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Kristian Kißling
In den vergangenen Jahren versuchten Open-Source-Entwickler neue Nutzer von Linux zu überzeugen, indem sie den Umgang mit der Software vereinfachten. Nachdem es mittlerweile GUIs für die meisten Kommandozeilen-Tools gibt, richtet sich die Aufmerksamkeit auf eine neue Attraktion: das Bling. Denn während gestandenen Linux-Hackern die funktionale Vielfalt der Kommandozeile genügt, wünschen sich normale Anwender häufig einen Desktop, der auch das Auge anspricht.
Dank XGL, AIGLX, Compiz und Beryl kommen nun auch Linux-Anwender in den Genuss einer hohen Dosis Bling. Das X-Window-System geht dabei eine Symbiose mit OpenGL ein. Die dadurch ermöglichten 3D-Effekte müssen Sie aber noch recht umständlich einrichten [1]. Anders 3ddesktop [2]: Das Tool erzeugt 3D-Effekte beim Wechseln zwischen virtuellen Arbeitsflächen. Statt schnöde auf eines der zwei oder vier Felder in der KDE-Fußzeile zu klicken, bewegen Sie die virtuellen Oberflächen in Würfelform um die eigene Achse und suchen sich das passende Fenster aus (Abbildung 1).
Abhängig vom Geschmack bietet 3ddesktop unterschiedliche Visualisierungsformen an. Da auch diese Technik OpenGL benutzt, müssen Sie die 3D-Beschleunigung für Ihre Grafikkarte aktivieren. Wie das unter Suse Linux 10.0/10.1, Mandriva 2007 und Kubuntu funktioniert, erklären die Artikel, die den Starter Kits beiliegen sowie diverse Internet-Ressourcen [3,4].
Die Software selbst installieren Sie für die von EasyLinux unterstützten Distributionen einfach über die Heft-DVD. Wie das geht, beschreibt die Anleitung auf der DVD.
3ddesktop setzt sich aus einem Daemon -- 3ddeskd -- und dem eigentlichen Programm 3ddesk zusammen. Sie starten anfangs den Daemon, der zunächst die Oberflächen der virtuellen Arbeitsflächen "fotografiert". Rufen Sie eine Konsole auf und geben Sie 3ddeskd --acquire ein.
Der Daemon übernimmt nun -- wie in einem Computerspiel -- den Bildschirm und nimmt Screenshots der virtuellen Desktops auf. Sie merken das daran, dass der Desktop kurz zwischen den virtuellen Arbeitsflächen hin und her wechselt. Verwenden Sie die Option --acquire=1000, geben Sie dem Knipser 1000 Millisekunden Zeit. Bei langsameren Rechnern kopieren Sie über den Schalter --mirror das Bild einer Arbeitsfläche auf alle anderen. Das geht schneller, sieht aber natürlich nicht so gut aus. Rufen Sie nur 3ddesk auf, kommt der Daemon zwar automatisch auf die Beine, aber die Option --acquire funktioniert nicht. Die anderen Arbeitsflächen bleiben grau.
Kennt der Daemon alle Desktops, aktivieren Sie die eigentlichen Effekte über den Befehl 3ddesk. Verschiedene zusätzliche Parameter bestimmen, wie sich die Fenster beim Wechseln zwischen den Desktops verhalten. Geben Sie in die Konsole:
3ddesk --mode=cylinder --zoomspeed=10
ein, präsentieren sich die virtuellen Desktops als mehrseitiger rotierender Polyeder. Die Rotation erzeugen Sie über [Pfeil-Rechts] und [Pfeil links], die Zahl der Seiten hängt davon ab, wie viele virtuelle Desktops Sie benutzen.
Sie geben 3ddesk also direkt Argumente mit auf den Weg oder greifen alternativ über die Option --view (Ansicht) auf eine Konfigurationsdatei zurück. Tippen Sie 3ddesk --view=linear in die Konsole, benutzt 3ddesk Werte, die es in der Datei /etc/3ddesktop/3ddesktop.conf unter dem Eintrag view linear findet (Abbildung 2). In dieser Konfigurationsdatei definieren Sie auch eigene Views, die das Verhalten der virtuellen Desktops steuern.
Angenommen Sie möchten, dass sich vier virtuelle Desktops in einen Würfel verwandeln. Der soll auf Tastendruck schnell erscheinen, aber nicht zu weit hinauszoomen. Eine weiße Zahl soll zudem signalisieren, welchen Desktop der Würfel Ihnen gerade zuwendet. Rufen Sie dazu über kdesu kate den bekannten Editor mit Root-Rechten auf und öffnen Sie die oben erwähnte Konfigurationsdatei von 3ddesktop. Nun geben Sie folgendes ein:
| 3ddesktop.conf |
view meinesicht mode cylinder depth 3 digit_color white zoomspeed 10 |
Das erzeugt einen Würfel (mode cylinder), der recht schnell (zoomspeed 10) und nicht zu weit weg vom Betrachter (depth 3) erscheint. Eine weiße Zahl zeigt zudem die Nummer des Desktops an. Geben Sie 3ddesk --view=meinesicht ein, um die komplette Konfiguration aufzurufen (Abbildung 3). Rühren Sie den Würfel für eine Weile nicht an, dreht er sich von ganz allein. Diese Bewegungen verursacht das Programm selbst. So funktioniert 3ddesktop auch als Bildschirmschoner. Weitere Beispiele für Ansichten zeigt die Datei 3ddesktop.conf. Sie führt auch -- auskommentiert -- eine Reihe weiterer Parameter auf, die Sie benutzen können. So zeigt --view=linear die Desktops nebeneinander an.
Um den 3D-Effekt per Mausklick zu starten, schreiben Sie ein einfaches Skript, für das Sie dann eine Verknüpfung auf den Desktop legen.
Was genau das Skript tut, ahnen Sie sicher schon, die Befehle trennt jeweils ein Semikolon. Zunächst wird über 3ddesk --stop ein eventuell laufender Daemon gestoppt, was unter Umständen einen Augenblick dauert, daher die 3-sekündige Pause in sleep 3. Der Daemon startet neu und fotografiert die virtuellen Oberflächen (3ddeskd --acquire), was wieder einen Augenblick Zeit braucht (sleep 3). Anschließend startet der Befehl 3ddesk mit den entsprechenden Parametern einen rotierenden Würfel. Je nach der Geschwindigkeit Ihres Rechners passen Sie die "Schlafzeiten" im Skript an, sonst kommt der Rechner eventuell nicht mit dem Fotografieren hinterher.
Nun brauchen Sie bloß noch eine Desktop-Verknüpfung, über die Sie das Skript per Mausklick aufrufen. Es genügt, wenn Sie das Skript selbst auf dem Desktop platzieren.
Natürlich können Sie das Skript Ihren Bedürfnissen anpassen, indem Sie Views einbauen, die abgebildete Figur und Zoom-Geschwindigkeit ändern. Welche Optionen Ihnen sonst noch zur Verfügung stehen, verraten die jeweiligen Handbücher. Die erreichen Sie, wenn Sie in die Adressleiste des Konqueror man:/3ddeskd und man:/3ddesk eingeben. (kki)
| Infos |
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[1] XGL unter Suse 10.1, Marcel Hilzinger: "Würfelzauber", EasyLinux 08/2006, S. 88f.
[2] 3ddesktop: http://desk3d.sf.net [3] Treiber für ATI und Nvidia installieren: Marcel Hilzinger, "Schön in allen Dimensionen", EL 02/2006, S. 16f. [4] 3D in Mandriva 2007: http://www.mandrivauser.de/index.php?option=com_openwiki&Itemid=97 |
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Last modified: 2008-11-05 17:26
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