claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux Ubuntu User International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 01/2007   »   Ausgabe bestellen

Alleskönner Amarok

Wer mit dem Wolf hört

Kristian Kißling


Amarok hat das Zeug zu einer Killer-Applikation: Der Audio-Player spielt lokale Musiksammlungen, Internetradios, synchronisiert mit dem iPod, nutzt Last.fm und läuft nur unter Linux.

Das Wort Amarok entstammt der Inuit-Sprache und steht für Wolf. Seinen Namen verdankt die Software aber angeblich einem gleichnamigen Song von Mike Oldfield. Der Player gehört zum besten, was Linux in dem Bereich bietet. Er läuft unter KDE, funktioniert aber auch mit anderen X-basierten Windowmanagern wie Gnome und Xfce4, da er lediglich die KDE-Bibliotheken braucht. Amarok [1] spielt die Musik nicht selbst, sondern setzt dazu wahlweise auf Xine, Helix oder NMM -- das legen Sie selbst fest. Er verwaltet die Musiksammlungen über Datenbanken wie SQLite, MySQL oder PostgreSQL und greift so zügig auf große Playlists zu. Der Wolf glänzt mit zahlreichen nützlichen Ideen: Er zeigt die passenden Texte zu den Stücken an, sucht in der Wikipedia nach Informationen zum laufenden Song, brennt Tracks über K3b auf eine Audio-CD. Spätestens seit Version 1.4.3 tauscht die Software auch problemlos Dateien mit externen Geräten wie dem iPod aus.

Der sich den Wolf installiert

Zu den glücklichen Gewinnern gehören momentan die Benutzer von Mandriva Linux 2007. Die aktuelle Distribution bringt Amarok bereits in der Version 1.4.3 mit. Die brandneue Version 1.4.4 befindet sich auf der Heft-DVD, dort finden Sie auch eine Installationsanleitung.

Freunde von Kubuntu 6.06 installieren über Adept die Amarok-Version 1.4.3 von der Heft-DVD, die alle notwendigen Dateien mitbringt.

Nutzer von Suse Linux 10.0/10.1 deinstallieren zunächst die vorhandenen Pakete amarok, amarok-xine, amarok-libvisual, libvisual, libvisual-plugins und libtunepimp und binden dann über YaST eine neue externe Paketquelle ein. Wie das geht, erklärt die Anleitung auf der Heft-DVD, auf der sich auch aktuelle Amarok-Pakete befinden. Software, die sich aus rechtlichen Gründen nicht auf der Heft-DVD befindet, lädt YaST automatisch von der externen Paketquelle herunter. Starten Sie dazu YaST und installieren Sie die Pakete amarok, libtunepimp, streamripper sowie amarok-libvisual.

Fütterungszeit

Sie füttern den Wolf, indem Sie [Alt-F2] drücken und amarok eingeben. Unter Suse 10.0/10.1 begrüßt Sie zunächst ein Assistent, über den Sie Amarok die Ordner mit Ihren Musikdateien zeigen. Erscheint kein Assistent, konfigurieren Sie Amarok später über die grafische Oberfläche. Mit Weiter hangeln Sie sich durch den Assistenten, der leider keine versteckten Ordner als Quelle für Musikdateien akzeptiert. Kreuzen Sie die Option Änderungen überwachen an, bemerkt Amarok, wenn sich im laufenden Betrieb Dateien in der Musiksammlung ändern. Als Datenbank macht sich SQLite recht gut.

Läuft während der Konfiguration etwas schief, versetzen Sie Amarok wieder in den Urzustand zurück. Rufen Sie den Konqueror auf und löschen Sie das Verzeichnis ~/.kde/share/apps/amarok und die Datei ~/.kde/share/config/amarokrc. Anschließend starten Sie Amarok neu. Aber Vorsicht: Dabei verschwinden auch sämtliche von Ihnen angelegten Playlists und die Lesezeichen der Radiostationen.

Die Bedienoberfläche von Amarok unterteilt sich grob in zwei Hälften (Abbildung 1): Im kleineren Bereich links zeigt Amarok verschiedene Inhalte an, die Sie über die vertikalen Reiter links außen aktivieren -- das funktioniert wie im Konqueror. Im rechten Bereich zeigt die Playlist die Musikstücke mit Namen, Spielzeit und weiteren Daten an. Sie spielen und unterbrechen die Titel über das Bedienfeld unten rechts.

Abb. 1: Die Oberfläche von Amarok: Rechts sehen Sie, welche Titel Amarok demnächst abspielt, links stehen Informationen zu Titeln und Playlists.

Klicken Sie zunächst ganz links auf den vertikalen Reiter Sammlung, um zu sehen, wie es um Ihre Musikbibliothek steht. Half der Assistent, sollte Amarok dort jetzt Titel auflisten. Gibt es keine Sammlung, zeigen Sie Amarok die musikalischen Schätze, indem Sie auf das Symbol mit Schraubenschlüssel und Hammer in der Symbolleiste klicken. In der sich öffnenden Ordnerstruktur suchen Sie den Musikordner, setzen ein Kreuzchen in das leere Kästchen und beschließen den Schritt über OK. Amarok lädt nun die Titel in seine interne Datenbank und listet Sie im linken Fenster auf.

Um die Stücke richtig zu sortieren, müssen die ID3-Tags der Musikdateien stimmen. Amarok nutzt diese in der MP3- oder OGG-Datei selbst kodierten Informationen in vielen Fällen. Sie bessern die Tags aber recht einfach nach. Der Rechtsklick auf das Symbol einer CD im Bereich Sammlung öffnet das Kontextmenü. Wählen Sie den Eintrag Metadaten für alle X Stücke bearbeiten aus, wobei Amarok statt des X die Anzahl an Tracks auf einer CD auflistet. Ein Dialogfenster mit verschiedenen Feldern erscheint: Tragen Sie als Interpret den Namen der Gruppe oder des Künstlers ein, überträgt Amarok diesen automatisch auf alle Stücke der CD. Um jeden Song einzeln zu benennen, wählen Sie im Dialogfeld Pro Stück. Die erweiterte Eingabemaske (Abbildung 2) holt die Metadaten der Dateien per Knopfdruck aus der Online-Datenbank MusicBrainz. Identifiziert sie den Song korrekt, ersparen Sie sich langwierige Tipparbeit.

Abb. 2: Per Knopfdruck holt Amarok Infos zu einzelnen Tracks aus der Musikdatenbank MusicBrainz.


ID3-Tag: Metadaten, wie Titel und Interpret eines Stücks stehen meist im Klartext in einer MP3- oder OGG-Datei. Diese als ID3-Tags bezeichneten Informationen lesen und verändern viele moderne Musik-Player.
MusicBrainz: Eine freie Internetdatenbank, die Titel identifiziert und mit ID3-Tags versieht. Die Informationen stehen unter einer nicht-kommerziellen Version der Creative Commons Lizenz.

Um nun Ihre Sammlung in eine Playlist zu verwandeln, ziehen Sie die Titel per Drag-and-drop von der linken auf die rechte Hälfte des Players und spielen Sie über die Steuerung rechts unten. Um ihre Reihenfolge der zu ändern, schieben Sie die Titel nach oben und unten. Alternativ stellen Sie einen Titel über das Kontextmenü in eine Warteschlange ein. In diesem Fall erscheint rechts neben dem Titel der Audiodatei eine Nummer, die Sie über die Position des Kandidaten in der Warteschlange informiert (Abbildung 3). Wollen Sie sich die anstrengende Arbeit als DJ sparen, spielen Sie über den Menüpunkt Modus Stücke und ganze Alben zufällig ab.

Abb. 3: Wollen Sie schnell mal einen Titel ins Programm schieben, stellen Sie ihn in die Warteschlange -- ideal für Partys.

Auf Wunsch überblendet die Software Übergänge von einem zum nächsten Titel. Wählen Sie Einstellungen / Amarok einrichten / Wiedergabe, um davon Gebrauch zu machen und bestimmen Sie einen Zeitraum für die Überblendung in Millisekunden. Um nicht Ihre eigentliche Arbeit zu unterbrechen, dirigieren Sie Amarok bequem über Tastaturkürzel. Die Kombinationen weisen Sie der Jukebox über Einstellungen / Globale Kurzbefehle festlegen zu.

Der Wolf und die sieben Playlists

Spätestens wenn Sie ein brachiales Heavy-Metal-Solo aus der verträumten Mozart-Sonate katapultiert, brauchen Sie Playlists, um das Chaos zu ordnen. Wiedergabelisten erstellt Amarok im Vorübergehen: Markieren Sie mit [Strg] und der linken Maustaste mindestens zwei Titel in der rechten Hälfte. Öffnen Sie dann mit einem Rechtsklick das Kontextmenü und wählen Sie entweder Als Wiedergabeliste speichern oder Als Wiedergabeliste einstellen (zuschneiden). Im zweiten Fall verbannt Amarok alle nicht markierten Titel aus der Liste. Eine neue Playlist legt die Software im vertikalen Reiter Wiedergabelisten (Abbildung 4) ganz links an -- den Namen bestimmen Sie selbst.

Abb. 4: Amarok liebt Playlisten: Es gibt dynamische und intelligente Playlisten, Wiedergabelisten für Radiosender, Podcasts und Last.fm-Streams.

Unter diesem Reiter finden Sie noch weitere Typen von Playlisten: Intelligente Wiedergabelisten spielen Stücke aus der Sammlung, die ein bestimmtes Kriterium erfüllen: Sie sollen zum Beispiel von 1968 stammen oder nicht kürzer als 4 Minuten sein. Das klappt nur, wenn die Titel über möglichst vollständige ID3-Tags verfügen. Einige der smarten Playlists legt Amarok an, andere erstellen Sie selbst. Über einen Rechtsklick auf Intelligente Wiedergabelisten bestimmen Sie eigene Kriterien für die Auswahl der Stücke. Dynamische Wiedergabelisten versorgen sich hingegen selbst mit Material aus verschiedenen intelligenten Wiedergabelisten. Gespielte Songs löscht Amarok automatisch wieder, so bleibt die Playlist klein.

Im Reiter Wiedergabelisten finden Sie auch die Lesezeichen verschiedener Radio-Streams. Sie ergänzen die Liste über das Kontextmenü um beliebige weitere Sender aus dem Internet. Amarok spielt so ungefähr alles, was Ihnen an Streams im Netz über den Weg läuft: HTTP-, RTSP- und sogar MMS-Streams. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Eintrag Radio-Streams und wählen Sie Unterordner erstellen und dann Radio-Stream hinzufügen. Es erscheint ein kleines Fenster mit zwei Zeilen. In die obere tragen Sie den Namen der Radiostation ein, darunter den Link zum Sender. Dieser lässt sich nicht immer ganz einfach herausfinden: Einige Sender verstecken die direkte Adresse zu ihrem Stream, damit die Benutzer die Webseite besuchen. Meist genügt es aber, mit einem Rechtsklick die Adresse des Links zum Stream zu kopieren. Andernfalls finden Sie zum Beispiel mit Firefox unter Extras / Seiteninformationen / Medien mitunter einen direkten Link zum Datenstrom der Radiostation. Über Laden aus dem Kontextmenü setzen Sie den neuen Stream auf die Playlist und spielen ihn ab. Besteht ein Sender aus zwei oder mehr Kanälen, zeigt Amarok mehrere Links an. Probieren Sie einfach aus, in welchem Stream der Player Daten findet. Auch Podcasts verwalten Sie über den vertikalen Reiter Wiedergabelisten, via Kontextmenü fügen Sie einen neuen Podcast hinzu. Seit Version 1.4.4 unterstützt Amarok auch den Musik-Shop Magnatunes (Abbildung 5) Für ihn gibt es eine eigene Oberfläche. Der Shop lässt den Hörern viel Freiheit: Sie können die angebotenen DRM-freien Alben aus allen Sparten erstmal komplett anhören. Gefällt Ihnen ein Album, kaufen Sie es für 4 Euro aufwärts, wobei Sie die Höhe des Betrags selbst festlegen. 50 Prozent der Einnahmen gehen dann direkt an die Künstler.

Abb. 5: die neueste Version 1.4.4 integriert auch den Musikshop "Magnatune". Der bietet vollständiges Vorhören der Titel und verzichtet auf DRM.

Nutzen Sie Last.fm (Siehe Kasten "Neue Bekannte mit Last.fm"), erweitert Amarok die Wiedergabeliste um einen entsprechenden Eintrag.


Last.fm: Es handelt sich zunächst um eine Internetseite, die von Benutzern gespielte Titel in einer Datenbank speichert. Sie gleicht die musikalischen Vorlieben der Benutzer ab und schlägt auf dieser Grundlage neue Musik vor. Last.fm funktioniert zugleich als Webradio, das auf Basis der eigenen Datenbank Stücke verschiedener Genres spielt.

Neue Bekannte mit Last.fm

Zunächst brauchen Sie einen Account bei Last.fm, den Sie mit beliebigen Daten füttern. In Amarok wählen Sie den Menüpunkt Einstellungen / Amarok einrichten / last.fm aus und geben die Benutzerdaten ein. Sie entscheiden selbst, ob Sie Informationen über die gespielten Stücke an Last.fm senden oder die Datenbank lediglich eine Liste ähnlicher Interpreten schicken soll. Über den Menüpunkt Wiedergabeliste / Last.fm-Stream hinzufügen / Global-Tag-Radio suchen Sie eine Musikrichtung aus, die Ihnen gefällt. Last.fm sendet bei der Wiedergabe automatisch einen Stream mit Titeln dieses Genres. Im Reiter Kontext ergänzt die Software Informationen zum laufenden Titel samt Album-Cover (Abbildung 6). Mögen Sie einen Titel nicht, Überspringen Sie ihn oder Verbannen ihn gar. Das Feature macht süchtig: Ständig lernen Sie neue interessante Gruppen und Songs kennen.

Abb. 6: Titel, Thesen, Temperamente: Amarok spielt Last-fm-Streams und versorgt Sie im Reiter "Kontext" mit Infos zum gerade gespielten Song.

RecordRadio und weitere Skripte

Senden Radiostationen ihre Songs als OGG- oder MP3-Stream, nehmen Sie diese recht einfach auf. Das kleine Skript RecordRadio hilft Ihnen.

  1. Rufen Sie über Extras / Skript-Verwaltung / Weitere Skripte holen alle vorhandenen Skripte auf (Abbildung 7).
  1. Suchen Sie nach RecordRadio und klicken Sie auf Installieren. Amarok lädt das Skript automatisch von einem zentralen Server herunter und spielt es auf den Rechner. Es liegt dann unter dem Eintrag Allgemein im Fenster Skript-Verwaltung.
  1. Wählen Sie RecordRadio-OnDemand aus und klicken Sie auf Ausführen, um das Skript zu starten.
  1. Nun spielen Sie in der Playlist einen Radio-Stream ab, der MP3- oder OGG-Dateien über eine HTTP-Adresse verschickt.
  1. Aus dem Kontextmenü, das Sie über einen Rechtsklick auf den Stream aufrufen, wählen Sie den Eintrag RecordRadio / Listen to and Record Stream.

Abb. 7: Sie erweitern Amarok über diverse Skripte: Mit RecordRadio speichern Sie Audio-Streams aus dem Internet auf der Festplatte.

Nach dem Aufruf legt das Skript einen Ordner Music in Ihrem Home-Verzeichnis an und speichert den Stream dort. Andernfalls erscheint eine Fehlermeldung, was meist bedeutet, dass RecordRadio den Stream nicht speichern kann -- was zum Beispiel bei MMS-Streams der Fall ist. Ein weiteres Problem: Sie können die Aufnahme nur gewaltsam stoppen, indem Sie auf die Kommandozeile wechseln und killall wget respektive killall streamripper eingeben.

Auf dieselbe Weise installieren und starten Sie auch alle anderen Skripte. Die Webseite von Amarok [2] informiert Sie, was die Skripte tun, viele davon befinden sich allerdings noch in der Entwicklung.

Hören mit Tiefgang

Spaß mit Hintergrund: Der vertikale Reiter Kontext bringt Ihnen Bands und ihre Erzeugnisse näher. Die Register Musik, Text und Interpret versorgen Sie mit Informationen aus dem Internet. Läuft gerade ein Stück von Billie Holiday, lesen Sie unter Musik, wie der Song heißt und von welchem Album er stammt. Klicken Sie auf das Bild mit dem leeren Album, holt Amarok das passende Album-Cover von Amazon. Handelt es sich um einen bekannten Song wie All of me, stehen die Chancen nicht schlecht, dass Sie im Reiter Text den kompletten Songtext vorfinden, den Amarok ebenfalls aus einer Datenbank im Internet holt. Sie finden allerdings nicht für jeden Song den Text und müssen zudem erst einmal das Skript Lyrc installieren. Ähnlich verhält es sich mit dem dritten Reiter: Dort präsentiert Amarok Informationen zu aktuellen Interpreten aus der Wikipedia (Abbildung 8). Enthält die keinen Eintrag, bekommen Sie natürlich auch keine Informationen. Bekanntlich können Sie aber selbst Wikipedia-Einträge verfassen und damit andere Musikliebhaber aufklären.

Abb. 8: Musik als Wissenschaft: Die freie Enzyklopädie Wikipedia schafft Wissen zu den jeweiligen Interpreten.

Schöner sehen

Auch fürs Auge bringt Amarok etwas mit: Visualisierungsmodule. In kleinen Fenstern tanzen farbige Muster zu den Impulsen der Musik und verändern sich dabei ständig. Über Extras / Visualisierungs-Module(Abbildung 9) öffnen Sie ein Fenster, aus dem Sie das entsprechende Modul auswählen. Ein Kreuzchen ruft das zugehörige Plug-in auf, ein Rechtsklick auf das Muster vergrößert es in den Vollbildmodus.

Abb. 9: Farbentanz: Die Muster der Visualisierungsmodule bewegen sich im Rhythmus der Musik und lassen sich auch im Vollbildmodus anschauen.

Ein weiteres visuelles Feature ist das On-screen-Display (OSD). Das transparente Fenster erstreckt sich zentral über den Bildschirm und zeigt Informationen zum folgenden Stück an. Über Einstellungen / Amarok einrichten bestimmen Sie die Position der Anzeige, die Schriftgröße und ihre Farben.

iPod & Co. einrichten

Nicht zuletzt vernetzen Sie Amarok wunderbar mit Ihrem iPod -- vorausgesetzt Sie beachten ein paar kleine Dinge. Zunächst braucht der iPod ein Windows-Dateisystem damit Linux auch auf ihn schreiben kann. Verwenden Sie den iPod bereits mit Windows, können Sie das Gerät direkt mit Amarok benutzen. Mac-Nutzer sollten den Kasten "iPod mit VFAT" lesen.

iPod mit VFAT

Am einfachsten und sichersten formatieren Sie den iPod über einen PC mit Windows. Die Software iTunes gibt es gratis im Netz: Installieren und starten Sie diese und schließen Sie den iPod an. Das Programm findet das Gerät mit dem Mac-Dateisystem und fragt, ob es den iPod Wiederherstellen soll, was Sie bestätigen. Während iTunes das Gerät nun mit einem Windows-Dateisystem formatiert, erhält es nicht nur das FAT32-Dateisystem von Windows, sondern auch eine neue Verzeichnisstruktur. Der Prozess dauert einen Augenblick, warten Sie die entsprechenden Meldungen ab. Schließlich hängen Sie das USB-Gerät über das kleine grüne Icon unten rechts wieder aus und booten Linux.

KDE erkennt das Gerät und schlägt vor, einen Ordner mit den Dateien zu öffnen -- erlauben Sie das. Sie erfahren so, wo KDE das Gerät einhängt -- meist unter /media/sda2. Funktioniert das automatische Mounten nicht, hängen Sie das Gerät über die Konsole als Root-Benutzer manuell ein:

sudo mount -t vfat -o umask=000 -o sync /dev/sda2 /media/sda2

Durch diesen Befehl mountet Linux den iPod mit Schreibrechten. Die Schnittstelle sda2 kann auf Ihrem System aber auch sda1 oder sda3 heißen. Welche Schnittstelle der iPod tatsächlich benutzt, erfahren Sie, wenn Sie den Befehl tail -f /var/log/messages eingeben, bevor Sie iPod und Rechner verbinden. Die Ausgabe auf der Kommandozeile verrät, welche Schnittstelle Linux für den iPod vorsieht. Verwenden Sie keinen iPod, sondern einen anderen MP3-Spieler, binden Sie das Gerät auch auf die hier geschilderte Weise ein. Gewöhnlich verfügen die Player über ein Windows-Dateisystem.

Transaktionen

Starten Sie nun Amarok und öffnen Sie das Konfigurationsmenü für die Hardware über Einstellungen / Amarok einrichten / Media-Player. Wählen Sie Gerät hinzufügen, geben Sie einen Namen für das Gerät an -- zum Beispiel mein_ipod. Tragen Sie darunter das Verzeichnis ein, in dem Linux den Player mountet, etwa /media/sda2. Gewöhnlich erkennt Amarok das Gerät sofort und listet die Verzeichnisstruktur des iPod im vertikalen Reiter Media-Player auf. Sehen Sie dort kein Verzeichnis, klicken Sie auf den Knopf Verbinden oberhalb dieses Bereichs.

Nun greifen Sie nicht nur auf die Playlists und Stücke des iPod zu, sondern spielen auch Ihre lokalen Musikdateien auf das Gerät. Um einen einzelnen Song zu transferieren, klicken Sie zunächst auf den Reiter Sammlung. Suchen Sie ein Stück aus und wählen Sie aus dem Kontextmenü den Eintrag Auf Mediaplayer übertragen. Amarok kopiert die Datei nicht gleich auf den iPod, sondern parkt sie zunächst im Reiter Media-Player in der so genannten Übertragungswarteschlange (Abbildung 10). Dorthin transferiert Amarok auch komplette Playlists, die Sie aus dem vertikalen Reiter Wiedergabelisten rekrutieren. Entscheiden Sie sich für eine Playlist, klicken Sie mit der rechten Maustaste darauf und wählen Sie aus dem Kontextmenü Mit Media-Player synchronisieren. Der Vorteil: Amarok spielt nur neu hinzugekommene Dateien auf den Spieler und löscht zugleich Stücke vom iPod, die sich nicht mehr in der Playlist befinden. Sie überspielen Stücke und Wiedergabelisten erst dann wirklich, wenn Sie zum Reiter Media-Player wechseln und aus dem Kontextmenü Übertragen auswählen. Das gibt Ihnen zwar die Möglichkeit, Fehlentscheidungen noch einmal zu überdenken, intuitiver wäre es allerdings, würde Amarok die Dateien sofort auf den iPod transferieren.

Abb. 10: Warten auf iPod: Bevor Amarok Stücke und Playlists auf den iPod loslässt, versammelt er sie in einer Warteschlange.

Scheiden tut weh

Haben Sie alle Dateien synchronisiert, ziehen Sie den iPod auf keinen Fall einfach vom Stecker ab: Sie können so das Dateisystem beschädigen. Wählen Sie vielmehr zunächst Trennen im Reiter Media-Player und geben Sie auf der Kommandozeile eject /dev/sda2 an, wobei Sie sda2 wie oben geschildert durch die Schnittstelle für den iPod ersetzen. Entfernen Sie den Stecker erst, wenn die Warnung Bitte nicht trennen vom Display des iPod verschwindet.

Rockt Amarok?

Amarok mausert sich zu Zeit zu einer echten Killer-Applikation für Linux. Die Software lässt schon jetzt viele Windows- und Mac-Player hinter sich. Wirklich Spaß machen die Anbindung an Last.fm und der Kontext-Reiter. Amarok tut seinen Dienst zuverlässig und stürzte im Test kein einziges Mal ab. Er lässt sich durch Skripte sinnvoll erweitern und unterstützt neben dem iPod zahlreiche MP3- und OGG-Player. Rockt Amarok? Definitiv ja. Zeit also, einmal mit dem Wolf zu tanzen. (kki)

Infos
[1] Webseite von Amarok: http://amarok.kde.org
[2] Skripts für Amarok: http://amarok.kde.org/wiki/Scripts

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2017 COMPUTEC MEDIA GmbH | Last modified: 2008-11-05 17:26

Nutzungsbasierte Onlinewerbung

[Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community] [Admin-Magazin] [Ubuntu User] [Smart Developer] [Linux Events] [Linux Magazine] [Ubuntu User] [Admin Magazine] [Smart Developer] [Linux Magazine Poland] [Linux Community Poland] [Linux Magazine Brasil] [Linux Magazine Spain] [Linux Technical Review]