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Erschienen in EasyLinux 01/2007   »   Ausgabe bestellen

Suse Linux heißt jetzt OpenSuse: Version 10.2 im Test

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Martin Loschwitz


Anfang Dezember hat das OpenSuse-Projekt Version 10.2 der populären Linux-Distribution veröffentlicht. Wir werfen einen Blick auf die Neuerungen.

Die letzte Suse-Linux-Version 10.1 hatte bei seinen Benutzern keinen leichten Stand: Novell hatte dort viele Neuerungen integriert, und manches lief dadurch "unrund", so war etwa die Paketverwaltung im Auslieferungszustand unbrauchbar, und auch einige Updates besserten die Lage nur ein wenig. Mit Version 10.2 will Suse Linux zu den alten Tugenden zurückkehren.

Ein neuer Name für das Kind

Eine auffällige Änderung ist die Namensänderung: Während sich die Vorgängerversion noch Suse Linux nannte, heißt die Distribution nun OpenSuse. Damit schafft Novell klare Namensfronten: Die Enterprise-Produkte der Firma heißen auch weiterhin Suse Linux, aber die freie Version grenzt sich durch den neuen Namen ab. Trotzdem wird es auch OpenSuse 10.2 als Box-Version im Laden zu kaufen geben; auch der Preis ist stabil geblieben: Noch immer kostet die Box mit Handbuch und 90-tägigem Installationssupport 60 Euro.

Erste Eindrücke

Die Installationsroutine des Systems wirkt gewohnt robust: Seit jeher ist das Konfigurationstool YaST (das auch die Erstinstallation übernimmt) ein maßgeblicher Grund dafür, dass Anfänger gerne auf Suse setzen, und in der neuen Version hat sich daran nichts geändert. Problemlos erkannte die Routine alle im Testrechner verbauten Standardkomponenten und richtete sie ohne Zutun ein.

Der Installer spult sein Programm ab, stellt nur wenige Fragen und führt den Benutzer zu einem laufenden System. Dabei funktionieren auch die Mechanismen, die Partitionen mit anderen Dateisystemen (zum Beispiel von Windows) finden, so dass eine Parallelinstallation von OpenSuse 10.2 neben Windows unproblematisch ist.

Arbeiten mit OpenSuse 10.2

Nach der Installation landen Sie entweder in einem aufgeräumten KDE oder in einem für Kenner etwas ungewöhnlich anmutenden GNOME-Desktop -- das hängt davon ab, für welche Oberfläche Sie sich bei der Installation entschieden haben. Die üppig vorhandenen 3D-Effekte sind zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht benutzbar: OpenSuse 10.2 erkennt zwar ATI- und Nvidia-Grafikchipsätze, richtet die 3D-Treiber aber nicht ein, sondern verwendet die X.org-Standard-Treiber, die nur den 2D-Betrieb beherrschen. Das liegt an den lizenzrechtlichen Fragen, mit denen sich das OpenSuse-Projekt nicht beschäftigen will. Das bedeutet aber nicht, dass Sie auf 3D-Effekte verzichten müssten: Durch die Installation der Zusatzpakete nvidia-gfx-kmp-default und auch x11-video-nvidia ließ sich zumindest die GeForce 6600GT im Testrechner zu 3D-Effekten überreden. Für ATI-Grafikkarten finden Sie auf der ATI-Homepage ein entsprechendes Treiberpaket. Die OpenSuse-Version auf der Heft-DVD enthält zudem die kommerziellen Nvidia-Treiber. (Wer nicht mit der Heft-DVD arbeitet, findet Nvidia-Pakete unter [2].)

An der Installation der 3D-Treiber kommen Sie nicht vorbei, wenn Sie die zahlreichen 3D-Effekte nutzen möchten, die mit Suse Linux 10.1 erstmals in die Distribution integriert und in OpenSuse 10.2 deutlich verbessert wurden. Viele dieser Effekte erinnern verdächtig an Mac OS X: So gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, alle Fenster gleichzeitig verkleinert auf dem Bildschirm darzustellen, um schneller ein Fenster zu finden.

Die 3D-Effekte vermittelten bei Suse Linux 10.1 häufig ein ungutes Gefühl, weil sie holprig waren und gelegentlich das gesamte System lahm legten. OpenSuse 10.2 stellt die Effekte ohne Ruckeln dar, und sie sind gut ins restliche System integriert.

Abb. 1: Gleich beim ersten Kontakt mit OpenSuse 10.2 fällt das komplett neu gestaltete Startmenü auf.

Die Paketverwaltung

Viele Hiebe hatten die OpenSuse-Entwickler dafür bekommen, dass sie in Version 10.1 das Paketsystem in ZENworks integriert hatten. ZEN ist nicht prinzipiell schlecht, bietet aber viel mehr Funktionen als Desktop-Anwender je brauchen. Auf Benutzer wirkte die Paketverwaltung deshalb oft instabil und zu langsam.

Zwar ist ZEN in OpenSuse 10.2 nicht völlig verschwunden, Sie können aber auf seinen Einsatz verzichten und mit YaST das von den Vorgängerversionen bekannte Standardpaketsystem aktivieren -- danach installieren Sie Pakete wieder aus normalen Internetquellen und nicht über ZENworks. Dazu entfernen Sie im Paketmanager das Schema "Enterprise Software Management" und installieren stattdessen "openSUSE Software Management".

Für Paket-Updates nutzen Sie dann künftig opensuseupdate statt "ZenUpdate". In der Summe ist das Paketsystem danach wesentlich stabiler und weniger störanfällig.

Versionspflege

Natürlich hat OpenSuse 10.2 die obligatorische Versionspflege durchlaufen: Mit Kernel 2.6.18.2, KDE 3.5.5, Gnome 2.16.1 und Xfce 4.2.3 präsentiert sich das System durchgehend aktuell. X.org 7.2, Firefox 2.0, OpenOffice 2.0.4 oder KOffice 1.6.0 sind ebenfalls auf dem aktuellen Stand der Technik.

Unter der Haube

Auch hinter den Kulissen hat es einige kleine Veränderungen gegeben. Nachdem über viele Jahre ReiserFS das Standarddateisystem der Suse-Distributionen war, schlägt YaST nur vor, Partitionen mit dem Ext3-Dateisystem zu formatieren. Wer lieber bei ReiserFS bleiben will, kann dies manuell einstellen.

Im Changelog vermerken die Entwickler explizit, dass nun Ekiga mit an Bord ist. Ekiga ist der neue Name des alten GnomeMeetings, das Programm beherrscht neben der Videotelefonie nun auch normales Voice-over-IP gemäß SIP-Protokoll. Im Test machte sich das Programm gut und erlaubte problemlos SIP-Telefonate über einen entsprechenden Provider. Die Tatsache, dass Linphone nur in einer veralteten Version 1.3.0 mitgeliefert wird und dass von KPhone praktisch keine Rede mehr ist, deutet darauf hin, dass Ekiga der neue Standard für Sprach- und Videotelefonie bei Suse ist.

OpenSuse 10.2 bringt auch alle nötigen Komponenten für den Einsatz auf Servern mit, darunter auch die klassischen Komponenten eines LAMP-Systems (Apache, MySQL, PHP).

Abb. 2: In der Paketverwaltung treten Schemata an die Stelle der alten Selektionen. Sie erleichtern die Softwareauswahl.

Updates?

Eine spannende Frage bei Suse und den anderen großen Distributionen ist immer, ob ein Upgrade von der Vorversion problemlos funktioniert. Im Test haben wir den Sprung von Suse Linux 10.1 auf OpenSuse 10.2 überprüft. Nach dem Update eines erst vor kurzem aufgesetzten Suse-10.1-Systems folgte ein problemloser Neustart, und der Monitor des Testrechners zeigte ein frisches KDE 3.5.5 an. Auch die Programme im KDE-Menü hatte der Installer erfolgreich aktualisiert.

Die Erfahrung zeigt, dass Upgrades von der Vorgängerversion im Allgemeinen sehr gut funktionieren, wenn das System noch nah an einer Standardinstallation ist -- aber auch zu Updates intensiv genutzter (und angepasster) Suse-Installationen gibt es im Internet positive Berichte.

Mobile Funktionen

Auch auf einem Notebook musste OpenSuse 10.2 sich beweisen -- und schaffte dies ohne größere Ausreißer: Die Installation klappte auf einem Thinkpad von Lenovo so problemlos wie auf dem Standard-PC, ein vorhandes WLAN-Netzwerk erkannte YaST automatisch und richtete es ein. Auch die Funktionen für Power-Management waren richtig konfiguriert, so dass das Notebook auf Befehl einschlief und im Anschluss auch wieder erwachte, ohne abzustürzen. Verallgemeinern lässt sich diese Stichprobe natürlich nicht.

Fazit

OpenSuse 10.2 bringt keine wirklich aufregenden Neuerungen, weiß aber sehr wohl zu begeistern: Viele kleine aber lästige Fehler, die unter Suse Linux 10.1 störten, haben die OpenSuse-Entwickler mit Version 10.2 behoben. So präsentiert sich die Version 10.2 im Wesentlichen als gelungene Reparatur von Suse Linux 10.1 und dürfte damit viele verprellte Benutzer der letzten Version besänftigen. (hge)

Infos
[1] OpenSuse: http://www.opensuse.org/
[2] Nvidia-Pakete für OpenSuse 10.2: http://download.nvidia.com/opensuse/10.2

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