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Erschienen in EasyLinux 01/2007   »   Ausgabe bestellen

Mandriva Linux 2007 PowerPack Pro

Linux all inclusive

Andrea Müller


Einmal im Jahr erscheint eine neue Version von Mandriva Linux. Neben der im Internet frei erhältlichen Variante Free Mandriva bietet die französische Firma mit dem PowerPack Pro auch ein Box-Produkt an, daszusätzliche Treiber und Software enthält. EasyLinux testet, ob sich der Kauf lohnt.

Bereits in der letzten Ausgabe haben wir die freie Version von Mandriva Linux einem ersten Test unterzogen. Neben der guten Hardware-Erkennung und der umfangreichen Software-Ausstattung gab es jedoch einige Kritikpunkte. Nachdem der Distributor seit Anfang Oktober das PowerPack Pro anbietet, werfen wir diesmal einen Blick auf die Box-Version. Wir verraten, ob die Fehler aus unserem Test der freien Version inzwischen behoben sind, und zeigen, welche zusätzlichen Pakete dem PowerPack Pro beiliegen. Sie erhalten es zu einem Preis von ca. 60 Euro, beispielsweise im Online Shop von Mandriva Deutschland [2].

Einfache Installation

Die Installationsroutine des PowerPack Pro unterscheidet sich nur in Details von jener der freien Version: Die Software-Auswahl umfasst wesentlich mehr Pakete und kopiert in der Standardeinstellung auch die wichtigsten Entwicklerpakete auf die Festplatte (Abbildung 1). Wer mit seinem Plattenplatz haushalten muss, kann diese Paketgruppe deaktivieren -- man benötigt sie nur, wenn man Software aus den Quellen übersetzen oder gar selbst programmieren will.

Abb. 1: Beim PowerPack Pro umfasst die Software-Auswahl standardmäßig mehr Pakete als bei Free Mandriva 2007.

Steckt im Rechner eine Grafikkarte von NVidia oder ATI, weist der Installer darauf hin und fragt, ob er den Herstellertreiber mit 3D-Beschleunigung einspielen soll (Abbildung 2). In der Zusammenfassung der Installation besteht dann die Option, 3D-Desktop-Effekte zu aktivieren und die gewünschte Bildschirmauflösung einzustellen. Möchten Sie dort auch gleich den Drucker einrichten, sollten Sie zuvor das Netzwerk bzw. Ihre Internetverbindung konfigurieren -- das gelingt bei der kommerziellen Version der Distribution im Gegensatz zur letzten Monat getesteten freien Version auch dann, wenn der Computer seine IP-Adresse per DHCP erhält. Der Druckerassistent benötigt die Netzwerkkonfiguration, um zu entscheiden, ob er nur nach lokalen oder auch nach Netzwerkdruckern suchen soll. Wer nur einen lokalen Drucker nutzt, kann die Warnmeldung des Assistenten einfach wegklicken und sich später um die Netzwerkeinstellungen kümmern.

Abb. 2: Das PowerPack Pro bringt viele Herstellertreiber, wie etwa für NVidia-Karten, mit und richtet diese direkt bei der Installation ein.

Nach dem ersten Start des neu installierten Systems funktioniert im Gegensatz zu der in EasyLinux 09/2006 getesteten freien Version die Maus auf Anhieb, so dass man sofort anfangen kann, Mandriva Linux 2007 zu erkunden.

Multimedia-Talent

Die kommerzielle Version bringt vor allem im Multimediabereich viele zusätzliche Pakete mit, die besonders Linux-Neulingen viel Arbeit und Recherche abnehmen. MP3-Dateien spielt auch Free Mandriva von Haus aus ab, das PowerPack Pro punktet zusätzlich mit dem Flash- und Realplayer und den dazu passenden Browser-Plug-ins. Ein echtes Highlight ist der DVD-Player LinDVD, der out of the box CSS-verschlüsselte DVDs [3] abspielt. Nach dem Einlegen einer DVD lässt sich das Programm über die Auswahlbox in Abbildung 3 starten und bietet, sofern noch nicht geschehen, an, die DVD-Region des Laufwerks zu setzen. Im Äußeren und in der Bedienung ähnelt die Anwendung von Intervideo dem Programm WinDVD derselben Firma (Abbildung 4).

Bislang bringt nur Mandriva Linux 2007 LinDVD von Haus aus mit, Anwender von Suse und Ubuntu Linux können das Programm unter [4] für 40 Euro bestellen.

Abb. 3: Beim Einlegen einer DVD bietet Mandriva Linux automatisch den Start des Players LinDVD an.

Abb. 4: LinDVD ermöglicht es auch unter Linux, CSS-verschlüsselte DVDs abzuspielen, ohne eine Bibliothek zu nutzen, die diesen Kopierschutz umgeht.

Sanfter Umstieg

Neben Mandriva Linux für 32- und 64-Bit-Systeme liegt dem PowerPack eine Add-On-DVD bei, die sich vor allem an Windows-Umsteiger und alle die richtet, die noch nicht ganz auf Windows-Programme verzichten können oder wollen. Mit einer 30-Tage-Testversion von CrossOver Office [5] ist es möglich, Anwendungen wie Microsoft Office und Dreamweaver auch unter Linux auszuführen.

Eine ebenfalls auf 30 Tage beschränkte Testversion von Moneyplex hilft Nutzern, die ihre Konten am PC verwalten. Der Spiele-Emulator Cedega [6] liegt als Vollversion mit einer dreimonatigen Update-Berechtigung bei. Mit Hilfe dieses um 3D-Fähigkeiten erweiterten Wine kann man aktuelle Windows-Spiele wie World of Warcraft und Oblivion unter Linux ausführen. Das Programm verrichtet auch nach Ablauf des Update-Zeitraums seinen Dienst, man erhält dann nur keine Aktualisierungen mehr, die Cedega um Features erweitern und Unterstützung für neue Spiele enthalten.

Praktisch sind auch die Image-Dateien von Mandriva Go, die sich ebenfalls auf der Add-On-DVD befinden. Auf CD gebrannt erhält man mit ihnen ein Mandriva-Linux-Live-System für unterwegs. Man hat so nicht nur seine gewohnte Arbeitsumgebung immer dabei, sondern kann auch neugierigen Windows-Anwendern die Vorzüge von Linux demonstrieren, ohne dass deren Daten in Gefahr geraten. Für alle, die erst einmal wissen wollen, ob Mandriva Linux die eigene Hardware unterstützt, ist Mandriva Go das ideale Testsystem.

Verspielt

Mandrivas Herz für Spieler zeigt sich auch an den weiteren Zusatzprogrammen auf der Add-On-DVD. Der Distributor hat die besten Linux-Spiele zusammengestellt, die sich in den meisten Fällen durch Entpacken des Archivs installieren lassen. Alle anderen bringen einen grafischen Installationsassistenten mit. Zur Spielesammlung gehören unter anderem der Flugsimulator Flightgear [7], der Colonization-Klon Freecol, bei dem es gilt, Amerika zu besiedeln, eine Tennissimulation, 3D-Billard und das umfangreiche Online-3D-Fantasy-Rollenspiel Planeshift.

Und noch viel mehr

Weiterhin lockt das PowerPack mit einer einmonatigen Silber-Mitgliedschaft im Mandriva-Club, über den der Distributor aktuelle Softwarepakete anbietet, 90 Tagen deutschsprachigem Support und einem fast 370 Seiten dicken Handbuch. Neben einem ausführlichen Kapitel zur Installation beschreibt es, wie der Linux-Einsteiger die ersten Schritte unter KDE meistert, E-Mails verfasst, mit Konqueror im WWW surft, Videos schaut und MP3-Dateien abspielt, CDs brennt und auf Digitalkameras und Scanner zugreift. Der zweite Teil des Handbuchs widmet sich administrativen Themen, wie der Paketverwaltung, dem Einrichten von Hardware und der Systemkonfiguration. Er beschränkt sich allerdings auf die Module des Kontrollzentrums, ohne einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Der dritte Teil bietet eine Einführung in die Arbeit auf der Kommandozeile und behandelt Besonderheiten beim Betrieb von Linux auf Notebooks.

Linux-Neulinge, die möglichst wenig von Hand einrichten wollen, erhalten mit dem PowerPack Pro eine Art Rundum-Sorglos-Paket, das die wichtigsten Hardwaretreiber von Haus aus mitbringt und vor allem im Multimediabereich überzeugt. Das leicht verständliche Handbuch, das die meisten Arbeitsschritte auch bildlich darstellt, ist ein weiterer Pluspunkt und beantwortet die häufigsten Fragen beim Linux-Einstieg. Wenn es doch einmal klemmt, bleibt immer noch die Option, sich an den Telefon-Support zu wenden.

Erfahrene Anwender, die LinDVD und Cedega nicht benötigen und Herstellertreiber sowie nicht freie Anwendungen wie den Acrobat Reader und den Flash- und Realplayer selbst installieren, werden wahrscheinlich auch mit Free Mandriva 2007 glücklich. Allerdings kostet es einiges an Zeit und Handarbeit, die freie Version so auszustatten wie das PowerPack Pro. (amu)

Infos
[1] Artikel über Free Mandriva 2007: Andrea Müller, "Neues aus Frankreich", EasyLinux 09/2006, S. 48 ff.
[2] Mandriva Deutschland: http://www.mandriva.de
[3] Grundlagenartikel über rechtliche Probleme beim Abspielen CSS-verschlüsselter DVDs unter Linux: Hans-Georg Eßer, "DVD und MP3 -- nein danke?", EasyLinux 09/2004, S. 64 f., http://www.easylinux.de/2004/09/064-basics/
[4] LinDVD für Suse und Ubuntu-Linux: http://www.pseudonym.org/shop/catalog/details?shop_param=cid%3D1%26aid%3D1%26
[5] Artikel über CrossOver Office: Hans-Georg Eßer und Thomas Leichtenstern, "Nachgeahmte Fenster", EasyLinux 05/2005, S. 29 ff.
[6] Cedega-Artikel: Andrea Müller, "Spielerparadies", EasyLinux 05/2005, S. 25 ff.
[7] Flightgear-Artikel: Kristian Kißling und Andrea Müller, "Bunte Mischung in 3D", EasyLinux 02/2006, S. 40 ff.

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