, sondern ihren Quellcode geschlossen halten. Nicht zu verwechseln mit der juristischen Bedeutung von proprietär, wo es "urheberrechtlich geschützt" bedeutet. Software kann urheberrechtlich geschützt sein und trotzdem einen offenen Quellcode (z. B. GPL) haben, also nicht-proprietär sein.

DVD-Inhalt Suse vorkon im Überblick
HardwareTreiber
3D-GrafikNVidia, ATI
InternetTreiber für Hardware der Firma AVM
WLANMadwifi (Atheros), Ralink Rt2500, Ndiswrapper (für Win-Treiber)
Infrarotlirc-kmp
Hauppauge-Karten PVR 150/250/350/500ivtv-kmp
USBVision-Videokarten für Zoran und Nogatechusbvision-kmp
Zapata Telephony Interfacezapatel
Logitech USB QuickCamquickcam-kmp
HP/Compaq-Notebooksomnibook-kmp
Software von Drittanbietern
ProgrammBeschreibung
Adobe Acrobat Reader 7.0PDF-Viewer
Adobe ICC ProfileICC-Profile für Farbmanagementsysteme
Macromedia Flash Player 7Plugin für Browser
Java JRELaufzeitumgebung für Java-Software/Browser-Plugin
MoneyplexFinanzverwaltungssoftware
PrOOo-BoxErweiterungen zu OpenOffice.org
RealplayerMedien-Player für viele Formate
Vorkonfigurierte Software
ProgrammBeschreibung
eGroupWareGroupware-Server
FlightgearFreier Flugsimulator
Gallery2PHP-basierte Webgalerie
JoomlaCMS für kleine bis mittlere Web-Auftritte
Typo3CMS für mittlere bis große Web-Auftritte
MediawikiCMS, auf dem auch Wikipedia aufbaut
MoodleVerwaltungsprogramm für Kurse
SerendipityBlog-Software
NagiosNetzwerkmonitoring
phpBBForen-Software
NvuWYSIWYG-HTML-Editor
ODBCDatenbankschnittstelle
QpsGUI für das Kommando ps

Um es gleich vorweg zu nehmen: Einsteiger, wie auch erfahrene Benutzer sollten die DVD zuerst einlegen und die Datei index.html öffnen, um sich einen Überblick zum genauen Inhalt der DVD zu verschaffen. Dazu reicht unter KDE ein Klick auf das DVD-Symbol oder die Eingabe der Adresse /media/SU101_001 im Konqueror.

Der Blick in die Dokumentation lohnt zwar auch nach der Grundinstallation von Suse Linux. Doch wer zuerst schaut, spart sich den vergeblichen Versuch, beim ersten Aufspielen des Systems die beworbenen vorkonfigurierten Anwendungen und Zusatztools gleich mitinstallieren zu wollen. Dies ist erst nach der Grundinstallation möglich.

Einsteiger sollten in jedem Fall einen Blick in den Unterpunkt Installation SUSE Linux werfen: Dahinter verbergen sich Links zu den entsprechen Installationshilfen für Suse Linux 10.1 OSS, die sich nur auf der DVD befinden. Ein gedrucktes Handbuch liefert der Verlag nicht mit.

Abb. 1: Es lohnt sich, zuerst einen Blick in die Dokumentation zu werfen, die auf der Startseite der DVD verlinkt ist.

Die DVD unterteilt sich in fünf Bereiche, welche allesamt einleitende und erklärende Texte des Millin-Verlages enthalten:

Die Installation des Grundsystems ist in den verlinkten Handbüchern sehr gut beschrieben, so dass dieser Artikel ein fehlerfrei installiertes Suse Linux 10.1 OSS voraussetzt. Das Einspielen der zusätzlichen Software gelingt im Anschluss an die folgenden Schritte:

  1. Mounten Sie die DVD.
  1. Öffnen Sie nun das Konfigurationstool YaST, indem Sie die Tasten [Alt-F2] drücken und yast eingeben.
  1. Geben Sie das root-Passwort ein.
  1. Klicken Sie in der Rubrik Software auf den Menüpunkt Installationsquelle wechseln.
  1. Fügen Sie die lokale Installationsquelle /media/SU101_001/addon/ über Hinzufügen / lokales Verzeichnis ein und aktivieren Sie diese gegebenenfalls (Abbildung 2).

Nun sollte unter YaST die zusätzliche Software gewohnt einfach zur Verfügung stehen.

Abb. 2: Fügen Sie im YaST-Modul den DVD-Ordner addon als Installationsquelle hinzu, um das erweiterte Software-Angebot zu nutzen.

Gerätetreiber

Einige Links verweisen nicht nur auf die beiliegenden Handbücher, die bei Problemen mit den mitgelieferten Treibern helfen, sondern liefern auf gleich eine Seite mit den entsprechenden Dateinamen. Direkte Links zu den RPM-Paketen fehlen jedoch, weswegen zur Installation wieder das Setup-Programm YaST in gewohnter Weise zum Einsatz kommt.

Eine genauere Beschreibung der Treiberinstallation findet sich nur für die Grafiktreiber von ATI und NVidia. Diese orientiert sich an der im Internet auffindbaren Informationslage. Alle anderen Treiber liegen als leicht zu installierende RPM-Pakete bereit, die Sie mit YaST einspielen. Vorsicht ist aber bei den verschiedenen Versionen einiger Treiber geboten, die vom installierten Kernel (bigsmp, debug, default, smp, xen) abhängen. Hier gilt es das passende Kernel-Modul auszuwählen.

Informationen über den installierten Kernel finden sich im K-Menü unter dem Punkt Persönliche Einstellungen. In der Regel passt der Treiber mit Namensbestandteil default. Eine Liste der unterstützten Geräte findet sich in der Tabelle "DVD-Inhalt Suse vorkon im Überblick". Ärgerlich ist allerdings die vergebliche Suche nach der weit verbreiteten IPW-Firmware für die WLAN-Module der Intel-Centrino-Technologie: Diese erreicht man nur über die externe Installationsquelle non-oss-inst-source [2]. Wie Sie diese in YaST einrichten, erfahren Sie unter [3].

Software von Drittanbietern

Unter der Rubrik Software Drittanbieter verbergen sich all jene Programme, die keinen Einzug mehr in die OSS-Version von Suse Linux hielten. Fast alle sind in einer leicht veralteten Version auf der DVD verfügbar. Allerdings stehen die meisten Pakete dieser Rubrik ebenfalls in der externen Installationsquelle non-oss-inst-source [2] bereit. Als echtes Highlight hat der Verlag ICC-Profile von Adobe für das Farbmanagement von Cinepaint und Scribus sowie die kommerzielle Finanzsoftware Moneyplex in einer vollwertigen Einzelplatzversion beigelegt.

Eine weitere Downloadersparnis, die das DVD-Cover gar nicht bewirbt, stellt die Kopie der PrOOo-Box-CD dar. Hierbei handelt es sich um die Bürosuite OpenOffice in der Version 2.0.2 mit zahlreichen Extras. So bietet die DVD zusätzlich nützliche Makros, Vorlagen, Schriftarten, Cliparts und vieles mehr an. Einen Überblick zur PrOOo-Box mit Installationshilfen bietet die passende HTML-Dokumentation auf dem Datenträger, die sich aber auch im Internet findet [4].

Abb. 3: Durch die Integration der PrOOo-Box-Software stellt OpenOffice unter anderem deutlich mehr Vorlagen zur Verfügung.

Vorkonfigurierte Anwendungen

Das eigentliche Herzstück der Distribution bilden die vorkonfigurierten Anwendungen: Hierbei handelt es sich überwiegend um so genannte LAMP-Software, wie das Forenprogramm phpBB oder die Content-Management-Systeme (CMS) Joomla (ehemals Mambo) und Typo3. Die DVD bietet zu jeder Software einen einleitenden Text und den Hinweis auf die vorliegenden, überwiegend deutschsprachigen Dokumentationen.

Etwas unglücklich unter der Rubrik Installation SUSE Linux versteckt, finden sich zudem wichtige Informationen zum erfolgreichen Betreiben solcher Netzwerkanwendungen im Zusammenspiel mit einer MySQL-Datenbank. Suse vorkon geht von einem neuen System aus, bei dem das Administratorpasswort für den MySQL-Server noch nicht gesetzt ist. Ansonsten scheitert bereits die Installation der Pakete.

So erfordert zum Beipsiel das Testen des CMS-Systems Joomla das Sie das Datenbankpasswort manipulieren, was aber voraussetzt, dass Sie auf der Konsole arbeiten. Das ist eigentlich für ein Produkt mit sauber vorkonfigurierten Anwendungen nicht wünschenswert.

Um Joomla oder ähnliche Anwendungen einmal auszuprobieren oder auch im übersichtlichen, lokalen Netz zu betreiben, bedarf es dank Suse vorkon kaum des Studiums der ansonsten unentbehrlichen Anleitungen. Kommt die PHP-Software der Vorkon-Pakete nur auf dem heimischen Rechner oder im kleinen privaten Netzwerk zum Einsatz, muss eine Firewall Anfragen von außen an den Port 80 (Webserver Apache) ablehnen. Ein Howto zu Firewall-Regeln finden sie in der letzten Ausgabe [7].

Die hier verwendete Version 1.0.8 gilt wegen zahlreicher Sicherheitslücken als hochgradig unsicher. Ein Update auf die aktuelle Version Joomla 1.0.11 ist also dringend angeraten, wenn das Programm vom Internet erreichbar wäre. In diesem Fall lesen Sie auch ein die entsprechenden Handbücher.

Abb. 4: Durch die Wahl der neuen Installationsquelle stehen in YaST die neuen Softwarepakete bereit. Abhängigkeiten zu anderen Paketen löst das System automatisch auf.

Die Vorkon-Programme aus dem LAMP-Bereich sind kinderleicht zu installieren und im heimischen Netz anzuwenden. Fehlende Software zur LAMP-Konfiguration zieht das System automatisch nach und sorgt sich auch um die korrekte Konfiguration der Pakete auf dem persönlichen Server. Um die Anwendungen aber sicher im Internet zu betreiben, ist -- wie beschrieben -- stets Mehraufwand und das Studium der Handbücher zwingend notwendig. In dem Fall verpufft der Zeitspareffekt durch die DVD.

Abb. 5: Gleich nach der Installation kann man CMS-Anwendungen und andere Webdienste über den Browser nutzen.

Für spielfreudige Computerbenutzer ohne Flugangst hat Suse vorkon den 3D-Flugsimulator Flightgear mit dazu gepackt. Die Distribution enthält neben einer Reihe von Objekten auch die Szenerie von Europa. Wie jedoch bei einigen Vorkon-PHP-Anwendungen verweist der Verlag auch hier darauf, dass es wegen der vielen Parameter nicht möglich sei, eine zufriedenstellende Voreinstellung mitzuliefern. Leider ist für Flightgear nur englischsprachige Dokumentation verfügbar.

Dokumentation

Obwohl dem Produkt kein gedrucktes Handbuch beiliegt, ist die Ansammlung der deutschsprachigen Dokumente eine wahre Fundgrube: Jede der beiliegende Anwendungen verweist auf ihr eigenes Handbuch. Neben den Standardhandbüchern zur Installation und Administration von Suse Linux gibt es grundlegende Informationen zu Linux bis hin zu einer Vorbereitung auf die LPI-Prüfung.


LPI: Abkürzung für Linux Professional Institute. Ein professionelles und von Softwarefirmen unabhängiges Zertifizierungsprogramm rund um die Systemadministration von Linux.

Fazit

Die vom Millin-Verlag hergestellte Suse-Linux-Ausgabe macht insgesamt einen guten Eindruck. Wer eine einfach zu handhabende Distribution erwartet und kaum Möglichkeiten zu langen Downloads und ausschweifenden Internetrecherchen hat, ist mit dem Produkt sehr gut bedient.

Die Einführungstexte des Verlags sind leicht zu verstehen und nachzuvollziehen. Weiterführende Informationen finden sich stets in den zahlreiche beiliegenden Handbüchern. Den Linux-Neuling könnten die Vielzahl an Sprüngen in verschiedene Texte, teils in HTML, teils als PDF-Datei, allerdings schnell verwirren.

Ausgehend von der Annahme, dass die Zielgruppe einer vorkonfigurierten Suse-Distribution wahrscheinlich Einsteiger sind, ist die Programmauswahl allerdings kaum nachzuvollziehen. Nur wenige Linux-Einsteiger dürften sich mit dem Aufbau einer Foren-Software im kleinen Heimnetz auseinandersetzen.

Positiv ist aber zu beurteilen, dass das System niemanden zum Kompilieren von eigenen Kernelmodulen zwingt. Wo dies notwendig ist, hält Suse vorkon ein leicht zu installierendes RPM-Paket bereit, das Treibermodule per Skript baut. Schöner wäre es allerdings, wenn diese Pakete bereits bei der Erstinstallation zur Verfügung ständen. (agr)

Infos
[1] OpenSuse: http://de.opensuse.org
[2] Installationsquelle non-oss-inst-source: http://download.opensuse.org/distribution/SL-10.1/
[3] Paketquellen in YaST einfügen: http://de.opensuse.org/Paketquellen_als_YaST-Installationsquellen_einbinden
[4] PrOOo-Box: http://www.prooo-box.org
[5] Millin-Verlag: http://www.millin.de
[6] Wikipedia: http://de.wikipedia.org
[7] Marcel Hilzinger, Peter Kreußel: "Äußerer Verteidigungsring", EasyLinux 08/2006; S.22 ff.-- auf der Jahres-CD

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