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Erschienen in EasyLinux 01/2007   »   Ausgabe bestellen

Notebook mit vorinstalliertem Suse Linux von MSI

Im Rampenlicht

Marcel Hilzinger


Auf den meisten aktuellen Rechner läuft Linux problemlos. Dennoch sollte man vor dem Notebook-Kauf sorgfältig prüfen, ob das Gerät auch mit Linux zusammenarbeitet. Das gilt leider auch bei Geräten, die mit vorinstalliertem Linux beworben werden, wie dieser Artikel zeigt.

Schlagzeilen zu Notebooks mit vorinstalliertem Linux findet man immer wieder. Sucht man jedoch nach solchen Geräten, sind sie oft nicht mehr oder nur für Geschäftskunden erhältlich. Das von EasyLinux getestete MSI Megabook 662 wird offiziell mit Suse Linux 10.0 angeboten. Hierbei handelt es sich nicht um die normale Distribution, sondern den Suse Linux Enterprise Desktop 10 (SLED 10).

Dieses kleine Detail ist aus zwei Gründen relevant. Während Novell für Suse Linux Updates für rund 2 Jahre kostenlos bereitstellt, ist in dem Paket von MSI mit SLED 10 nur ein Update-Zeitraum von 60 Tagen enthalten. Nach 60 Tagen haben Sie also keinen Zugriff auf Aktualisierungen mehr oder müssen dafür bezahlen. Der zweite Unterschied betrifft den Desktop: Suse Linux bietet hier in Version 10.0 noch KDE als Standardoberfläche an, auf dem MSI-Notebook ist jedoch nur die Gnome-Oberfläche vorinstalliert.

Der erste Schreck

Bei erfahrenen Linux-Benutzern dürfte nach dem ersten Start des Enterprise Desktops auf dem MSI-Notebook zunächst die Enttäuschung überwiegen. Einen Linux-Desktop in diesem Zustand zu verkaufen ist schlicht eine Frechheit: Die grafische Oberfläche ist auf 800 x 600 Bildpunkte eingestellt, obwohl das 15,4"-Display eine Auflösung von 1280 x 800 Punkte kann. Die Soundkarte ist nicht konfiguriert, gibt deshalb auch keinen Ton von sich. Auch die Netzwerkkarte will bei uns nicht: obwohl mit DHCP eingerichtet, findet der Netzwerkmanager keine Verbindung. Zusätzliche Treiber sind weder für das interne WLAN-Modul noch für das Modem vorhanden und sämtliche Versuche, wenigstens die Bildschirmeinstellungen zu ändern, resultieren in einem Absturz des Rechners.

Für Linux-Einsteiger dürften diese Hindernisse weniger schwerwiegend sein: Sie löschen dieses nicht-funktionale Linux-System und "lösen" das Problem mit der Installation von Windows. Denn dafür liegt immerhin eine Treiber-CD bei.

Die frustrierten Linux-Benutzer finden hingegen lediglich eine englische Quick Start Tour und eine README.odt-Datei auf dem Desktop, die zwar erklärt, wo man welche Treiber für das Notebook findet, jedoch verschweigt, welche von diesen Treibern tatsächlich benötigt werden. Welche Hardware sich konkret im Gerät befindet, gibt die Dokumentation nicht preis. Zu guter Letzt stimmt auch der nette Hinweis auf das Passwort des angelegten Benutzers nicht, so dass dieser -- lässt er den Rechner fünf Minuten unbeaufsichtigt -- durch den automatischen Bildschirmschoner erstmal ausgesperrt ist. Bevor Sie nun kurzfristig das Passwort ändern, sollten Sie zunächst das eingestellte Keyboard-Layout von Englisch auf Deutsch umstellen.

Das erste Update

Ist der erste Schock einmal überwunden, hilft ein Update -- wenn man weiß wie -- dem System über die schlimmsten Hürden hinweg. Nach 250 MByte Downloads lässt sich die grafische Oberfläche dank des neuen X-Servers und sämtlicher Fehlerkorrekturen reibungslos in Betrieb nehmen, und selbst der 3D-Desktop XGL verführt nach wenigen Mausklicks mit seinen schwabbelnden Fenstern. Findet man endlich YaST2 unter Computer / Kontrollzentrum / Administratoreinstellungen öffnen, lassen sich auch der Soundkarte Töne entlocken. Dank Helix Banshee kann man sich nun immerhin die MP3-Sammlung anhören. Für 600 Euro erwartet man allerdings mehr als einen MP3-Player mit 3D-Desktop und Hochglanz-TFT.

Ab ins Netz

Die Netzwerkverbindung über die Ethernet-Karte funktionierte auch nach dem Update nicht automatisch, von WLAN ganz zu schweigen. Laut Dokumentation gibt es das MSI-Notebook mit zwei verschiedenen WLAN-Chipsätzen. Die Modelle mit einem Pentium-M-Prozessor besitzen in der Regel ein WLAN-Modul von Intel, für das SLED 10 bereits Treiber mitbringt. In unser Testgerät mit einem Celeron-M-Prozessor baute MSI hingegen eine WLAN-Karte von Ralink ein, für die es im Internet Treiber gibt [1]. Eine kurze Recherche ergab, dass Linux die Karte über das Kernelmodul rt73 unterstützt. Den Quellcode für diesen Treiber finden Sie täglich aktualisiert unter [2]. Wie Sie den Treiber installieren, erklärt der Kasten "Kernelmodul übersetzen".

Nach der Installation des Treibers finden Sie in YaST unter Netzwerkgeräte / Netzwerkkarte den neuen Eintrag Ralink 802.11 bg WLAN. Mit einem Klick auf Bearbeiten richten Sie diese Karte ein. Da YaST das Ralink-Gerät nicht als WLAN-Karte erkennt, müssen Sie im ersten Setup-Schritt unter Gerätetyp unbedingt den Eintrag Drahtlos auswählen. Nur so erscheinen die nötigen Dialoge zur ESSID und den weiteren WLAN-Parametern. YaST zeigt dann zwar eine Warnung an (Abbildung 1), diese können Sie aber ignorieren und auf Fortfahren klicken.

Abb. 1: Selbst nach der Treiber-Installation erkennt SLED 10 die Ralink-Karte nicht als WLAN-Gerät.
Kernelmodul übersetzen

Fehlt unter Linux die Unterstützung für eine bestimmte Hardware, findet man die Treiber meistens nur als Quellcode im Internet. Daraus müssen Sie zuerst ein zum System passendes Kernelmodul generieren. Unter Suse Linux und SLED 10 gehen Sie dazu folgendermaßen vor:

  1. Starten Sie YaST2 über [Alt-F2] und den Befehl kdesu yast (KDE) beziehungsweise yast (Gnome).
  1. Wählen Sie Software / Software installieren oder löschen und stellen Sie den Filter auf Schemata ein.
  1. Markieren Sie den Eintrag C/C++ Compiler und Werkzeuge für die Installation und ändern Sie den Filter auf Suche.
  1. Suchen Sie nach dem Paket kernel-source und markieren Sie dieses für die Installation.

Ein Klick auf Übernehmen startet die Installation. Haben Sie bereits ein Online-Update durchgeführt, müssen Sie dieses nochmals wiederholen, weil sonst die installierten Kernelquellen nicht zum aktuellen Kernel passen. Es fallen also unter Umständen nochmals rund 50 MByte Download an.

Laden Sie sich nun den Quellcode des Treibers herunter und entpacken Sie diesen in ein beliebiges Verzeichnis. Öffnen Sie ein Terminalprogramm (Konsole, Gnome-Terminal) und wechseln Sie mit dem Befehl

cd treiber/verzeichnis

ins Verzeichnis, wo der Quellcode liegt. Hier geben Sie den Befehl make ein. Je nach Umfang des Codes arbeitet der Rechner danach eine gewisse Zeit an der Übersetzung der Quellen. Hat alles geklappt, zeigt die Konsole den Prompt wieder an, ohne dass eine Fehlermeldung zu sehen wäre. Jetzt können Sie den Treiber mit dem Befehl

sudo make install

installieren. Dazu müssen Sie das Root-Passwort eingeben. Nach einem Reboot sollte der Rechner die neue Hardware automatisch erkennen.

Alternativen

Spätestens wenn die 60 Tage Support um sind, müssen Sie sich nach einer neuen Distribution umsehen oder ein Jahr Maintenance für SLED 10 kaufen. EasyLinux empfiehlt, lieber die Distribution zu wechseln. Unter OpenSuse 10.2 und Ubuntu 6.10 (Edgy Eft) funktionieren zum Beispiel das WLAN-Modul und der Kartenleser ohne Nachinstallation (Abbildung 2). Auch der Netzwerkmanager tut bei beiden seinen Dienst. Lediglich für die Webkamera und das interne Modem gibt es zurzeit keine Linux-Treiber.

Auch eine Installation von Mandriva 2007 verlief im Test problemlos. Hier fehlen allerdings die Treiber für das WLAN-Modul und für den Kartenleser, so dass eine manuelle Nachkonfiguration nötig ist. Ubuntu 6.06 (Dapper Drake) ließ sich auf dem Notebook nicht zufriedenstellend einrichten.

Abb. 2: Mit aktuellen Distributionen funktioniert sogar der interne Speicherkartenleser ohne manuelle Nachkonfiguration.
Technische Daten
NameMSI Megabook 662
HerstellerMicro Star International
ProzessorIntel Celeron M, 1,6 GHz
Speicher512 MByte
FestplatteFujitsu, SATA, 80 GByte
GrafikIntel 950G, 8 MByte vom Hauptspeicher
Display15,4-Zoll (1280x800), stark spiegelnd
Akkulaufzeit (ca)2 Stunden
Gewicht2,6 kg
Preis (ca)600 Euro

Fazit

Das Megabook MSI 662 ist kein schlechtes Linux-Notebook. Für rund 600 Euro ist es sogar sehr gut ausgestattet und funktioniert überdurchschnittlich gut mit aktuellen Linux-Distributionen. Der Zustand, in dem MSI das Notebook ausliefert, ist aber alles andere als optimal. Kaufen Sie das Gerät deshalb nach Möglichkeit ohne Software und installieren Sie eine aktuelle Distribution. (mhi)

Infos
[1] Ralink-WLAN-Treiber: http://rt2x00.serialmonkey.com
[2] Rt73-Quellen: http://rt2x00.serialmonkey.com/rt73-cvs-daily.tar.gz

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