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Heike Jurzik
Gnomes Dateimanager verwaltet nicht nur Ihre Daten, sondern ist auch für die Darstellung des Desktops verantwortlich: Alles, was im Verzeichnis Desktop Ihres Home-Verzeichnisses liegt, präsentiert Gnome auf der Arbeitsfläche. Wer anstelle des Mülleimersymbols und verschiedener Programmschnellstarter das eigene Home-Verzeichnis im Blick haben möchte, stellt dieses Verhalten über den GConf-Editor ein:
Auf dem Desktophintergrund tummeln sich nun sämtliche Dateien und Ordner aus dem Home-Verzeichnis des Anwenders. Da das je nach Füllstand des Ordners recht unübersichtlich sein kann, bietet Gnome eine einfache Möglichkeit, gezielt bestimmte Dateien und Ordner auszublenden. Dazu legen Sie im Home-Verzeichnis eine versteckte Datei namens .hidden an und tragen dort die Störenfriede ein:
nautilus -q
in einem Terminalfenster neu.
Gnomes Dateimanager leistet nicht nur auf dem lokalen Rechner gute Dienste, sondern erlaubt auch Zugriff auf Maschinen im lokalen Netzwerk oder im Internet. Über Datei / Mit Server verbinden öffnet sich ein Dialog, in dem Sie komfortabel neue Verbindungen konfigurieren. Im Drop-down-Menü Dienste-Typ wählen Sie die Art der Verbindung: Hier stehen SSH, FTP (mit und ohne Zugangsbeschränkung), Windows-Freigaben, WebDAV (HTTP und HTTPS) sowie eine benutzerdefinierte Verbindung zur Verfügung.
Um beispielsweise mit Nautilus über SSH auf einen anderen Rechner zuzugreifen, wählen Sie aus dem Menü SSH und tragen ins Feld Server den Namen oder die IP-Adresse des Rechners ein. Die weiteren Angaben sind optional. Hier ist Raum für ein Startverzeichnis, den Benutzernamen und einen Namen für die neue Verbindung (Abbildung 2). Nachdem Sie die Verbindungseinstellungen eingetragen haben, doppelklicken Sie auf das entsprechende Icon und geben Ihr Kennwort ein. Nautilus präsentiert dann den Inhalt des entfernten Computers im lokalen Dateimanagerfenster.
Mit Gnomes Dateimanager greifen Sie auch ganz bequem auf FTP-Server zu und übertragen Daten per Drag & Drop. Rufen Sie dazu den Menüpunkt Datei / Mit Server verbinden auf und wählen Sie aus dem Drop-down-Menü zum Beispiel Öffentlicher FTP, um mit einem Server ohne Zugangsbeschränkung Verbindung aufzunehmen. Ins Feld Server gehört die Adresse des Servers (Name oder IP-Adresse), die restlichen Felder sind wiederum optional. Klicken Sie abschließend auf Verbinden und doppelklicken Sie auf die neue Verbindung, um Kontakt aufzunehmen.
Nautilus zeigt anschließend den Inhalt des FTP-Servers im Dateimanagerfenster an. Wenn Sie ein zweites Nautilus-Fenster öffnen, können Sie einzelne oder mehrere Dateien oder Verzeichnisse mit der Maus auf den lokalen Rechner übertragen.
Linux trennt zwischen Benutzer- und Administrator-Account. Da root alles darf, ist es nicht ratsam, dauernd unter dieser Benutzerkennung zu arbeiten [1]. Um grafische Anwendungen wie beispielsweise den Dateimanager mit Root-Rechten zu starten, steht Ihnen unter Gnome das Tool gksu zur Verfügung. Öffnen Sie ein Schnellstartfenster über [Alt-F2] und geben Sie
gksu nautilus
ein. Ins aufgehende Dialogfenster schreiben Sie das Root-Passwort, und Nautilus startet einen Dateimanager mit den Rechten des Systemverwalters. Benutzer von Ubuntu Linux ersetzen im Aufruf gksu durch gksudo und authentifizieren sich mit ihrem eigenen Kennwort.
Wie bei einem Webbrowser, ist es auch im Dateimanager möglich, Lesezeichen für häufig besuchte Orte zu setzen. Arbeiten Sie beispielsweise oft im Verzeichnis /home/benutzer/Dokumente/uni/physik/ws_2006_2007/, sparen Sie viel Tipp- und Klickarbeit, wenn Sie über Lesezeichen / Lesezeichen hinzufügen einen Bookmark für diesen langen Pfad hinzufügen. Sie erreichen und verwalten die Lesezeichen über den gleichnamigen Menüeintrag. Im Dateisystem finden Sie alle Bookmarks in der versteckten Datei ~/.gtk-bookmarks in Ihrem Home-Verzeichnis.
Wie Sie in der letzten Folge der Gnome-Tipps gelesen haben, ist gThumb weit mehr als nur ein einfacher Bildbetrachter: Das Programm bietet auch fortgeschrittene Features zur Bildbearbeitung, hilft dabei, die Schnappschüsse zu organisieren, importiert Aufnahmen aus Digitalkameras und vieles mehr. Ebenfalls mit an Bord ist eine Funktion zum Erstellen von HTML-Webalben. So basteln Sie eine einfache Galerie:
Abbildung 3 zeigt, wie ein von gThumb erstelltes Webalbum mit Beschriftungen aussieht.
Ein weiteres praktisches Feature des Betrachters ist das Konvertieren von Bildformaten. Wählen Sie einfach eines oder mehrere Fotos aus und rufen Sie im Menü Werkzeuge / Format umwandeln auf. Im folgenden Dialog stellen Sie mit einem Klick in die entsprechende Checkbox das gewünschte Format ein; es stehen JPEG, TGA, PNG und TIFF zur Wahl. Entscheiden Sie über das Drop-down-Menü Speicherort, wohin gThumb die verwandelten Schnappschüsse schreibt. Praktischerweise können Sie dem Programm auch gleich mitteilen, wie es sich verhalten soll, falls in dem Ordner schon eine Datei mit demselben Namen liegt: Das bestimmen Sie im Menü Falls vorhanden. Auf Wunsch entfernt gThumb nach der Konvertierung auch das Originalbild. Klicken Sie auf Umwandeln, nimmt der Bildbetrachter die Arbeit auf.
Um die Größe einzelner oder aller Fotos eines Ordners anzupassen, markieren Sie zunächst die gewünschten Bilder und wählen dann im Menü Werkzeuge / Skaliere Bilder. Geben Sie die neuen Abmessungen ein; standardmäßig behält gThumb das Seitenverhältnis bei, was Sie aber durch Deaktivieren der entsprechenden Option verhindern können. Praktischerweise bietet der Dialog an, die skalierten Fotos in einem anderen Bildformat abzulegen. Auch für dieses Feature stellen Sie ein, wo die neuen Fotos auf der Platte landen sollen, was passiert, wenn es schon eine Datei mit demselben Namen gibt, und ob gThumb das Original nach getaner Arbeit löschen soll.
Gnomes Standardtexteditor hilft Ihnen, den Überblick zu behalten: Zur besseren Übersicht schalten Sie beispielsweise die Zeilennummerierung ein, indem Sie im Menü Bearbeiten den Eintrag Einstellungen auswählen. Auf dem ersten Reiter des Einrichtungsdialogs (Ansicht) setzen Sie ein Häkchen vor Zeilennummern anzeigen.
Noch übersichtlicher wird das Ganze, wenn Sie das Feature Aktuelle Zeile hervorheben aktivieren. Die Zeile, in der sich der Cursor befindet, färbt GEdit nun hellgrau ein. Wenn Sie die Ansicht der Zeilennummern eingeschaltet haben, hebt GEdit die Ziffern darüber hinaus fett hervor.
Im Dialog Bearbeiten / Einstellungen richten Sie auf dem Reiter Schrift und Farben Schrifttyp, -größe und -farbe ein. Weiterhin definieren Sie hier, wie Vorder- und Hintergrund des Texteditors eingefärbt sind (Standard ist schwarze Schrift auf weißem Grund). In diesem Bereich geben Sie ebenfalls vor, wie hervorgehobener (markierter) Text erscheint.
Darüber hinaus ist es möglich, das Syntax-Highlighting für die verschiedenen Hervorhebungsmodi, beispielsweise für HTML-Dateien, zu konfigurieren. Anders als die meisten Gnome-Anwendungen bietet gedit in diesem Bereich eine Schaltfläche Auf Vorgaben zurücksetzen, mit der Sie die Standardeinstellungen jederzeit wiederherstellen.
Über Bearbeiten / Datum und Uhrzeit einfügen bringen Sie GEdit dazu, an der aktuellen Cursorposition das Datum und/oder die Uhrzeit einzusetzen. Dabei können Sie zwischen verschiedenen Formaten wählen (Abbildung 4). Verantwortlich für dieses Feature zeigt sich eines von vielen Plug-ins. Informationen und Möglichkeiten zur Aktivierung und Deaktivierung finden Sie im Einrichtungsdialog von GEdit auf dem Reiter Plugins.
Hier gibt es außerdem Erweiterungen, welche die Groß- und Kleinschreibung verändern, den Benutzernamen an der Cursorposition einfügen, häufig verwendete Floskeln zur Verfügung stellen und so weiter. Markieren Sie jeweils einen Eintrag in der Liste und klicken Sie auf die Schaltfläche Info zu Plugin, um Auskünfte über die Funktionsweise zu erhalten. Sämtliche aktivierten Erweiterungen finden Sie anschließend im Menü Bearbeiten.
Für jedes neue Dokument öffnet GEdit einen neuen Reiter, wie in einem Webbrowser. Diese Tabs können Sie per Drag & Drop durch die Gegend bewegen. Ziehen Sie einen Reiter aus GEdit auf eine freie Stelle des Desktops, öffnet sich ein neues Editorfenster mit diesem Dokument. Alternativ ziehen Sie einen Reiter auf ein weiteres GEdit-Fenster, um in diesem einen neuen Tab zu öffnen.
Um schnell über die Tastatur von einem Reiter zum nächsten zu springen, drücken Sie die Alt-Taste und die entsprechende Ziffer, also beispielsweise [Alt-2] für den zweiten Tab, [Alt-3] für den dritten und so weiter. Alternativ wandern Sie mit [Strg-Alt-Bild runter] bzw. [Strg-Alt-Bild hoch] zwischen den Tabs hin und her. Um alle Dokumente in allen Reitern gleichzeitig zu speichern, verwenden Sie die Tastenkombination [Strg-Umschalt-L], einen einzigen Reiter schließen Sie mit [Strg-W], alle zusammen über [Strg-Umschalt-W].
Ein praktisches, aber weitgehend unbekanntes Feature bietet Gnomes Arbeitsflächenumschalter, den Sie in der Regel im unteren Panel finden. Um eine Anwendung von einem virtuellen Desktop auf einen anderen zu bewegen, müssen Sie nicht erst mit der rechten Maustaste auf die Fensterleiste klicken und aus dem Kontextmenü Auf andere Arbeitsfläche verschieben wählen. Schneller geht es, wenn Sie das Symbol im Umschalter selbst mit der linken Maustaste anfassen und auf einen anderen Desktop ziehen (Abbildung 5).

Wenn Sie mit der rechten Maustaste auf den Umschalter klicken und aus dem Kontextmenü Einstellungen wählen, können Sie nicht nur die Anzahl der Arbeitsflächen erhöhen (bis zu 36 sind möglich) und bestimmen, in wie vielen Zeilen das Panel diese anordnet, sondern den Desktops auch Namen zuweisen. Praktisch ist das für Benutzer, die beispielsweise auf dem ersten Desktop den Mailclient verwenden, auf dem zweiten im Web surfen, auf dem dritten den Audioplayer bedienen und so weiter.
Um dieses Feature zu nutzen, setzen Sie ein Häkchen vor Namen der Arbeitsflächen im Umschalter anzeigen. Per Doppelklick auf die Listeneinträge geben Sie den Arbeitsflächen nun eigene Namen (Abbildung 6).
Die beiden Gnome-Kontrollleisten können Sie durch zahlreiche Applets erweitern. Neben Menüs, Programmstartern und kleinen Monitorapplikationen, die beispielsweise den Prozessor oder die Netzwerkkarte überwachen, bietet Gnome allerhand Gimmicks, aber auch Dienstprogramme an. Ein praktischer kleiner Helfer ist das Applet Anwendung ausführen. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Leiste und wählen Sie Zum Panel hinzufügen. Im aufgehenden Dialogfenster markieren Sie im Bereich Dienstprogramme den entsprechenden Eintrag und bestätigen Ihre Wahl über die Schaltfläche Hinzufügen. Wenn Sie nun mit der linken Maustaste auf den Knopf im Panel klicken, öffnet sich der vertraute Schnellstarter, den Sie auch über die Tastenkombination [Alt-F2] erreichen.
Gnomes Schnellstarter hat eine History-Funktion, merkt sich also die letzten Programme, die Sie aufgerufen haben. Um frühere Kommandos zu wiederholen, klicken Sie auf den Pfeil neben dem Drop-down-Menü und blättern in der Liste zum gewünschten Eintrag. Auf Wunsch führt der Schnellstarter die Anwendung in einem Terminal aus (siehe gleichnamige Checkbox), und ein Klick auf Mit Datei ausführen öffnet einen Dateiauswahldialog.
Über einen Klick auf den Pfeil nach unten blenden Sie eine Liste bekannter Anwendungen ein. Praktisch ist die Liste vor allem, wenn Sie den Namen der Anwendung kennen, die Sie starten wollen, da der Schnellstarter nach der Eingabe der ersten Buchstaben nur noch passende Programme anzeigt. Geben Sie beispielsweise oben ins Feld ab ein, weil Sie die schlanke Textverarbeitung abiword aufrufen möchten, hat die Liste bekannter Anwendungen direkt einige Vorschläge, welche die Zeichenkette ab enthalten. Sobald die Eingabe eindeutig ist, vervollständigt der Schnellstarter den Befehl, und Sie übernehmen den Vorschlag per Druck auf [Eingabe] oder via Klick auf eine der bekannten Anwendungen. (amü)
| Infos |
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[1] Artikel über die Gefahren der Arbeit mit Root-Rechten: Inga Rapp, "Hier bin ich Root -- hier darf ich rein", EasyLinux 05/2004, S. 46 ff., http://www.easylinux.de/2004/05/046-root/
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Last modified: 2008-11-05 17:26
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