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Thomas Leichtenstern
Brennen unter Linux ist seit vielen Jahren eine Domäne von K3B [1]. Kein anderes Tool kann es bislang mit der Funktionsvielfalt und Stabilität dieses Programms aufnehmen. Doch das Monopol bröckelt. Strauchelte die Firma Nero vor über zwei Jahren mit ihrer Version 2 von Nero Linux [2], nicht zuletzt weil es aussah wie ein Relikt aus den Neunzigern, hat sich der Hersteller wieder aufgerappelt und eine komplett neue Release der kostenpflichtigen Brennsoftware entwickelt.
Glaubt man den vollmundigen Versprechen des Unternehmens, kommt die neue Version 3.0.1.3 mit dem gleichen Funktionsumfang wie ihr großer Windows-Bruder Nero Burning ROM daher. Besonders das beinahe identische Look & Feel kommt vor allem Windows-Umsteigern, die bereits mit Nero gearbeitet haben, sehr entgegen. Als erstes Brennprogramm für Linux beherrscht es auch das Schreiben von Blueray- und HD-DVD-Disks. Nach eigenen Angaben unterstützt Nero Linux alle CD-, DVD-, Blueray- und HD-DVD-Brenner.
Anders als Nero für Windows bietet der Hersteller von der Linux-Variante lediglich die Kernkomponente an. Zusätzliche Programme wie Nero Recode oder Vision Express zum Erzeugen von Video-DVDs gibt es derzeit nicht. Auch die Einsteigervariante Nero Express, die vor allem durch eine vereinfachte Benutzerführung glänzt, fehlt bei der Linux-Version.
Die Systemanforderungen bewegen sich durchwegs in Bereichen, die jeder normale PC mit einer modernen Linux-Distribution problemlos erfüllt.
Nero bietet eine zeitlich beschränkte Demo in den Paketformaten DEB und RPM zum Download an. Die bis Ende November 2007 lauffähige Version finden Sie für alle von EasyLinux unterstützten Distributionen auf der Heft-DVD. Um das Programm freizuschalten, genügt es, den Lizenzschlüssel für 19,99 Euro zu kaufen und einzugeben.
Zum Einrichten unter Suse Linux 10.1 und OpenSuse10.2 aktivieren Sie in YaST die Checkbox vor dem Eintrag nerolinux und starten die Installation mit einem Klick auf den Button Übernehmen. Unter Mandriva Linux 2007 richten Sie die Software mit dem Paketmanger RPM-Drake ein, Anwender von Ubuntu verwenden dazu Adept. Suchen Sie jeweils den Eintrag nerolinux, aktivieren Sie die Checkbox und übernehmen Sie die Auswahl, wie in der Anleitung der Heft-DVD beschrieben.
Um die Software von Hand einzurichten, öffnen Sie unter allen Distributionen das Verzeichnis, in dem sich das Installationspaket befindet, mit Konqueror und drücken danach [F4], um ein Terminal darin zu öffnen. Geben Sie dann su gefolgt vom Root-Passwort ein, um administrative Rechte zu erlangen. Mit dem Aufruf rpm -ivh nerolinux-3.0.1.3-x86.rpm installieren Sie die Software. Anwender von Ubuntu überspringen den su-Aufruf, und richten das Paket mit dem Kommando sudo dpkg -i nerolinux-3.0.1.3-x86.deb ein. Bei der Passwortabfrage geben Sie das Kennwort des angemeldeten Benutzers ein.
Nach der Installation starten Sie das Programm über den Eintrag Multimedia / CD/DVD brennen / Nero Linux. Schon beim ersten Start fällt die optische Ähnlichkeit zur Windows-Variante auf (Abbildung 1).
Auch die technischen Einstellungen finden Sie unter Linux an der gleichen Stelle wie unter Windows. Die globale Konfiguration erreichen Sie über den Menüpunkt Datei / Optionen. Hier legen Sie beispielsweise unter dem Eintrag Cache den Pfad zum temporären Arbeitsverzeichnis von Nero fest. Stellen Sie sicher, dass die Partition, in der sich dieses befindet, mindestens 5 GByte freien Speicher enthält.
Die Experteneinstellungen erlauben Ihnen in erster Linie, das Überbrennverhalten des Programms einzustellen (Abbildung 2). In der Praxis zeigt sich aber, dass Nero die gewählten Einstellungen ignoriert und das Brennen über die angegebene Datenträgergröße sowohl von CDs (über 80 Minuten) als auch von DVDs (über 4482 MByte) verweigert. Auch das Verwenden eines kurzen Leadouts, dessen Funktion Sie im gleichen Fenster aktivieren, bringt nicht den versprochenen Platzvorteil von 12 MByte.
Zum Schutz vor so genannten Buffer Underruns, die einen Datenträger zerstören, bietet Nero den Ultrabuffer, dessen Einstellungen Sie über das gleichnamige Icon erreichen. Nero reserviert damit, je nach Einstellung, einen Speicherbereich bis zu einer Größe von 80 MByte, den das Programm exklusiv belegt und mit dem es auch im Hochlastbetrieb einen kontinuierlichen Datenstrom gewährleistet. Reißt der Datenstrom während des Brennens trotzdem ab, springt die Seamless-Link- (bzw. Burnproof-) Technologie ein: Sie sorgt dafür, dass der Laser solange mit dem Brennen pausiert, bis der Datenstrom wiederhergestellt ist.
Welchen Brenner Nero verwendet, legen Sie im Drop-down-Menü unter der Menüleiste fest, das alle gefundenen Rekorder enthält. Möchten Sie anstelle des Datenträgers ein ISO-Image erstellen, wählen Sie den Eintrag Image Recorder. Allerdings erzeugt das Programm lediglich Dateien im proprietären NRG-Format, das andere Brennprogramme wie K3B nicht unterstützen.
Zum Brennen von ISO-Dateien rufen Sie auf den Menüpunkt Rekorder / Image brennen... auf. Nero akzeptiert die Image-Formate NRG, ISO, CUE und IMG. Wiederrebschreibbare Datenträger löschen Sie über den Eintrag Wiederbeschreibbare Disk löschen...im gleichen Menü. Im Neuen Fenster wählen Sie anschließend die Löschmethode. Während RW-Disk schnell löschen nur den Index löscht, überschreibt RW-Disk vollständig löschen den kompletten Datenträger, was allerdings wesentlich länger dauert. Detailliertere Informationen über den eingelegten Datenträger zeigt Rekorder / Disk-Info.
Zum Kopieren von Datenträger reicht ein Klick auf das Icon Kopieren im Hauptfenster von Nero. Danach öffnet sich ein Fenster, in dem Sie die Kopieroptionen wie Quell- und Ziellaufwerk festlegen. In den Leseoptionen wählen Sie darüber hinaus das für den Datenträger passendste Brennprofil, beispielsweise Daten-CD oder Video CD. Nero stellt dann unter anderem die am besten passende Fehlerkorrektur für das Lesen des Quelldatenträgers automatisch ein.
Mit einem Klick auf das Icon Neu öffnen Sie das Fenster Neue Zusammenstellung, in dem Sie Art des Datenträgers festlegen. Ob Sie eine CD oder DVD beschreiben möchten, stellen Sie über das Pull-down-Menü am oberen linken Fensterrand ein. Je nach Auswahl ändern sich die darunterliegenden Einträge.
Zum Erstellen einer Daten-CD wählen Sie demnach zuerst CD, und danach den ersten Eintrag CD-ROM (ISO). Weitere Formate für von Daten-CDs finden Sie am Ende der Auswahlliste mit CD-ROM (UDF) und CD-ROM (UDF/ISO) (Abbildung 3). Auch hier blendet Nero die jeweils passenden Konfigurationsfenster rechts neben den Icons ein.
Der Linux-Variante fehlt die aus Windows bekannte Funktion zum Erzeugen von Video-CDs. Diese ermöglicht es, aus den unterschiedlichsten Dateiformaten wie RM, AVI oder WMV eine MPEG-2-kompatible CD zu erstellen, die beinahe jeder DVD-Spieler problemlos wiedergibt.
Möchten Sie eine Musik-CD erstellen, klicken Sie im Zusammenstellungsfenster auf das Icon Audio-CD. Nero erlaubt den direkten Import komprimierter Dateiformate wie MP3, OGG, FLAC und PCM/WAV, die er automatisch in das benötigte Audio-CD-Format umwandelt. Dazu reicht es, die gewünschten Dateien aus dem Konqueror oder dem integrierten Dateibrowser per Drag & Drop in die Brennzusammenstellung zu ziehen. Beim Markieren mehrerer Dateien gleichzeitig in Neros Dateibrowser kam es allerdings sporadisch zu Programmabstürzen.
Mit einem Rechtsklick auf die gewünschte Audiodatei öffnen Sie das Kontextmenü. Die Auswahl des untersten Eintrags Eigenschaften öffnet ein Zusatzfenster (Abbildung 4), in dem Sie neben dem Titel- und Interpretennamen auch die Pausenlänge zwischen den Tracks festlegen. Um die Pauseneinstellungen mehrerer Tracks auf einmal zu bearbeiten, markieren Sie alle gewünschten Titel und verfahren, wie oben beschrieben. Der Funktionsumfang der Audioeinstellungen reicht jedoch bei Weitem nicht an den der Windows-Version heran. So fehlen beispielsweise sowohl die Rauschunterdrückung als auch der Equalizer, die Titelüberblendungen oder der Index-Marker.
Die Funktion Mixed Mode-CD aus der Zusammenstellungsübersicht erlaubt Ihnen das Erzeugen von Datenträgern, die sowohl als Audio- als auch als Daten-CDs dienen. Zu diesem Zweck splittet Nero die Brennzusammenstellung in einen Musik- und einen Datenabschnitt, in den Sie die gewünschten Dateien ziehen.
Die Zusammenstellungsoptionen für DVDs entsprechen weitgehend denen der CDs. Was fehlt, sind allerdings sämtliche Funktionen zum Erzeugen einer bootfähigen DVD. Über den Eintrag DVD-Video kreieren Sie eine Video-DVD. Allerdings akzeptiert Nero lediglich entsprechend vorbereitete Daten im VOB-Format. Ein Import anderer Videoformate wie MPEG oder AVI ist nicht möglich.
Nero hält sein Versprechen "Nutzen Sie dieselben Funktionen wie in Nero Burning ROM 7" [2] nicht ein. Speziell beim Erstellen von Audio-CDs gibt es einige Abstriche, da Nero wichtige Funktionsmerkmale wie den Audio-Editor und viele erweiterte Einstellungen in der Linux-Variante schlicht weggelassen hat. Ebenso fiel die Zusammenstellungsoption Video-CD dem Sparkurs zum Opfer.
Allerdings hat es Nero geschafft, die Programme sowohl optisch als auch in der Handhabung soweit anzunähern, dass der Windows-Umsteiger ohne Einarbeitungszeit mit dem Programm zurechtkommt.
Auch technisch verzeichnet Nero einen Pluspunkt für sich: Das Programm brennt speziell im Grenzbereich der Datenträger- und Brennergeschwindigkeit deutlich zuverlässiger als beispielsweise K3B. Während letzterer bereits bei einer zwölffachen Brenngeschwindigkeit oft den Dienst verweigert, brennt Nero auch DVDs mit sechzehnfacher Geschwindigkeit problemlos. Hier zahlt sich die aus Windows portierte Brenntechnologie voll aus. (tle)
| Infos: |
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[1] K3B: http://www.k3b.org
[2] Nerolinux: http://www.nero.com/deu/NeroLINUX.html |
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Last modified: 2008-11-05 17:26
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