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Erschienen in EasyLinux 01/2007   »   Ausgabe bestellen

Xandros Desktop Professional 4.1

Bitte umsteigen!

Heike Jurzik


Mit wenigen Klicks ans Ziel: Die Xandros-Entwickler versprechen eine unkomplizierte Installation, gute Hardwareerkennung und eine Oberfläche, in der sich Ein- und Umsteiger direkt zu Hause fühlen. Wir haben die deutsche Neuauflage der Distribution unter die Lupe genommen.

Neuigkeiten aus dem Hause Xandros [1]: Nach der englischen Ausgabe 4.0 (wir berichteten [2]) ist nun die deutsche Version der Debian-basierten Linux-Distribution erschienen. Bei Xandros Desktop Professional 4.1 werkelt unter der Haube Kernel 2.6.18, als X-Server kommt X.org 7.1 zum Einsatz. Ebenfalls mit an Bord: KDE 3.4.2, Firefox 2.0 und CrossOver Office 5.9.1. Wer es gerne bunt mag, freut sich in der neuen Version über die schicken 3D-Effekte auf dem Desktop. Screenshots der grafischen Effekte und eine Auflistung der unterstützten Grafikkarten finden Sie unter [3]. Weiterhin verbesserten die Entwickler nach Angaben von Xandros die Unterstützung von WLAN-Karten. Die getestete Professional-Version unterscheidet sich von der Home-Variante in folgenden Punkten:

Kompatibilität zu Microsoft Windows erfahren Anwender nicht nur durch Codeweavers CrossOver Office [4], sondern auch mit dem Xandros-Dateimanager, der per Mausklick auf Windows-Netzwerke, freigegebene Ordner und Drucker zugreift. Darüber hinaus ist es dank Paragons "NTFS für Linux" [5] möglich, auf NTFS-Partitionen nicht nur lesend, sondern auch schreibend zuzugreifen.

Installation

Der Distributor bietet zwei Möglichkeiten an, Xandros auf die Platte zu bringen: die Expressinstallation und die benutzerdefinierte Installation. Die Express-Variante spielt Xandros Desktop Professional mit sämtlichen Standardeinstellungen ein -- die Möglichkeit, selbst zu partitionieren und gezielt Software auszuwählen, bietet diese Methode nicht. Das ist ein ideales Szenario für Benutzer, die ohne große Umschweife Xandros verwenden wollen: Sie geben lediglich das Administratorpasswort, den Rechner- und Benutzernamen samt Kennwort ein, und schon geht's los. Diese Variante benötigt mindestens 2 GByte freien Festplattenspeicher.

Die benutzerdefinierte Installation lässt Ihnen mehr Entscheidungsspielraum. Zunächst wählen Sie zwischen den Installationsvorgaben

Soll sich Xandros Desktop Professional 4.1 die Festplatte mit anderen Betriebssystemen teilen, ist die benutzerdefinierte Installation der richtige Weg: Der Partitionierungsassistent bietet u. a. Optionen zum Verkleinern vorhandener Partitionen (auch von Windows-Systemen) an. Im Test reduzierte der Installer die NTFS-Partition ohne Probleme auf die gewünschte Größe; einen entsprechenden Eintrag im Bootmenü legt er ebenfalls an.

Schlägt eine der beiden Installationsvarianten fehl, beispielsweise wegen falsch erkannter Hardwarekomponenten, drücken Sie kurz nach dem Rechnerstart die Leertaste, um zum Troubleshooting-Menü zu gelangen. Dieses stellt Ihnen verschiedene Bootparameter zur Verfügung, welche die mitgelieferte Dokumentation ausführlich erklärt.

Das neue Zuhause

Xandros hat sich auf die Fahnen geschrieben, Windows-Anwendern den Umstieg auf ein Linux-System so leicht wie möglich zu machen. Dazu trägt nicht nur die aufgeräumte Oberfläche, sondern auch der Dateimanager, der dem Windows Explorer nachempfunden ist, bei (Abbildung 1). Sofern Xandros neben Windows installiert wurde, hängt die Distribution die vorhandenen Windows-Partitionen automatisch ein und versieht sie mit Windows-typischen Laufwerksbuchstaben (z. B. C:\). Für den Schreibzugriff auf NTFS-Partitionen stellt Xandros als festen Bestandteil der Distribution Paragons kommerziellen Treiber "NTFS für Linux" bereit.

Abb. 1: Der Xandros-Desktop präsentiert sich übersichtlich und aufgeräumt -- hier finden sich Einsteiger schnell zurecht.

Auch im Multimediabereich punktet Xandros: Die Distribution bringt Player für alle gängigen Audio- und Videoformate mit und spielt diese anstandslos ab; Unterstützung für CSS-geschützte DVDs gibt es jedoch nicht. Dafür enthält Xandros Real- und Flash-Player, und auch die entsprechenden Browser-Plug-ins funktionieren out of the box.

Das CD- und DVD-Brennprogramm ist praktischerweise direkt in den Dateimanager integriert. Per Klick auf Alle Dateien auf Disk schreiben oder Alle Dateien zum Disk-Projekt hinzufügen wandern die Daten auf die Silberscheiben oder in einen Sammelordner. Alternativ ziehen Sie Dateien per Drag & Drop auf den Ordner DVD-Schreiber.

Systemverwaltung leicht gemacht

Zum Installieren, Aktualisieren und Entfernen von Programmen bringt Xandros die Anwendung Xandros Networks mit. Voraussetzung für das Einspielen von Updates und zusätzlichen Programmen ist eine bestehende Internetverbindung. Die eingebaute Suchfunktion und die Baumansicht im linken Bereich des Fensters erleichtern die Navigation und bieten schnellen Zugriff auf neue, aktualisierte und installierte Anwendungen sowie den Onlineshop (Abbildung 2).

Abb. 2: Der an Debians Aptitude angelehnte Paketmanager "Xandros Networks" erlaubt das komfortable Verwalten von Paketen und Updates.

Im Gegensatz zu früheren Versionen der Distribution ist es nicht mehr notwendig, eine komplizierte Registrierungsprozedur zu durchlaufen, um Zugriff auf aktualisierte Anwendungen und Sicherheitsupdates zu erhalten. Lediglich der Einkauf im Onlineshop erfordert eine Anmeldung. Ein in den Systemabschnitt der Kontrollleiste eingebettetes Applet zeigt darüber hinaus selbständig an, ob neue Updates verfügbar sind.

Ein weiteres Applet in der Kontrollleiste startet per Mausklick die Security Suite: Die ansprechende Benutzeroberfläche bietet Zugriff auf den Virenscanner (ClamAV), die Firewall (IPTables) und den System File Protector (chkrootkit). An den unter [2] genannten Kritikpunkten hat sich seit dem letzten Review nicht viel geändert; das beschriebene Manko in Bezug auf die komplizierte Installation von Sicherheitsupdates und die Rechtevergabe beim Windows Sharing wurden zwischenzeitlich behoben.

Ein Pluspunkt ist die Dokumentation: Die beiden Handbücher, die der Distribution im PDF-Format beiliegen, sind lesenswert. Auf die Zielgruppe ausgerichtet und in verständlicher Sprache erfahren Sie hier alles Wesentliche zum neuen Betriebssystem.

Fazit

Die Installation der Distribution ist ein Kinderspiel und mit wenigen Mausklicks erledigt. Der Desktop präsentiert sich übersichtlich und ist ganz auf Windows-Anwender ausgerichtet, so dass sich Umsteiger schnell zurechtfinden. Wer bereits Erfahrungen mit anderen Distributionen gesammelt hat, braucht vielleicht wegen des Linux-untypischen Aufbaus etwas Eingewöhnungszeit. Viel Vertrautes werkelt zwar unter der Haube, hat jedoch möglicherweise einen anderen Namen: Der Mediaplayer Amarok hört beispielsweise auf "Musik-Manager", Digikam heißt jetzt "Photo Manager", und hinter dem "Video Player" verbirgt sich Xine. Möglicherweise erleichtert das Umbenennen der bekannten und beliebten Programme die Eingewöhnung, jedoch könnten Xandros-Anwender im Vergleich mit Nutzern anderer Linux-Distributionen vielleicht bald eine andere Sprache sprechen.

Insgesamt macht Xandros Desktop Professional 4.1 einen runden Eindruck und kann sich sehen lassen. Die Integration eigener Entwicklungen in altbewährte Konzepte ist gut gelungen, wenn auch die Namensgebung bekannter Programme teilweise verwirrt. Dennoch bietet Xandros Windows-Umsteigern eine benutzerfreundliche und stabile Linux-Distribution -- nicht zuletzt dank der sehr guten Dokumentation. (tle)

Xandros im Detail

Name: Xandros Desktop Professional 4.1

Paketformat: .deb (Debian-basiert)

Umfang: 1 DVD-ISO-Image, zwei Handbücher und ein Gutschein für 30 Minuten Telefonzeit mit Skype.

Preis: Testversion (30 Tage) ist kostenlos. Downloadversion der Professional Edition 4.1 inklusive Handbüchern im PDF-Format 99,99 Euro.

Sonstiges: Für die Home-Premium-Edition 4.1 ist eine Boxversion geplant, die voraussichtlich im Februar 2007 in den Handel kommt und laut Aussage des Herstellers etwa 60 Euro kosten wird.

Infos
[1] Deutsche Xandros-Webseite: http://de.xandros.com/index.html.de
[2] Xandros-4.0-Test: Thomas Leichtenstern, "Nah dran": http://www.easylinux.de/2006/09/120-xandros/
[3] 3D-Effekte für den Desktop: http://de.xandros.com/products/business/dsk_professional/3deffects.html
[4] CrossOver-Office-Artikel: Hans-Georg Eßer, "CrossOver Office", EasyLinux 07/2004, S. 12 ff., http://www.easylinux.de/2004/07/012-crossover/
[5] "NTFS für Linux" von Paragon: http://www.ntfs-linux.de/

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