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Erschienen in EasyLinux 04/2007   »   Ausgabe bestellen

Tipps und Tricks zu Knoppix und Ubuntu

Knoppix und Ubuntu

Heike Jurzik


Knoppix und Ubuntu Linux basieren auf Debian -- wir verraten Tricks und Kniffe, welche die Arbeit auf diesen Distributionen angenehmer machen.

Tipp: Ubuntu: Meldungen beim Booten anzeigen

Standardmäßig sehen Sie beim Hochfahren des Computers einen Splashscreen mit einem Fortschrittsbalken (Abbildung 1). Wer sich dafür interessiert, was beim Rechnerstart alles im Hintergrund passiert, hat verschiedene Möglichkeiten, die Bootmeldungen zu betrachten. Während des Startvorgangs selbst drücken Sie die Tastenkombination [Alt-F1]. Die Meldungen, welche Systemdienste gestartet werden oder welche Hardware gerade konfiguriert wird, fliegen dabei nur so an Ihnen vorbei, bis Sie der grafische Anmeldemanager begrüßt.

Abb. 1: Der grafische Bootsplash unter Ubuntu verdeckt die Startmeldungen und zeigt stattdessen einen Fortschrittsbalken.

Tipp: Bootmeldungen mit "dmesg" nachträglich anzeigen

Geht das alles zu schnell, hilft das Programm dmesg auf der Kommandozeile dabei, die Meldungen nachträglich anzuschauen. Dazu melden Sie sich wie gewohnt am System an, starten ein Terminalprogramm (zum Beispiel über [Alt-F2] und Eingabe von gnome-terminal oder konsole) und tippen:

dmesg | less

Das Pipe-Zeichen ("|") hinter dem Befehl leitet die Ausgabe des Programms dmesg an das Tool less weiter. Mit den Pfeiltasten blättern Sie in dessen Ausgabe nach oben oder unten, und mit Druck auf [Q] beenden Sie die Anzeige. Alternativ speichern Sie die Systemstart-Nachrichten in einer Datei, zum Beispiel über:

dmesg > bootmeldungen.txt

Während des Rechnerstarts passieren allerhand spannende Sachen. Wer sich für eine ausführliche Erklärung zum Bootvorgang interessiert, kann diese unter [1] nachlesen.

Tipp: Ubuntu: Bootsplash dauerhaft abschalten

Es ist möglich, den Schmuck beim Rechnerstart vollständig auszuschalten. Wer einen Ausflug auf die Kommandozeile nicht scheut, erledigt dies mit wenigen Handgriffen. Für alle anderen gibt's das Programm StartUp-Manager, das der übernächste Tipp vorstellt. So modifizieren Sie den Bootloader GRUB ("Grand Unified Bootloader") von Hand:

  1. Öffnen Sie, wie im vorigen Tipp gezeigt, ein Terminalfenster. Wechseln Sie am Prompt mit cd /boot/grub in das Verzeichnis, das die GRUB-Konfiguration enthält, und geben Sie dann den Befehl
    sudo cp menu.lst menu.lst.orig
    ein, drücken [Eingabe] und authentifizieren sich mit dem eigenen Passwort. Das Kommando erstellt eine Sicherungskopie der GRUB-Konfigurationsdatei /boot/grub/menu.lst, so dass Sie den Ursprungszustand jederzeit wiederherstellen können.
  1. Bearbeiten Sie nun die Einrichtungsdatei mit einem Texteditor Ihrer Wahl. Diesen starten Sie ebenfalls mit Administratorrechten, zum Beispiel über Eingabe von sudo gedit menu.lst oder sudo kwrite menu.lst im Terminalfenster.
  1. Blättern Sie in der Datei nach unten bis zum Eintrag für das Ubuntu-System. Dieser könnte beispielsweise so aussehen:
    title     Ubuntu, kernel 2.6.20-15-generic
    root      (hd1,6)
    ...

In der dritten Zeile für den Ubuntu-Eintrag entfernen Sie die Anweisung splash, so dass hier beispielsweise

kernel    /vmlinuz-2.6.20-15-generic root=... ro acpi=off noapic

oder Ähnliches steht. Speichern Sie die Änderungen, und beim nächsten Neustart sehen Sie nur noch die Bootmeldungen.

Tipp: Ubuntu: Splashscreen mit Meldungen kombinieren

Darüber hinaus können Sie durch eine einfache Modifikation des Bootmanagers GRUB eine Kombination aus Bootmeldungen und Bootsplash einrichten. Wenn Sie, wie im vorigen Tipp gezeigt, die Konfigurationsdatei /boot/grub/menu.lst in einem Texteditor bearbeiten, gehen Sie wiederum zum Ubuntu-Eintrag und löschen aus der kernel-Zeile die Option quiet, so dass hier anstelle von

kernel  /vmlinuz-2.6.20-15-generic root=... ro splash quiet

etwa

kernel  /vmlinuz-2.6.20-15-generic root=... ro splash

steht. Beim nächsten Rechnerstart sehen Sie das Ubuntu-Logo und darunter die Meldungen, welche Systemdienste gerade gestartet werden.

Tipp: Ubuntu: GRUB mit StartUp-Manager konfigurieren

Wer den Griff zum Texteditor scheut, installiert von der Heft-DVD das Programm StartUp-Manager und hat damit ein komfortables grafisches Programm zur GRUB-Einrichtung zur Verfügung. Sie finden den StartUp-Manager nach der Installation im Startmenü unter System / Administration. Nach dem Start geben Sie ins folgende Dialogfenster Ihr eigenes Kennwort ein. Da das Programm in der vorliegenden Version ausschließlich in englischer Sprache verfügbar ist, hier eine Erklärung der vier Reiter und ihrer wichtigsten Optionen:

Tipp: Ubuntu: Neue USplash-Themes für den Rechnerstart

Je nachdem, welches Derivat der Distribution Sie verwenden (Ubuntu, Kubuntu, Edubuntu usw.), präsentiert sich der Splashscreen beim Booten in einem anderen Gewand. Die jeweiligen Themes können Sie aber unter allen Ubuntu-Abkömmlingen nutzen. Suchen Sie dazu mit dem Paketmanager Ihrer Wahl nach dem Begriff usplash und installieren Sie den gewünschten Look. Um das neue Theme zu aktivieren, gibt es wiederum zwei Wege: Im StartUp-Manager beispielsweise wählen Sie auf dem Reiter Appearance im Drop-down-Menü Usplash theme den neuen Look aus (Abbildung 2).

Abb. 2: Mit dem StartUp-Manager richten Sie komfortabel per Mausklick einen neuen Bootsplash ein.

Kommandozeilenfans greifen hingegen zum Programm update-alternatives, das die so genannten Programm-Alternativen anpasst. Der Befehl

update-alternatives --display usplash-artwork.so

zeigt Ihnen, welcher Splashscreen momentan ausgewählt ist. In der Ausgabe steht dann zum Beispiel: Link verweist zur Zeit auf /usr/lib/usplash/usplash-theme-xubuntu.so.

Um aus den Alternativen einen anderen Bootsplash zu wählen, nehmen Sie wiederum update-alternatives und den Parameter --config zur Hilfe. In einer Art Auswahldialog auf der Konsole zeigt das Programm an, welche Alternativen zur Verfügung stehen (Abbildung 3). Die mit einem Sternchen gekennzeichnete Zeile zeigt die momentane Einstellung. Drücken Sie entweder die Eingabetaste, um die Voreinstellung beizubehalten, oder wählen Sie eine Nummer gefolgt von [Eingabe] aus.

Abb. 3: Über die "alternatives" legen Sie eine Standardanwendung (hier für den USplash-Screen) fest.


Alternativen: Debian und auch der Abkömmling Ubuntu legen in den so genannten Alternativen eine Standardanwendung für eine Programmgruppe (zum Beispiel Texteditoren, Webbrowser oder Window Manager) fest und treffen so für den Benutzer eine Vorauswahl. Sämtliche dieser Alternativen liegen als Symlinks im Verzeichnis /etc/alternatives und verweisen von dort auf das Standardprogramm. Zur Verwaltung steht das Tool update-alternatives zur Verfügung.

Tipp: Ubuntu: Schicke USplash-Themes aus dem Netz

Webseiten wie Gnome-Look [3] oder KDE-Look.org [4] bieten zahlreiche weitere USplash-Themes an (Suchbegriff usplash). Nach dem Download und Auspacken eines solchen Archivs kopieren Sie die Datei mit der Endung .so (enthält das zu verwendende Bild, die Farbverläufe und so weiter) an den richtigen Ort, zum Beispiel:

sudo cp chrome-theme.so /usr/lib/usplash

Nun bringen Sie mit dem Kommando

sudo updates-alternatives --install /usr/lib/usplash/usplash-artwork.so /usr/lib/usplash/chrome-theme.so 50

die Alternativen (siehe vorheriger Tipp) auf den neuesten Stand. Das neue Theme können Sie dann entweder über den gezeigten Aufruf (update-alternatives --config ...) oder über das bekannte Menü im StartUp-Manager zum Standard-Bootsplash machen.

Tipp: Knoppix: Benutzername vergessen, und nun?

Je nachdem, wie Sie Ihren Anmeldemanager eingerichtet haben, zeigt dieser im Login-Fenster nicht an, welche Benutzeraccounts es auf dem System gibt. Das hat durchaus Vorteile -- so müssen eventuelle Mitbenutzer des Rechners nicht nur das Kennwort raten (das hoffentlich nicht unter der Tastatur klebt), sondern auch noch den Namen, unter dem Sie sich anmelden. Haben Sie den Benutzernamen auf einem Linux-System vergessen, ist das kein Grund zur Verzweiflung -- mit einer Knoppix-CD/-DVD und den folgenden Schritten erhalten Sie wieder Zutritt zum System:

  1. Booten Sie Knoppix und warten Sie, bis Sie die gewohnte grafische KDE-Oberfläche sehen. Auf dem Desktop-Hintergrund hat das Live-System für alle Festplattenpartitionen Symbole angelegt.
  1. Doppelklicken Sie auf das Icon, hinter dem sich die Root-Partition des Linux-Systems befindet, von der Sie die Anmeldeinformationen vergessen haben. Anschließend machen Sie die Partition über Rechtsklick auf das Symbol und Auswahl von Lese-/Schreibmodus ändern beschreibbar.
  1. Navigieren Sie im Dateimanager ins Verzeichnis etc und blättern Sie ganz nach unten bis zu den Dateien. Dort finden Sie unter anderem die Datei passwd, in der die Angaben zu den Benutzer-Accounts stehen. Wenn Sie auf diese doppelklicken, startet standardmäßig der Texteditor KWrite und zeigt den Inhalt an (Abbildung 4).

Abb. 4: In der Datei "/etc/passwd" finden Sie alle Benutzernamen eines Linux-Systems -- das funktioniert auch, wenn Sie Knoppix booten und von dort auf die Datei auf einer Plattenpartition zugreifen.

Tipp: Knoppix: Passwort neu setzen

Haben Sie außer dem Loginnamen auch noch das Kennwort des Accounts vergessen, hilft Knoppix ebenfalls aus der Misere:

  1. Um das passende Kennwort neu zu setzen, bearbeiten Sie eine andere Datei, die jedoch auf derselben Partition und auch im Verzeichnis etc liegt. Die nötigen Schreibrechte erlangen Sie über einen kleinen Umweg: Öffnen Sie ein Terminalfenster (zum Beispiel per Klick auf das Symbol in der Kontrollleiste) und geben Sie
    sudo kwrite /media/hdXYZ/etc/shadow
    ein. Dabei ersetzen Sie XYZ durch den Namen der bereits gemounteten Partition, zum Beispiel hdb8.
  1. Blättern Sie bis zum entsprechen Accountnamen. Hinter dem ersten Doppelpunkt steht das verschlüsselte Passwort. Löschen Sie alles bis zum nächsten Doppelpunkt, speichern Sie die Änderungen und starten Sie den Rechner neu.
  1. Setzen Sie nach dem Reboot das Kennwort neu, bevor Sie sich an der grafischen Oberfläche anmelden. Dazu wechseln Sie nach dem Starten des Rechners mit [Strg-Alt-F1] zur ersten virtuellen Konsole, geben den Benutzernamen am Prompt Login: ein und drücken [Eingabe]. Eine Abfrage des Passworts findet nicht statt, da zur Zeit keines vergeben ist. Geben Sie nun den Befehl passwd ein, wählen Sie ein neues Kennwort für den Benutzer und wiederholen dieses. Die Eingabe erfolgt blind, das heißt, es erscheinen keine Sternchen als Feedback beim Tippen. Mit [Strg-Alt-F7] geht's zurück zur grafischen Anmeldung. (hge)
Infos
[1] Der Linux-Bootvorgang erklärt: Andrea Müller, "Hochfahren", EasyLinux 01/2004, S. 74 ff., http://www.easylinux.de/2004/01/074-boot/
[2] Artikel im Ubuntuusers-Wiki: http://wiki.ubuntuusers.de/Recovery_Modus
[3] Gnome-Look.org: http://www.gnome-look.org/
[4] KDE-Look.org: http://www.kde-look.org/

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