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Erschienen in EasyLinux 01/2007   »   Ausgabe bestellen

Gdesklets

Überwachen und Spielen

Kristian Kißling


Schöner arbeiten: Dank Gdesklets überwachen Sie Ihr System, ohne auf Ästhetik zu verzichten.


Bei Gdesklets handelt es sich nicht um ein monolithisches Programm, vielmehr müssen Sie sich die Software als eine Art Kiste mit Spielsachen vorstellen. Die Kiste (das Framework) heißt Gdesklets, die Spielsachen darin nennt man Desklets. Das sind transparente Widgets, die direkt auf der Desktop-Oberfläche liegen und verschiedene Aufgaben erledigen. Sie zeigen die Auslastung der CPU an, eine Uhr oder einen Kalender und laufen sowohl unter Gnome als auch KDE (Abbildung 1). Insofern hinkt der Vergleich mit Spielsachen ein wenig -- die Desklets machen sich durchaus nützlich.

Abb. 1: Desklets en masse: Die kleinen Helfer liegen auf dem Desktop und zeigen aktuelle Informationen aus dem Netz sowie Systemdaten an.

Widgets: Kleine Tools mit eigener grafischen Oberfläche, die meist auf dem Desktop kleben und nur kleine Funktionen ausüben. Sie informieren über das Wetter oder zeigen die Uhrzeit an.


Viele, viele bunte Desklets

Um im Bild zu bleiben: Zunächst zimmern Sie die Spielzeugkiste, indem Sie Gdesklets installieren. Dann werfen Sie die Desklets hinein, die Sie in Form von TAR.GZ-Archiven im Netz finden. Der Vorteil: Aus dieser Box heraus richten die Desklets keinen Schaden an, sie greifen nicht direkt auf das System zu. Sie verwalten die transparenten Helfer über die so genannte Gdesklets Shell, eine grafische Oberfläche (Abbildung 2).

Abb. 2: Über die Gdesklets Shell verwalten Sie die einzelnen Desklets. Die Software ordnet sie automatisch den Kategorien zu.

Die Desklets bestehen im wesentlichen aus Displays (Anzeigen) und Controls (Kontrollprogrammen). Letztere beschaffen im Hintergrund Systeminformationen, die sie an die Anzeigen weiterreichen. Ein einfaches Beispiel: Denken Sie an ein kleines transparentes Fenster, das grafisch die Auslastung der CPU anzeigt. Das Kontrollprogramm misst die Auslastung der CPU, die Anzeige bereitet die Daten in ansprechender Form auf.

Gdesklets installieren

Über die Heft-DVD installieren Sie Gdesklets für Mandriva Linux 2007, Suse Linux 10.0/10.1 und Kubuntu. Dank zahlreicher Abhängigkeiten nimmt die Installation etwas Zeit in Anspruch. Zudem hilft ein Skript bei der Installation von Paketen, die aus rechtlichen Gründen nicht mit auf die DVD durften.

Gdesklets einsetzen

Um die Gdesklets Shell aufzurufen, drücken Sie [Alt-F2] und tippen gdesklets in die Kommandozeile. Zunächst erscheint eine Meldung, die Sie darauf hinweist, dass Sie mit der Tastenkombination [Shift-F12] sämtlich Desklets zum Schweben bringen, um ihre Positionen zu verändern. Drücken Sie diese Kombination erneut, verschmelzen die Desklets wieder mit dem Desktop-Hintergrund. Klicken Sie auch Schließen und wenden Sie sich der Gdesklets Shell zu. Auf der linken Seite sortiert die Shell die Desklets alphabetisch oder nach Kategorien geordnet, die rechte Seite listet später die einer Kategorie zugehörigen Desklets auf.

Im Gegensatz zu Nutzern von Suse Linux und Mandriva Linux 2007 stehen Kubuntu-Anwendern dank des Pakets gdesklets-data bereits zahlreiche Desklets zur Verfügung. Sie wählen auf der rechten Seite ein spezifisches Desklet aus und rufen es mit einem Doppelklick auf. Es dauert meist einen Augenblick, bis das Desklet auf dem Desktop erscheint.

Nutzer von Suse Linux 10.0/10.1 und Mandriva Linux 2007 laden die Desklets selbst herunter. Zwei Hauptquellen beherbergen die kleinen Racker: Einmal die Seite des Gdesklets-Projekts selbst [1], zum anderen ein externes Archiv, das eine Reihe neuerer und älterer Desklets aufbewahrt [2]. Auf der Projektseite führen die meisten Links jedoch ins Nirwana, auch das Wiki lässt sich nicht aufrufen. Die Entwickler betreuen Gdesklets zur Zeit offensichtlich nicht, nutzen Sie also die zweite Webseite.

Die Installation der Desklets verläuft recht unproblematisch. Sie laden zunächst ein Desklet herunter, das in der Form eines TAR.GZ-Archivs vorliegt. Legen Sie es in einem lokalen Verzeichnis ab. Dann wählen Sie in der Gdesklets Shell den Eintrag Datei / Paket installieren und suchen im folgenden Dialogfeld nach dem Ordner, der das Archiv enthält. Sie müssen es nicht einmal entpacken, es genügt, wenn Sie es doppelt mit der linken Maustaste anklicken. Gdesklets weiß dann, wohin die einzelnen Dateien des Archivs gehören, damit das Desklet funktioniert. Eine Meldung bestätigt Erfolg oder Misserfolg der Installation. Gewöhnlich ordnet Gdesklets das Spielzeug auch automatisch einer Kategorie zu. Wo diese Zuordnung sich nicht sofort erschließt, müssen Sie die Kategorien nach dem Desklet durchsuchen. Ein Doppelklick auf ein Desklet erweckt es zum Leben.

Fehlstarts

Die Webseite unter [2] listet nicht nur viele Desklets auf, sie zeigt auch anhand von Symbolen, wie gut sie arbeiten. Tatsächlich kooperiert die Mehrheit der kleinen Helfer momentan nicht mit Gdesklets, einige nützliche Desklets tun aber weiterhin ihren Dienst. Das Problem besteht darin, dass sich die Software noch in der Entwicklung befindet und die Entwickler das Programm-Design von Gdesklets von Zeit zu Zeit ändern. Als stabil gilt ein Programm gewöhnlich, sobald es die Versionsnummer 1.0 erreicht, aktuell trägt Gdesklets die Versionsnummer 0.35. Passen die Desklet-Entwickler ihren Code nicht an die neuen Kategorien von Gdesklets an, versagen die Spielzeuge in der Praxis. Passiert also längere Zeit nichts oder erscheint eine Fehlermeldung, sobald Sie ein Desklet aufrufen, probieren Sie ein anderes Desklet aus.

Desklets verwalten

Ein Desklet klebt nach dem Start zunächst am Mauszeiger, bis Sie es an einer beliebigen Stelle auf den Desktop fallen lassen -- ganz im Sinne von Drag-and-drop. Nach einem Neustart von Gdesklets erscheinen die Displays in exakt derselben Position. Klicken Sie nun mit der linken Maustaste auf ein Desklet, tut sich gar nichts. Das soll auch so sein. Viele Benutzer starten ihre Programme über grafische Icons, die ebenfalls den Desktop bevölkern. Desklets und Icons würden sich ins Gehege kommen. Daher konfigurieren Sie die Desklets mit einem Klick der rechten Maustaste. Dieser offenbart ein Menü mit verschiedene Optionen: Sie können ein Desklet konfigurieren, verschieben, den Quelltext anzeigen, es neu starten oder entfernen. Im letzten Fall verschwindet das Desklet nicht komplett von Ihrem Rechner, sondern Sie finden es in der Gdesklets Shell wieder. Um den Quelltext eines Desklets zu betrachten, müssen Sie Hand an die allgemeinen Einstellungen von Gdesklets legen.

Gedesklets konfigurieren

Um diese aufzurufen, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Gdesklets-Icon in der Fußleiste und wählen aus dem Kontextmenü den Eintrag Konfiguration. Es öffnet sich ein Fenster (Abbildung 3), das es Ihnen zunächst erlaubt, neben Bevorzugter Editor einen Text-Editor Ihres Vertrauens einzutragen. Unter Gnome bietet sich Gedit an, KDE-Nutzer können Kate verwenden. Direkt darunter aktivieren Sie echte Transparenz. Die gewöhnlich eingesetzte Pseudotransparenz kopiert lediglich das Hintergrundbild des Desktops in den Hintergrund der Desklets. Echte Transparenz erzeugt durchscheinende Fenster. Sie funktioniert allerdings mit keiner der von EasyLinux unterstützten Linux-Varianten, da sie alle GTK ab Version 2.8. verwenden. Setzen Sie also neben Transparenz kein Kreuz.


GTK: Die freie Grafikbibliothek erzeugt in der Programmiersprache C die Oberflächen für Gimp und Gnome.


Abb. 3: In den allgemeinen Einstellungen für Gdesklets bestimmen Sie, welcher Editor den Quellcode der Desklets anzeigt und welche Bildschirmauflösung Ihr Monitor verwendet.

Ein weiterer Punkt betrifft die Bildschirmauflösung. Indem Sie die Zahl links neben dem Balken verändern, verlängern oder verkürzen Sie den Balken. Messen Sie ihn mit einem Lineal und stellen Sie die Zahl so ein, dass seine Länge genau fünf Zentimeter beträgt. So erhalten Sie den tatsächlichen DPI-Wert Ihres Monitors, wodurch die Desklets besser skalieren und die Schrift nicht ausfranst. Das recht alte Problem mit Pixeln und Dots beschreibt recht anschaulich dieser Text [3]. Nicht zuletzt ändern Sie über die Gdesklets-Einstellungen auch die Tastenkombination, mit der Sie sämtliche Desklets zum Schweben bringen.

Die einzelnen Desklets konfigurieren Sie jeweils über Desklets konfigurieren aus dem Kontextmenü. Ob sie sich allerdings konfigurieren lassen, hängt von ihrer Komplexität ab. Einige von ihnen funktionieren erst dann richtig, wenn Sie bestimmte Voreinstellungen treffen. Nutzen Sie zum Beispiel ein Desklet, das die Netzwerkkarte überwacht und verwenden Sie mehrere Karten, muss das Desklet natürlich wissen, welche Karte es im Auge behalten soll.

Desklets in der Praxis

Aber welche der zahlreichen Desklets können Sie überhaupt verwenden? Zunächst scheinen die auf der Webseite [2] mit einem grünen Häkchen verzierten Desklets zu laufen -- nicht alle, aber die meisten. Insbesondere die Desklets, die den Begriff SideCandy in ihrem Namen tragen, funktionieren nach wie vor.

Bei den SideCandy-Desklets handelt es sich um eine Serie von pseudotransparenten Anzeigen, die den Anwender über aktuelle Systemdaten informieren (Abbildung 4): Über die Auslastung der CPU, den aktuellen Verbrauch an RAM, den freien Festplattenspeicher, die gerade eingehängten Partitionen und einiges mehr. Der Name kommt nicht von ungefähr, Sie können die Desklets ein- und ausklappen. Klicken Sie dazu einfach mit der linken Maustaste auf die Bilder links auf dem Desklet. Über einen Rechtsklick konfigurieren Sie die Desklets, was in den meisten Fällen darauf hinaus läuft, die Namen der richtigen Geräte aufzulisten und mit den Farben des Layouts zu spielen. Auch die mit FTB und mit LTCandy beginnenden Desklets arbeiten korrekt und erfüllen ähnliche Dienste wie die SideCandy-Widgets.

Abb. 4: Gdesklets in Aktion: Die "SideCandy"- und "FTB"-Desklets informieren Sie über aktuelle Systemfunktionen, wie die Auslastung der CPU und den freien Speicherplatz.

Suchen Sie nach einer Wetterstation, die aktuelle Temperaturen, Windgeschwindigkeiten und Niederschläge in der Umgebung anzeigt, greifen Sie zum GoodWeather-Desklet [2]. Damit es die Temperaturen Ihrer Umgebung anzeigt, müssen Sie es allerdings mit einem Wetter-Code von Yahoo versehen. Den finden Sie am einfachsten, indem Sie nach yahoo wetter stadt googeln, wobei Sie stadt durch den Namen Ihrer oder einer Stadt in der Nähe ersetzen. Der Code versteckt sich in dem Link zur entsprechenden Seite. Er besteht aus einer Kombination von vier Buchstaben und vier Zahlen, für München lautet er zum Beispiel GMXX0087. Notieren oder kopieren Sie die Kombination, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Wetter-Desklet und wählen Sie Desklet konfigurieren. Neben Location code tragen Sie die Kombination ein (Abbildung 5). Nach einem Klick auf Close nimmt die Wetterstation ihre Arbeit auf. Welche Desklets noch funktionieren, probieren Sie am besten selbst aus. Seien Sie aber gewarnt: Defekte Desklets belasten mitunter den Prozessor so stark, dass sich Ihr System extrem verlangsamt. In diesem Fall öffnen Sie eine Konsole und geben gdesklets slay ein, um der Software den Garaus zu machen.

Abb. 5: Um das aktuelle Wetter in Ihrer Nähe zu beobachten, laden Sie das "GoodWeather"-Desklet herunter und geben den lokalen Yahoo-Code ein.

Autostart

Überwachen Sie Ihre Systemfunktionen über Desklets, sollen diese vermutlich nach einem Neustart automatisch erscheinen. Unter Gnome starten Sie die Gdesklets Shell und verteilen die gewünschten Anzeigen auf dem Desktop. Dann steuern Sie den Menüpunkt System / Einstellungen / Sitzungen an und wählen den Reiter Startup Programs aus. Klicken Sie dort auf Add und schreiben Sie gdesklets in die sich öffnende Zeile. Nun zeigt Gnome die Desklets nach dem Neustart automatisch an.

Auch unter KDE verteilen Sie zunächst die Desklets nach eigenem Guttdünken, bevor Sie die Autostart-Einstellungen einrichten.

  1. Öffnen Sie dann eine neue Datei mit Kate.

  1. Tragen Sie zunächst die Zeile #!/bin/bash ein, damit Linux erkennt, dass es sich um ein Shell-Skript handelt.

  1. Schreiben Sie in die nächste Zeile sleep 5s; und in die Zeile darunter exec gdesklets &. Die Anzeigen erscheinen dann fünf Sekunden verzögert.

  1. Speichern Sie die Datei unter dem Namen gdesklets.sh im Verzeichnis /home/benutzername/.kde/Autostart, wobei Sie benutzername durch Ihren Benutzernamen ersetzen.

  1. Starten Sie den Konqueror, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Datei gdesklets.sh, wählen Sie Eigenschaften / Berechtigungen / Erweiterte Berechtigungen und setzen Sie jeweils ein Kreuzchen in der Spalte Ausführen.

Nach dem Neustart von Gnome und KDE verschmelzen die kleinen Helfer nun automatisch mit dem Desktop und halten Sie über aktuelle Entwicklungen in und außerhalb Ihres Rechners auf dem Laufenden. (kki)

Infos

[1] Das Gdesklets-Projekt: http://gdesklets.org
[2] Alternative Desklet-Seite: http://gdesklets.zencomputer.ca
[3] Dots vs. Pixel -- ein Essay: http://praegnanz.de/essays/137/72dpi72dpi

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