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Erschienen in EasyLinux 01/2007   »   Ausgabe bestellen

Ausblick auf die kommende KDE-Version

Großbaustelle


Das KDE-Projekt hat den zweite Entwickler-Snapshot von KDE 4 veröffentlicht. EasyLinux hat einen Blick darauf geworfen und zeigt außerdem, wie die neue KDE-Version aussehen soll.

Daniel Molkentin

Nach über einem Jahr Vorbereitungszeit haben die KDE-Entwickler im Herbst 2006 zum ersten Mal eine Vorabversion von KDE 4 veröffentlicht. Dieser so genannte Snapshot ist in erster Linie für Entwickler gedacht, die ihre Programme an KDE 4 anpassen möchten. Für Suse Linux und Kubuntu stehen jedoch auch fertige Pakete zum Download bereit. So kann sich jeder ein Bild des kommenden Desktops machen.

Keine Überraschung

Testen Sie eine aktuelle KDE-4-Vorabversion, werden Sie vermutlich vom Anblick enttäuscht sein. Mit Ausnahme des Begrüssungsbildschirms, der ein Foto der Teilnehmer der letzten KDE-Konferenz in Dublin zeigt, unterscheidet sich KDE 4 optisch kaum von seinem Vorgänger. Allenfalls die größeren Schaltflächen fallen auf. Beim aktuellen KDE-4-Snapshot hat sich vor allem unter der Haube viel geändert. Hier haben die Entwickler zahlreiche neue Technologien eingebaut.

Eine davon ist Solid, die Hardware-Programmierschnittstelle (API) von KDE 4. Sie teil den KDE-Programmen mit, welche Hardware sich im Rechner befindet, und welche Programme darauf zugreifen können. Schon heute erkennt KDE 3 einfügte Medien wie CDs, DVDs oder USB-Speichermedien automatisch und bietet entsprechende Möglichkeiten zu ihrer Nutzung an. KDE 4 soll hier noch effizienter arbeiten. So integriert Solid zum Beispiel auch den von Novell ins Leben gerufenen Network-Manager. KDE-4-Anwendungen können sich so über den aktuellen Zustand der Internetverbindung informieren und entsprechend reagieren.

KDE-3-Programme benutzen für die Kommunikation untereinander das Desktop Communications Protokoll (DCOP), die Systemdienste benachrichtigen sie über das Nachrichtenprotokoll DBUS von Freedesktop.org. KDE 4 schafft nun reinen Tisch und setzt vollkommen auf DBUS. Der Vorteil dieser Änderung besteht darin, dass so auch Programme, die nicht zu KDE 4 gehören, mit KDE-4-Anwendungen kommunizieren können. KDE 4 ist der erste Desktop, der vollständig auf dem neuen DBUS-Protokoll basiert. Es steht zu hoffen, dass auch andere Anwendungen DBUS als Standard verwenden.

Hast du Töne?

Eine weitere Neuerung unter der Haube betrifft das Soundsystem. Mit Phonon wollen die Entwickler Probleme mit Audio und Video aus der KDE-Welt schaffen. Unter Linux existieren verschiedene Projekte die verschiedene Audio- und Videoformate dekodieren können. Sie stellen so genannte Backends zur Verfügung. Die prominentesten Vertreter sind derzeit die Xine-Bibliothek, GStreamer sowie die Helix-Bibliothek des RealPlayers. Kaffeine, Amarok und andere KDE-Multimediaprogramme benutzen in Version 3 jeweils eines dieser Backends. Zusätzlich kommt in KDE 3 der Sounddienst aRts (analog realtime synthesizer) zum Einsatz. Er soll die Soundausgabe verschiedener Programme kontrollieren und standardisieren. Doch aRts wird von vielen KDE-Benutzern als notorischer Störenfried verschrieen, da er mit Vorliebe die Soundausgabe blockiert, anstatt diese zu koordinieren. Dies veranlasste beispielsweise die Suse-Entwickler dazu, die aRts-Unterstützung komplett aus ihren KDE 3.5-Paketen zu verbannen und statt dessen eine Vorgängerimplementierung von Phonon einzubauen.

Phonon löst das Problem, indem es KDE-Anwendungen eine Schnittstelle anbietet, die unabhängig von dem auf dem System verwendeten Backend funktioniert. Der Distributor kann dann ein Backend seiner Wahl voreinstellen. Der Benutzer merkt im Idealfall nichts, kann aber bei Bedarf auch das bevorzugte Backend ändern. Somit sollen Sound-Probleme und aus aRts-Zeiten der endgültig Vergangenheit angehören. Auch Verzögerungen beim Abspielen von Videos sind mit KDE 4 passé. Die meisten Multimedia-Anwendungen, darunter auch die KDE-Jukebox JuK, sind bereits auf Phonon portiert.

In der Werkstatt

Für das Aussehen des Desktop ist unter KDE 3 das Programm KDesktop zuständig. In KDE 4 soll Plasma diese Aufgabe übernehmen. Plasma zeichnet in erster Linie die Symbole auf dem Desktop und auf der Kontrollleiste. Dazu benutzt es wahlweise sso genannteApplets (auch Widget genannt). Der Clou dieser Applets: Sie können in JavaScript, Python oder Ruby programmiert werden. Bisher mussten Entwickler die Programmiersprache C++ beherrschen, um neue Desktop-Elemente anzulegen.

Das K-Menü soll von einem Plasma-Element namens Raptor abgelöst werden, das jedoch zu RRedaktionsschlussebenfalls noch nicht funktionsfähig war. Als wahrscheinlich gilt, dass es Anleihen bei Kickoff, dem neuen K-Menü von OpenSuse 10.2, sowie beim KBFX-Projekt (Abbildung 1) holt.

Abb. 1: KBFX ist ein Vorbild für das neue Startmenü Raptor von KDE 4.

Ganz neuer Wind soll künftig auch in Sachen Icons herrschen: Während Symbole in KDE 3 im Comic-Stil daherkommen, setzt das Oxygen betitelte Icon-Theme auf dezente Farben und Elemente. Es soll dem Benutzer durch eine klare Farbgebung helfen, Dateien schneller als bisher zu erkennen (Abbildung 2). Die Symbole für die Hardware sollen realistischer aussehen mit nahezu photorealistischen Details. Als eine der ersten Anwendungen benutzt das Spiel KAtomic das Oxygen-Design, andere Programme sollen folgen.

Abb. 2: Erste Spiele unter KDE 4 präsentieren sich im Oxygen-Look.

Neue Programme

Neben Modifikationen von bestehenden Programmen bietet KDE 4 auch eine Reihe neuer Anwendungen. Ein Beispiel dafür ist Okular. Das Programm ist der Nachfolger des PDF-Betrachters KPDF. Im Unterschied zur KPDF zeigt es unter anderem auch DVI-, Postscript-, und Windows Hilfedateien sowie TIFF- und G3-Fax-Dateien. Okular macht damit aus KPDF, KGhostview und KDVI eine Anwendung.

In Zeiten von Google Earth darf natürlich auch ein zeitgemäßer Geobetrachter nicht fehlen. Deswegen verfügt KDE 4 über Marble (Abbildung 3), eine Komponente, die die Visualisierung von PPunktenauf der Weltkugel ermöglicht. Da Marble auch ohne 3D-Beschleunigung läuft, ist es mehr als eine bloße Alternative zu Google Earth. Das anfänglich mitgelieferte Kartenmaterial ist zwar nicht sehr hochauflösend, es lässt sich jedoch beliebig verfeinern. Zudem versteht Marble einen Großteil des XML-basierten KML-Formates, dass auch Google-Earth verwendet. Die aktuelle KDE-Version bringt bereits eine Testanwendung mit, die einen Eindruck von Marble vermittelt.

Abb. 3: Der Marble-Globus funktioniert auch ohne 3D-Beschleunigung.

Eines der sspannendstenFeature von KDE 4 ist im aktuellen Snapshot noch nicht enthalten: Das von der EU geförderte Nepumuk-Projekt soll KDE in einem semantischen DDesktopverwandeln, bei dem Benutzer Daten leicht wiederfinden und ihre Herkunft nachvollziehen können. Mit Nepumuk ist es zum Beispiel möglich, Dateien aus E-Mail Anhängen wiederzufinden nachzuvollziehen, aus welcher E-Mail-Kommunikation eine Datei entstammt. Bislang geht diese Verknüpfung mit dem Abspeichern der Datei verloren. Die Hauptarbeit an der neuen Suchmaschine übernimmt KDE-Entwickler Sebastian Trüg, der sich bereits als Autor des Brennprogrammes K3b einen Namen gemacht hat. Er ist beim französischen Distributor Mandriva vollzeit für Nepumuk und K3b angestellt.

Konqis Erben

Über die Zukunft des KDE-Browsers Konqueror ist bislang nnichtdas letzte Wort gesprochen. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass die KDE-Entwickler die Funktionalitäten Dateibrowser und Webbrowser trennen werden, um die Dateibrowser-Komponente besser auf die Navigation im DDateisystemoptimieren zu können. Experimente in dieser Hinsicht finden mit dem Dateimanager Dolphin statt (Abbildung 4).

Abb. 4: Mit dem Dateimanager Dolphin starten die KDE-Entwickler einen Versuchsballon für bessere Dateisystemnavigation.

Auch bei der Webbrowsing-Komponente steht eine spannende Entscheidung an. Apple hat bekanntlich für seinen Browser Safari zentrale Funktionen aus KDE 3 übernommen und diesen Code als eigenes Projekt unter dem Namen Webkit veröffentlicht. An Webkit begannen auch andere nnamhafteHersteller wie Nokia und Adobe mitzustricken. Aus diesem Grund überlegen einige KDE-Entwickler, in Konqueror WebKit als KHTML-Ersatz zu benutzen. Mit dem Unity-Projekt, dessen Code bereits in die Quellcode-Verwaltung von WebKit eingeflossen ist, scheint dies erstmals möglich. Vor diesem Umstieg will sich das KDE-Projekt aallerdingsvon Apple die Zusicherung einholen, als gleichgestellter Partner an Webkit arbeiten zu können. Anderenfalls setzen die Entwickler lieber auf KHTML.

Fazit

KDE 4 gleicht derzeit noch einer Großbaustelle, die jedoch bereits über ein solides Fundament verfügt. Die zeitintensiven Arbeiten an DBUS, Solid und Phonon erscheinen als iingenieurmäßigsinnvolle Entscheidung. Für die schnelle Effekthascherei ist KDE 4 indes bislang nicht zu haben. Man darf gespannt sein, wann Plasma & Co. die Bühne betreten werden. Das Projekt hat bislang auch keinen offiziellen Zeitplan herausgegeben. Bis zur finalen Version dürften noch einige Monate vergehen -- bis dahin heißt es gespannt sein. (mhi)

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