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Erschienen in EasyLinux 03/2007   »   Ausgabe bestellen

Kompatibilität verschiedener Office-Formate untereinander

Ein Kessel buntes

Thomas Leichtenstern


Jeder Produzent von Office-Paketen nimmt für sich in Anspruch, das optimale Dateiformat zu verwenden. Wie gut die enthaltenen Textverabreitungen mit anderen als den eigenen Formaten umgehen, zeigt dieser Test.

Mit Dokumentenformaten verschiedener Office-Versionen verhielt es sich in der Vergangenheit beinahe wie mit dem Turmbau zu Babel: Jeder redete eine andere Sprache, die der andere nicht verstand. Speziell MS Office tat sich in dieser Hinsicht besonders hervor, indem es mit jeder Release ein neues Format einführte, mit dem meist nicht einmal die Vorgängerversion zurecht kam.

Diesem Problem begegnete OASIS (Organization for the Advancement of Structured Information Standards) in den letzten Jahren mit einer Standardisierung von Dokumentenformaten. Heraus kam das Open Document Format, kurz ODF, das flächendeckend u. a. mit OpenOffice 2, StarOffice 8 und KOffice 1.4 eingeführt wurde. Wie üblich scherte Microsoft wieder aus und entwickelte parallel ein eigenes auf XML basierendes, offenes Dokumentenformat namens OpenXML. Wie weit die verschiedenen Formate von OpenOffice 2.2.1 [1], MS Office 2003 [2] und Softmaker Office 2006 [3] zueinander kompatibel sind, klärt der Test.

Um Open-Document-Formate mit MS Office zu öffnen, sponsort Microsoft das Projekt ODF Converter [4], das Add-ons für beinahe alle Office-Produkte zum kostenlosen Download bereitstellt. Um zu testen, wie akkurat der Import klappt, haben wir mit jeder Suite mehrere Testdokumente sowohl im Urpsprungs- als auch im DOC- und ODT-Format (soweit möglich) erstellt, das neben verschachtelten Tabellen auch Bilder und Feldbefehle sowie ein eingebettetes Diagramm enthält, und danach mit den anderen Office-Produkten geöffnet. Zusätzlich wurde in allen Dokumenten die Änderungsverfolgung aktiviert und ein Kommentar eingefügt, um auch diese Funktionen zu überprüfen.

MS Word 2003

Microsoft Office ist nach wie vor die am meisten genutzte Office-Suite. Diese Tatsache gilt es, beim Versenden von Dokumenten zu berücksichtigen. Ohne zusätzliche Hilfsmittel öffnet MS Word lediglich Dokumente im DOC- RTF- TXT- und HTML-Format. Relevant im täglichen Gebrauch sind jedoch nur die ersten beiden.

Beim Öffnen von OpenOffice-Dokumenten im DOC-Format mit MS Office macht OpenOffice mit einem brauchbaren Exportfilter eine passable Figur: Sowohl das eingebettete Diagramm als auch die Änderungsverfolgung stellt Word richtig dar. Zu Problemen kommte es allerdings mit verschachtelten Tabellen, das MS Word Tabellen zweiter Ebene nicht anzeigt.

Beinahe identisch verhält es sich mit der Anzeige von Softmaker Office Dokumenten im DOC-Format. Hier unterschlägt Word ebenfalls die verschachtelte Tabelle. Auch die Änderungsverfolgung funktioniert nur zum Teil, da eingefügte Sätze nicht als solche erkennbar sind. Das Öffnen der Softmaker-eigenen Dateitypen TMD verweigert MS Word komplett.

Um Texte im offenen ODT-Format von OpenOffice anzuzeigen, gilt es zunächst, das kostenlose Add-in ODF-Converter [4] herunterzuladen und zu installieren. Voraussetzung dafür ist jedoch die .NET 2-Umgebung, auf dem das Modul basiert. Um es in Office 2003 zu verwenden, müssen Sie weiterhin das Office Compatibility Pack installieren, das ebenfalls kostenlos zum Download [5] bereit steht. Danach Öffnen Sie mit MS Word sowohl ODT-Dokumente und speichern Textdateien in diesem Format ab. Außer der eingebetteten Statistik, die nicht erscheint, stellt Word das Testdokument im ODT-Format ohne Fehl und Tadel dar (Abbildung 1).

Abb. 1: Mit dem Add-in ODF-Converter zeigt MS Word Dateien im ODT-Format überraschend originalgetreu an. Lediglich das eingebettete Objekt in der Mitte der ersten Spalte fehlt.

OpenOffice 2.2.1

OpenOffice speichert in allen Word-Formaten von Version 6.0 bis 2000. Textdokumente für die getestete Version 2003 legt sie im XML-Format ab. Beim Öffnen von MS-Word-Dokumenten verhält sich OpenOffice beinahe mustergültig. Sowohl die eingebettete Statistik als auch die verschachtelte Tabelle zeigt es ebenso fehlerfrei an wie den enthaltenen Feldbefehl. Lediglich bei der Änderungsverfolgung erlaubt sich der Writer einen kleinen Fehler, indem er gelöschte Texte nicht als solche erkennt. Das Öffnen von ODT-Dokumenten, die mit MS Office gespeichert wurden, führte zum gleichen Resultat wie beim Word-Dokument was für das ODF-Add-on von Word spricht.

Anders sieht es beim Öffnen von Word-Dokumenten aus, die von Softmaker Office erstellt wurden. Weder erscheint der eingebettete Feldbefehl noch die Änderungsverfolung oder die Notiz. Lediglich die verschachtelte Tabelle stellt OpenOffice, abgesehen von der falschen Farbe, richtig dar. Wie MS Word unterstützt auch OpenOffice Writer das Softmakereigene Dateiformat TMD nicht und verweigert damit das Öffnen solcher Textdateien.

Softmaker Office 6

Softmaker Office eilt der Ruf voraus, Dokumente von MS Word originalgetreuer darzustellen als die Konkurrenz. Der Test belegt jedoch teils erhebliche Darstellungsfehler. Schon beim Öffnen des Testdokumentes weist die Textverarbeitung darauf hin, dass es OLE-Objekte (Object Link embedding) nicht darstellen könne. Das eingebettete Diagramm erscheint damit nicht. Tabellen stellt die Software allerdings weitgehend richtig dar, ohne jedoch die Tabellenfarbe wiederzugeben. Einige Patzer erlaubt sich die Software auch beim Darstellen der Änderungsverfolgung. Zwar zeigt sie korrigierte Texte an, gelöschte Sequenzen erkennt sie jedoch nicht. An Textpassagen angehängte Notizen zeigt Softmaker zwar an, verliert dabei allerdings die Positionierung im Text.

Beinahe identisch sieht es mit der Darstellung von Dokumenten im ODT-Format von OpenOffice aus. Allerdings stellt Textmaker hier die Tabelle wie im Original grau hinterlegt dar. Unbrauchbar ist dagegen die Darstellung von mit OpenOffice erstellten Dokumenten im DOC-Format (Abbildung 2). Darin stimmen weder die Positionierungen noch die Farben. Verschachtelte Tabellen unterschlägt Softmaker komplett. Beim Öffnen von mit MS Word erstellten ODT-Dokumenten stürzt das Programm kommentarlos ab.

Abb. 2: Das Öffnen des Testdokumentes im DOC-Format, das von OpenOffice erzeugt wurde, führt mit Softmaker zu einem beinahe unbrauchbaren Ergebnis.

Fazit

Die Kontrahenten konnten im Test weitgehend zufriedenstellend mit den Dokumenten der anderen Produkte umgehen. MS Word und der Writer von OpenOffice erlaubten sich wenig gravierende Fehler. Selbst eingebettete Objekte stellen beide Produkte meist fehlerfrei dar. Speziell MS Office hatte jedoch Probleme beim Darstellen verschachtelter Tabellen und zeigte diese oft nicht an. Enttäuschend war jedoch das Abschneiden von Softmaker Office. Nicht nur, dass er die Testdokumente am ungenauesten von allen Teilnehmern wiedergibt. Beim Versuch, ein mit MS Word erstelltes ODT-Dokument zu öffnen, stürzt das Programm ab. Eine Textdatei, mit OpenOffice im Word-Format abgespeichert, zeigt das Programm beinahe unbrauchbar an.

Der Preis für die korrekteste Darstellung von Fremdformaten gebührt zweifelsohne OpenOffice, das die Testdokumente im Durchschnitt ab orginalgetreuesten wiedergab. (tle)

Infos
[1] OpenOffice: http://de.openoffice.org
[2] Microsoft Office: office.microsoft.com/de-de/default.aspx
[3] Softmaker Office: http://www.softmaker.de
[4] ODF Converter: http://odf-converter.sourceforge.net
[5] Microsoft Office Compatibility Pack: http://www.microsoft.com/downloads/details.aspx?FamilyId=941b3470-3ae9-4aee-8f43-c6bb74cd1466&displaylang=de

Bewertungsmatrix
Office Suite:Softmaker Office-Dokumente (TMD und DOC) OpenOffice-Dokumente (ODT und DOC)MS Office 2003-Dokumente (DOC und ODT)
MS Office 2003- / OO / O (*)X
OpenOffice 2.2.1- / OX+ / + (*)
Softmaker OfficeX+ / O+ / - (*)
+ = Weitgehend fehlerfreier Import, O = Import mit gravierenden Darstellungsfehlern, - = Kein Import möglich.
(*) ODT-Import- und Export mit Hilfe des ODT-Converters.

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