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Erschienen in EasyLinux 01/2007   »   Ausgabe bestellen

Ubuntu 6.10 -- Edgy Eft

Routinearbeiten

Carsten Schnober


Die fünfte Ausgabe der Linux-Distribution Ubuntu bringt wenig Neues. Wir haben uns Version 6.10 angesehen und verraten, ob sich ein Update trotzdem lohnt.

Und täglich grüßt -- nicht das Murmeltier, sondern mit jeder Ausgabe der Linux-Distribution Ubuntu ein anderer mehr oder weniger exotischer Namensgeber. Im Falle der aktuellen Version 6.10 muss der Molch (engl.: "eft") zu diesem Zweck herhalten, versehen mit dem Attribut "edgy", was in der englischen Umgangssprache so viel wie trendy oder cool bedeutet. Auch erfolgt der Gruß nicht täglich, sondern normalerweise halbjährlich, lediglich zwischen der aktuellen Ausgabe und dem Vorgänger lagen nur vier Monate. Das liegt daran, dass Ausgabe 6.06 (Dapper Drake) mit zweimonatiger Verspätung erschien; um diesen Verzug auszugleichen, haben sich die Entwickler für den Nachfolger weniger Zeit genommen. Nach einem ersten Blick auf die damalige Entwicklerversion von Ubuntu 6.10 [1] hat sich Easylinux für diesen Artikel die fertiggestellte Distribution angeschaut.

Version für zwischendurch

Ubuntu 6.06 war die erste Version, die die Ubuntu-Stiftung mit dem Kürzel LTS versah. Es steht für Long Term Support und weist darauf hin, dass die Entwickler für Dapper Drake statt der zuvor üblichen drei volle fünf Jahre lang Support in Form von Sicherheitsaktualisierungen garantieren. Die neue Version muss auf den Zusatz LTS verzichten, sie genießt das Privileg der garantierten Updates nur 18 Monate lang, weshalb die Entwickler sie vor allem für den Desktop empfehlen. Zwar gibt es auch von der neuen Ubuntu-Ausgabe eine Server-Edition ohne grafische Oberfläche, Betreibern wichtiger Server-Systeme legt der Hersteller jedoch weiterhin Dapper Drake ans Herz.

Entsprechend wenige Neuigkeiten hat Ubuntu 6.10 zu bieten, insbesondere an der Oberfläche. Desktop-Nutzern fallen nach einem Update auf den ersten Blick wohl lediglich das leicht abgeänderte grafische Design auf. Allerdings sind auch diese Änderungen nur minimal: Ubuntu startet jetzt mit einem neuen Boot-Screen, und auf dem Desktop weicht das dominierende Dunkelbraun einem deutlich helleren Ton. Ein weiteres Detail ist das neue Theme, das die Fensterrahmen mit abgerundeten Ecken verziert (Abbildung 1).

Abb. 1: An der Oberfläche haben sich bei der neuen Ubuntu-Version nur Details geändert.

Neue Programme

Einen überzeugenderen Grund für das Update auf Ubuntu 6.10 liefern die aktualisierten Programmversionen: Der Gnome-Desktop liegt nun in Version 2.16 bei, die viele Fehler des Vorgängers nicht mehr hat und bei der die Entwickler vor allem an der Geschwindigkeit gearbeitet haben. Des Weiteren hat sich Ubuntu nach einer langen Debatte unter den Entwicklern der aus lizenzrechtlichen Fragen umstrittenen Programmiersprache Mono geöffnet, wodurch neue Anwendungen Einzug in die Standardinstallation halten, die man zuvor manuell nachinstallieren musste. Dabei handelt es sich um den Notizblock Tomboy (Abbildung 2) und den schnellen und intuitiv zu bedienenden Bildbetrachter und -verwalter F-Spot (Abbildung 3).

Abb. 2: Der Notizblock Tomboy gehört nun zum Standardumfang von Ubuntu. Das Programm reduziert die Zettelwirtschaft auf dem echten Schreibtisch, indem es virtuelle Notizen auf dem Desktop anlegt.

Abb. 3: Der Bildverwalter F-Spot sortiert Bilder chronologisch und kategorisiert sie nach beliebigen Kriterien.


Mono: Eine freie Umsetzung der .NET-Technologie von Microsoft, einer Umgebung, die Betriebssystemfunktionen zusammenfasst und zentral anbietet. Dadurch sind .NET-Programme unter jedem Betriebssystem lauffähig, für das es einen .NET-Interpreter gibt wie Mono unter Linux. In der Praxis scheitert dies jedoch häufig, weil es beispielsweise die von Windows genutzte Fensterverwaltung unter Linux nicht gibt. Das Mono-Projekt ist umstritten, weil Microsoft die .NET-Technologie patentiert hat und damit möglicherweise künftig für den Einsatz von Mono Patentgebühren einklagen könnte.

F-Spot liest die Bilder frei wählbarer Verzeichnisse ein und zeigt sie übersichtlich an. Standardmäßig sortiert das Programm die Fotos nach ihren Entstehungsdaten. Dabei erleichtert eine Zeitlinie die Navigation durch die Fotos verschiedener Urlaubsreisen. Die gespeicherten Bilder lassen sich nach Schlagwörtern kategorisieren; damit erstellt man im Handumdrehen benutzerdefinierte Dia-Shows. Darüber hinaus bietet F-Spot einfache Bildbearbeitungsfunktionen, wie zum Beispiel das Entfernen roter Augen aus Blitzlichtaufnahmen und Farbanpassungen.

Das Programm Tomboy soll Gnome-Benutzern helfen, das Papierchaos auf ihrem Schreibtisch zu reduzieren, indem es einen virtuellen Notizblock bereitstellt. Darin notiert der Anwender beliebige Texte, die er mit einem einfachen Tastendruck jederzeit wieder einblendet. Ob das wirklich eine Vereinfachung gegenüber einem Notizzettel aus Papier darstellt, ist fraglich, da das primär von den jeweiligen Ordnungssystemen des echten Schreibtischs und der virtuellen Arbeitsoberfläche abhängt -- auch digitale Notizzettel kann man so leit vergessen, wie die papierne Alternative.

Aktueller und besser

Die neue Version 2.16 des Gnome-Desktops legt den Schwerpunkt darauf, die Bedienung der Arbeitsoberfläche noch mehr zu vereinfachen. So sorgt die neu hinzugekommene Anwendung Baobab (Abbildung 4) dafür, dass man sich schnell einen grafischen Überblick darüber verschafft, welche Verzeichnisse und Dateien den meisten Festplattenplatz verbrauchen.

Abb. 4: Baobab analysiert den Platzverbrauch auf der Festplatte, ohne den Benutzer auf die Kommandozeile zu schicken.

Viele weitere Anwendungen bringt Ubuntu 6.10 in aktualisierten Versionen mit: Wer die KDE-basierte Ubuntu-Variante Kubuntu vorzieht, findet darin Ausgabe 3.5.5 der Desktop-Umgebung. Der beliebte Browser Firefox durchstöbert nun in der brandneuen Version 2.0 das World Wide Web.

Als Betriebssystemkern kommt der Linux-Kernel in Version 2.6.17 zum Einsatz. Um den Boot-Vorgang zu beschleunigen, haben die Entwickler das neue Initialisierungssystem Upstart integriert. Doch von diesen Änderungen unter der Haube bekommt der Endbenutzer wenig mit, da die Performance-Steigerung bei der normalen Arbeit am Rechner nicht spürbar ist.

Nachrichtenflaute

Dass nur vier Monate Entwicklungszeit zwischen der neuen Ubuntu-Version und ihrem Vorgänger liegen, macht sich im Mangel an Neuigkeiten deutlich bemerkbar. Lediglich die in den Desktop-Oberflächen Gnome und KDE enthaltenen Features sorgen für einen sichtbaren Unterschied. Im Wesentlichen kann man Ubuntu 6.10 jedoch als Zwischen-Update betrachten, das den alten Release-Rhythmus wiederherstellt und kleine Veränderungen einführt, die sich in künftigen Versionen auswirken werden. Das Initialisierungssystem Upstart soll sich beispielsweise in der Zukunft um die automatische Erkennung von angeschschlossenen USB-Geräten kümmern.

Wer trotz der wenigen Neuerungemn ein bereits installiertes Ubuntu-System auf den aktuellen Stand bringen möchte, etwa weil der neue Kernel die Energiesparmodi seines Notebooks besser unterstützt oder aus Neugier auf die neuen Gnome- und KDE-Versionen, stößt dabei normalerweise auf keine Probleme. Nur wer viele Pakete installiert hat, die nicht zur Standardinstallation gehören, stolpert manchmal über einige Probleme mit Paketabhängigkeiten -- um sie zu lösen, braucht es häufig Erfahrung im Umgang mit dem Paketmanagement.

Dass Ubuntu zu diesem Zeitpunkt überhaupt eine neue Version herausgebracht hat, erklärt sich hauptsächlich damit, dass man das positive Image, das Ubuntu wegen der verlässlichen Veröffentlichungszyklen genießt, das aber durch die Verzögerung bei der letzten Version gelitten hat, nicht noch weiter strapazieren wollte. Ein Hinweis darauf, dass auch die Entwickler Edgy Eft nicht als großen Meilenstein betrachten, ist, dass die sonst vor jedem Ubuntu-Release heftig gerührte Werbetrommel dieses Mal relativ still geblieben ist. (amu)

Infos
[1] Distributions-Preview: Marcel Hilzinger, Oliver Frommel, Andrea Müller, "Distributionsquartett", EasyLinux 09/06, S. 24 ff.

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