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Thomas Pelkmann
Der Künstler, der vor rund 28.000 Jahren in einer Höhle in Aquitanien Bilder an die Wände kritzelte, wird für immer unbekannt bleiben. Mit seiner Arbeit hat er aber nicht nur einen gewissen Kunstverstand bewiesen, sondern auch die Haltbarkeit seiner "Informationen" über einen langen Zeitraum. Erst vor rund sieben Jahren entdeckten Höhlenforscher die Kunstwerke am Stein. Sie gehören seitdem zu den ältesten Nachweisen menschlicher Kultur.
Eine Behörde, die in Deutschland Akten für die Nachwelt erhalten möchte, schickt Kopien der Unterlagen an eine Münchner Firma. Die verfilmt das Material auf Mikrofiche und packt das ganze in einen anschließend luftdicht zu verschließenden Stahlzylinder. Die glänzende Umverpackung landet wenig später in einem ausgedienten Bergwerksstollen im Schauinsland in der Nähe von Freiburg. Dort, genauer: im St. Barbara Stollen, in dem einmal Probebohrungen für neue Silbervorkommen stattfanden, befindet sich der "Zentrale Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland" -- dreifach gesichert mit dem blauweißen Kulturgutschutzzeichen am Eingang. Die Haager Konvention legt fest, dass solche Örtlichkeiten auch im Kriegsfall allerhöchsten Schutz genießen; bereits im Frieden dürfen keine Flugzeuge diesen Ort überfliegen, der im übrigen gut versteckt vor ungebetenem Besuch im Schwarzwald liegt. In dem Stollen befinden sich Kopien von unwiederbringlichen Archivalien der Republik: die Baupläne des Kölner Doms zum Beispiel, die Krönungsurkunde Kaiser Otto des Großen oder die Vertragstexte des Westfälischen Friedens, die den Dreißigjährigen Krieg beendeten. Alle Akten lagern dort unter einer dicken Granitschicht bei einer konstanten Temperatur von 10 Grad Celsius und einer Luftfeuchte von 75 Prozent. Mindestens 500 Jahre, so versprechen die staatlich beauftragten Datenschützer, blieben dort gelagerte Akten für die Nachwelt erhalten.
Ein kurzer Zeitraum, verglichen mit den Höhlenmalereien aus Aquitanien, aber immer noch um ein Vielfaches länger als die Haltbarkeit digital erfasster Daten. Und nicht nur das: Die Mikrofilme aus dem Stollen sind schon mit bloßem Auge lesbar -- auf jeden Fall reicht ein einfaches Vergrößerungsglas zum Entziffern. Digitale Daten dagegen kann man nur dann auswerten, wenn entsprechende Lesegeräte zur Verfügung stehen. Kennen Sie einen Computer, der noch die biegsamen Floppy Disks lesen kann, die vor gerade mal 20 Jahren üblich waren?
Den meisten dieser einst revolutionär großen Speicherscheiben droht also ein ähnliches Schicksal wie einer Scheibe ganz anderer Art: Der Diskos von Phaistós ist aus gebranntem Ton und stammt aus der Bronzezeit (Abbildung 1). Vor 100 Jahren schon fanden Archäologen die Platte in einer minoischen Palastanlage auf Kreta. Seitdem haben sich Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen daran versucht, die 3500 Jahre alte Scheibe mit ihren 242 Zeichen zu entziffern -- bislang vergeblich [1].
Es gibt Menschen, die befürchten, dass nachkommende Generationen von uns noch weniger wissen werden, als wir von unseren Vorfahren -- und das bei einer Materialdichte, wie sie für die Geschichte der Menschheit einzigartig ist. So sind öffentliche Vorgänge beinahe lückenlos dokumentiert, aber auch private Zeitläufte gehören mit Fotos & Videos längst zu den am besten konservierten Ereignissen. Das Problem dabei ist: Zunehmend werden Daten nicht mehr in einer allgemein lesbaren Form gespeichert -- Bücher, Gemälde, Filme, Fotos, Akten --, sondern in digitaler Form. Die -- im Vergleich zu im weitesten Sinne papierenen Dokumenten -- begrenzte Haltbarkeit dieser Medien ist bekannt und erfordert eigene Strategien zur Sicherung der auf ihnen enthaltenen Daten.
Schreibt man am Computer eine komplette DIN-A4-Seite ohne Punkt, Komma und Absätze voll, passen genau 3276 Zeichen drauf. Die Dateigröße ist entsprechend: 3,2 KByte. Auf eine handelsübliche DVD mit rund 4,6 GByte Speicherkapazität passen also rund 1,4 Millionen solcher DIN A4-Seiten. Die Bibel mit ihren mehr als 1300 Seiten hätte über 1000 Mal dort Platz. So gesehen, ist sie ein opulentes Speichermedium. Der Nachteil: Die Scheibe bringt es auf eine physikalische Haltbarkeit von gerade einmal 80 Jahren, lesbar sind die Daten sogar nur zehn. Da wird der Plastikspeicher sogar von säurehaltigem Papier überholt, das Archivaren heute so große Probleme bereitet, weil es schon nach 50 Jahren zerfällt.
Sollte also, wer wichtige Unterlagen aufheben möchte, lieber den Computer ausschalten, sich im Baumarkt eine Marmorplatte und einen Meißel kaufen und dann mit dem Ritzen in Stein beginnen? Die Antwort ist: Ja, wenn Ihre Ururururenkel auch noch was davon haben sollen.
Wer mit kaufmännischen Dokumenten und Geschäftsunterlagen arbeitet, muss diese zwischen sechs und zehn Jahren aufbewahren, um die so genannte Revisionssicherheit zu gewährleisten. Patientenakten müssen dagegen mindestens 30 Jahre halten -- dann ist aber auch gut. Dafür reicht die Lebenszeit moderner Speichermedien durchaus die Bedeutung zu, die ihnen gebührt. Also lautet die Antwort auf die eben gestellte Frage: Nein, wenn es um das bloße Aufbewahren rechtlich relevanter Ressourcen geht.
Tatsächlich ist es also keine Frage, ob man Daten sichern sollte, sondern allenfalls -- abhängig von der Dauer der Aufbewahrungspflicht -- eine Frage nach dem Wie. Mit diesen strategischen Überlegungen und den Werkzeugen, die Distributionen wie OpenSuse, Ubuntu oder Mandriva Linux mitbringen, beschäftigen wir uns im Artikel Vernünftige Vorratshaltung ab Seite 24.
Am einfachsten ist es, digitale Daten dort zu belassen, wo sie sich sowieso schon befinden: auf der Festplatte Ihres Computers. Das ist keine schlechte Wahl für Daten, die weniger als drei Jahre halten müssen. Ab da fallen Harddisks immer mal wieder der physischen Abnutzung zum Opfer und würden Ihre Daten mit in die ewigen Jagdgründe nehmen. Also ist das nicht die wirklich sicherste Art der Archivierung.
Daher gehört zu den Daten auf der Festplatte immer ein zweiter Ort, an dem diese zusätzlich abgelegt sind. Das kann eine zweite Festplatte sein oder ein externes Speichermedium -- CD, DVD oder Memorystick. Oder das Internet: Immer mehr Provider bieten Ihnen gratis reichlich Speicherplatz an. Wir haben uns all' diese Speichermöglichkeiten durch die Linux-Brille angeschaut: Was versprechen die unterschiedlichen Datenhaltungsoptionen? Und: Halten sie die gegebenen Versprechen auch? Die Ergebnisse unserer Durchblicke lesen Sie auf den folgenden Seiten.
Jedes dieser Verfahren hat Vor- und Nachteile gegenüber anderen. Glücklicherweise schließen sich die unterschiedlichen Möglichkeiten aber nicht gegenseitig aus. Letztlich ist es also eine Frage der Strategie, welcher Optionen Sie sich konkret bedienen. Nach der Lektüre unserer Titelstrecke werden Sie den für sich besten Weg mühelos finden. (tpe)
| Infos |
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[1] Wikipedia-Aufsatz über den Diskos von Phaistós: http://de.wikipedia.org/wiki/Diskos_von_Phaistos
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Last modified: 2008-11-05 17:26
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