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Erschienen in EasyLinux 02/2010   »   Ausgabe bestellen

Video- und Audiopodcasts mit Miro herunterladen

Fernsehen für unterwegs

Heike Jurzik


Im Netz stehen zahlreiche Filme, Trailer und sogar ganze Fernsehserien auf Abruf bereit. Viele Videos laufen dank diverser Plug-ins direkt im Browser. Mit Miro laden Sie die Inhalte bequem herunter und genießen die Videos, wo und wann Sie wollen.

Um die Schätze diverser Videoportale zu bergen, benötigen Sie normalerweise nicht mehr als einen Browser, eine Suchmaschine und das richtige Plug-in bzw. einen Videoplayer. Die Sache hat nur einen Haken: Sind Sie offline, ist es vorbei mit dem Fernsehvergnügen. Dank der Multimediaplattform Miro [1], früher unter dem Namen Democracy Player bekannt, genießen Sie Internetvideos jederzeit und überall -- ob zu Hause am Schreibtisch, in der Bahn oder im Flugzeug.

Der flinke Player setzt vordergründig auf VLC [2], während im Hintergrund wahlweise Xine oder Gstreamer arbeiten. Dank dieser soliden Basis kann Miro zahlreiche Formate abspielen, darunter Quicktime, WMV, MPEG, AVI, XVID und viele mehr. Die eingebaute Suchfunktion durchforstet mehrere Videoportale nach Clips und bringt diese in Windeseile auf den eigenen Rechner. Ebenfalls eingebaut ist eine Browserfunktion, die Zugriff auf den Miro-Programmführer und andere Webseiten mit RSS-Feeds bietet. Dank der eingebauten Torrent-Engine wandern die Daten besonders flink auf die Platte -- ein separater BitTorrent-Client ist nicht erforderlich.

Miro-Pakete für OpenSuse 11.1 und Ubuntu 9.10 finden Sie samt Installationsanleitung auf der Heft-DVD. Anwender von OpenSuse 11.2 installieren die Pakete miro und gstreamer-0_10-ffmpeg aus dem PackMan-Repository sowie die vorgeschlagenen Abhängigkeiten aus den PackMan- und OSS-Quellen. Auf einigen Testrechnern kam es unter OpenSuse 11.2 zu Problemen mit den GStreamer-Plug-ins. Ein möglicher Workaround ist, den Player über den Befehl miro --set renderer=xine zu starten.


RSS-Feed: RSS steht für Rich Site Summary. RSS-Feeds sind reine Textdateien, die auf dem XML-Format basieren. Sie enthalten Überschriften, kurze Beschreibungen, eventuell eine Zeitangabe und Links zu den Daten, die im Internet meist in Form von Artikeln vorliegen. Mit einem Feed Reader abonnieren Anwender zahlreiche dieser RSS-Feeds.
BitTorrent: Eine Peer-to-Peer-Technik, die ressourcenschonendes Herunterladen von Daten aus dem Internet ermöglicht. Teilstücke einer Datei, die ein Anwender bereits vollständig heruntergeladen hat, gibt er an andere Downloader weiter, was die großen Server entlastet, da sich die Arbeit gleichmäßig auf die Nutzer verteilt. Ein ausführliches Glossar zum Thema "BitTorrent" enthält ein EasyLinux-Artikel zum BitTorrent-Client Transmission aus dem letzten Jahr [4].
XML: Die Extensible Markup Language ist eine standardisierte Auszeichnungssprache zur strukturierten Beschreibung von Informationen in Textdateien. XML ist mit HTML verwandt und sieht auch ähnlich aus. Da XML plattformunabhängig ist, kommen XML-Dateien häufig beim Austausch von Daten zwischen verschiedenen Programmen und Programmiersprachen zum Einsatz.

Alles arrangiert

Sie starten den Player über die Abteilung Multimedia im KDE-Startmenü oder per Eingabe von miro in ein Schnellstartfenster oder in die Konsole. Beim ersten Aufruf begrüßt Sie ein Assistent, der Sie durch die wichtigsten Stationen der grundlegenden Konfiguration führt. Beantworten Sie zunächst die Frage, ob Miro bereits beim Rechnerstart den Dienst aufnehmen soll. Bejahen Sie dies, setzt der Player nach dem Booten stillschweigend begonnene Downloads im Hintergrund fort und aktualisiert auch automatisch die Mediadaten. Wer keine schnelle Internetverbindung sein Eigen nennt oder nicht möchte, dass Miro ohne Aufsicht werkelt, sollte hier nicht zustimmen. Über Weiter geht's zum nächsten Schritt.

Als Nächstes entscheiden Sie, ob Miro den eigenen Rechner nach Multimedia-Inhalten durchsucht. Wenn Sie hier Ja aktivieren, können Sie festlegen, ob Miro Ihr eigenes Home-Verzeichnis oder einen anderen Ordner scannt. Alternativ überspringen Sie diesen Schritt und setzen den Player ausschließlich für Video- und Audiopodcasts aus dem Internet ein.

Nach dem Beenden des Einrichtungsassistenten sollten Sie außerdem einen Blick auf die allgemeinen Programmeinstellungen (Menüpunkt Video / Einstellungen) werfen. Über die sechs dort vorhandenen Reiter konfigurieren Sie Folgendes:

Abb. 1: Miro kümmert sich selbst darum, nicht den ganzen Festplattenplatz voll zu schreiben.

Prima Programm

Das Miro-Hauptfenster besteht aus mehreren Bereichen. Über die linke Spalte erreichen Sie den Miro-Programmführer (eine Art digitale Fernsehzeitschrift), die Bibliothek mit den Daten des lokalen Rechners, Lesezeichen zu Seiten mit weiteren Feeds, Ihre abonnierten Audio- und Videopodcasts und die Wiedergabelisten. Miro nistet sich zusätzlich als Icon im Systemabschnitt der Kontrollleiste ein. Mit einem Linksklick auf das Symbol lassen Sie den Player verschwinden und bringen ihn wieder in den Vordergrund. Das Kontextmenü des Icons erreichen Sie mit der rechten Maustaste. Es bietet Zugriff auf die Programmeinstellungen, auf heruntergeladene Dateien, hält Downloads an und setzt sie wieder fort.

Über einen Klick auf Miro-Programmführer öffnen Sie im integrierten Browser eine Webseite [2], die Zugriff auf viele Video- und Audiopodcasts bietet. Interessante und spannende Feeds finden Sie entweder über das Feld Search oder über die Navigationsleiste im oberen Bereich (Most popular, Top Rated etc.). Der Programmführer spricht zunächst nur Englisch; über das Menü Language bringen Sie ihm Deutsch bei.

Wollen Sie nicht gezielt suchen, sondern einfach nur stöbern, finden Sie Videos und Audiodateien über den Navigationsbereich. Der Programmführer kennt verschiedene Genres, sortiert wahlweise nach Sprachen, Beliebtheit, Bewertung usw. Miro führt Sie auf diesem Weg auch zu bekannten und beliebten deutschsprachigen Podcasts, darunter einige Feeds der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Um einen Podcast zu abonnieren, klicken Sie auf den grünen Button Feed hinzufügen (Abbildung 2) -- nach kurzer Zeit erscheint er im Bereich Feeds in der linken Seitenleiste und zeigt die vorhandenen Beiträge an.

Abb. 2: Neue Video- und Audiopodcasts finden Sie ganz bequem über den integrierten Programmführer: Ein Klick, und der Feed ist abonniert.

Alternativ finden Sie neues Futter für den Player über die integrierte Suchfunktion. Klicken Sie dazu links auf Videosuche und geben Sie dann ins Suchfeld einen oder mehrere Begriffe ein. Miro durchforstet zahlreiche Videoportale, darunter YouTube, Google Video, Blip.tv und viele mehr. Um die Suche auf bestimmte Anbieter zu beschränken, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Lupe und wählen im Drop-down-Menü ein Portal aus (Abbildung 3).

Abb. 3: Miro durchsucht auf Wunsch beliebte Videoportale. Dauert das zu lange, wählen Sie über dieses Menü gezielt einen einzigen Anbieter aus.

Im Abschnitt Seiten finden Sie bereits zwei Lesezeichen, die zu Webseiten mit BitTorrent-RSS-Feeds führen. Weitere Webseiten nehmen Sie über das Menü Seitenleiste / Webseite hinzufügen auf. Ins folgende Dialogfenster tragen Sie einfach die URL ein und klicken dann auf OK. Übrigens ist es auch möglich, Torrent-Dateien direkt aus dem Netz mit Miro herunterzuladen. Dazu klicken Sie im Webbrowser einfach den Link zur .torrent-Datei an und wählen bei Öffnen mit Miro als Programm aus. Müssen Sie hier den kompletten Pfad angeben, schreiben Sie /usr/bin/miro.

Einmalbezug oder Abo?

Die Bereiche Feeds und Audiofeeds listen Ihre aktuellen Abos auf. In den Programmeinstellungen (siehe Abschnitt Alles arrangiert) legen Sie das allgemeine Verhalten des Players für die Feeds fest. Darüber hinaus können Sie für jedes Abo über das Drop-down-Menü Automatischer Download individuell einrichten, ob Miro alle Folgen, nur die neuen oder gar keine selbstständig herunterlädt (Abbildung 4).

Abb. 4: Anwender mit wenig Plattenplatz oder langsamer Internetverbindung entscheiden selbst, wann sie neue Folgen herunterladen.

Ein Klick auf Herunterladen startet den Download. Ein orangefarbener Balken informiert Sie über den Fortschritt und die Download-Geschwindigkeit. Der Bereich Lädt herunter in der Seitenleiste zeigt alle laufenden Downloads auf einen Blick (Abbildung 5). Um eine Übertragung anzuhalten, klicken Sie auf das Pausenzeichen links am Fortschrittsbalken. Über das gleiche Symbol setzen Sie den Download auch wieder fort. Darüber hinaus bietet die Übersicht am oberen Rand Schaltflächen, über die Sie alle Transfers anhalten, fortsetzen oder abbrechen. Der Button Download-Einstellungen öffnet den Konfigurationsdialog von Miro, der -- wie schon erwähnt -- die Einstellungen für den im Hintergrund laufenden BitTorrent-Client erlaubt.

Abb. 5: Die orange Zahl neben dem Abschnitt "Lädt herunter" verrät jederzeit, wie viele Übertragungen gerade laufen.

Klicken Sie mit der rechten Maustaste in einen Feed-Download hinein, zeigt das Kontextmenü nicht nur Funktionen zum Pausieren und Fortsetzen des Transfers, sondern auch den Eintrag Freigabe. Über ihn informieren Sie Freunde und Bekannte über einen bestimmten Beitrag. Ein Klick darauf öffnet die Miro-Guide-Webseite mit einem Eingabeformular. Darin tragen Sie Ihre E-Mail-Adresse und die des Empfängers ein, hinterlassen optional einen Kommentar dazu und schicken den Link zur Folge dann über Send Email auf die Reise. Der Empfänger erhält kurze Zeit später elektronische Post mit einem Link zur Podcast-Folge.

Ich glotz TV

Über die Bibliothek erreichen Sie Ihr Video- und Audioarchiv in Miro. Verschiedene Filter- und Sortierfunktionen sorgen für Übersicht, und Miro blendet auf Wunsch auch weitere Informationen zu den heruntergeladenen Podcast-Folgen ein. Klappen Sie die Anzeige aus, erfahren Sie die Dateigröße, etwas zum Inhalt der Folge und deren Dauer, den lokalen Dateinamen samt vollständigem Pfad und den Dateityp. Zusätzlich zeigt der Player Schaltflächen an, über die Sie die Datei abspielen, entfernen und im Dateimanager oder Webbrowser öffnen (Abbildung 6).

Abb. 6: Miro zeigt sich auskunftsfreudig und verrät allerhand Interessantes über die Podcast-Folgen.

Neben dem Button zum Abspielen teilt Miro mit, ob Sie die Folge schon gesehen bzw. gehört haben oder wann es den Beitrag löscht. Alternativ entfernen Sie Podcasts über die gleichnamige Schaltfläche. Bereits angeschaute Folgen speichern Sie dauerhaft über einen Klick auf Behalten.

Auch in dieser Ansicht offenbart das Kontextmenü der rechten Maustaste wieder zusätzliche Features. Der Punkt Nur dieses Objekt abspielen sorgt etwa dafür, dass Miro nach dem Video die Wiedergabe stoppt und nicht etwa mit der nächsten Datei fortfährt. Funktionen zum Umbenennen und Wiederherstellen des Originalnamens finden Sie hier ebenfalls. Noch nicht abgespielte Folgen markieren Sie als gespielt, bereits gelaufene als ungespielt. Im Kontextmenü der rechten Maustaste finden Sie den Eintrag Zur Wiedergabeliste hinzufügen, über den Sie eine Folge in eine Playlist aufnehmen (siehe Abschnitt Lieblingslisten). Im dann erscheinenden Dialogfenster entscheiden Sie, ob Miro eine neue Liste anlegen soll oder den Beitrag zu einer vorhandenen hinzufügt.

Miro setzt im Hintergrund auf den Player VLC [3], und so verwundert es nicht, dass viele vom beliebten Player bekannte Kommandos und Tastenkombinationen auch in Miro funktionieren. So wechselt etwa während der Wiedergabe [Strg-F] oder ein Doppelklick ins Playerfenster in den Vollbildmodus, die Leertaste unterbricht das Abspielen und setzt es wieder fort, und die Pfeiltasten springen jeweils 30 Sekunden vor und zurück. Wenn Sie während der Video-Wiedergabe auf Abdocken klicken, öffnet sich der Film in einem eigenen Fenster und blendet unten rechts einen Button Andocken zur Wiederaufnahme ins Hauptfenster ein (Abbildung 7).

Abb. 7: Per Mausklick trennen Sie Filme vom Hauptfenster und docken diese auch wieder an.

Lieblingslisten

Ganz unten in der Seitenleiste zeigt Miro die vorhandenen Wiedergabelisten an. In der Voreinstellung ist dort eine Beispielliste abgelegt, die Sie per Rechtsklick umbenennen. Eine neue Playlist legen Sie über den gleichnamigen Eintrag aus dem Menü Wiedergabelisten oder über [Strg-P] an.

Video- und Audiodateien wandern auf verschiedenen Wegen auf die Playlists. Neben dem Weg über das Kontextmenü besteht die Möglichkeit, einen Beitrag per Drag & Drop in eine Liste zu ziehen. Dazu fassen Sie ihn mit der linken Maustaste mittig an und ziehen ihn auf die Playlist, bis Miro diese leicht hervorhebt.

Import- und Exportschlager

Im Menü Seitenleiste finden Sie die beiden Einträge Feeds importieren und Feeds exportieren. Um die eigenen abonnierten Shows auf einen anderen Account oder Rechner zu transferieren, wählen Sie Feeds exportieren. Im aufgehenden Dialogfenster OPML-Export geben Sie der Datei einen Namen; in der Voreinstellung nennt Miro diese miro_subscriptions.opml und will sie als OPML-Datei im Home-Verzeichnis ablegen.


OPML: Die Abkürzung steht für Outline Processor Markup Language. Es handelt sich um ein XML-Format, das zum Austausch von RSS-Feed-Listen dient. OPML-Dateien kommen oft zum Einsatz, wenn es um den Export und Import von RSS-Feeds zwischen RSS-Readern geht.

Diese OPML-Datei mit den Informationen zu Ihren Abonnements können Sie nun auf einen anderen Rechner transferieren und mit Miro einlesen. Das klappt übrigens nicht nur unter Linux -- die Feedlisten lesen Sie auch mit Miro unter Mac OS X oder Windows ein. Die Software blendet nach dem Import ein Dialogfenster ein, das verrät, wie viele Feeds der Player in der Datei gefunden hat. Die roten Feed-Icons verraten, dass Miro die Kategorie noch aktualisiert.

Fazit

Miro macht in jeder Hinsicht eine gute Figur. Das Programm hat eine übersichtliche Oberfläche, in der Sie sich sofort zurechtfinden. Die Menüeinträge und Beschriftungen erklären sich selbst, die offensichtlichen Funktionen sind farbig hinterlegt. Miro spielt zudem die meisten Video- und Audioformate klaglos ab und macht auch als Torrent-Client und Feed Reader eine gute Figur. (kki)

Infos
[1] Deutsche Miro-Webseite: http://www.getmiro.com/
[2] Artikel zu VLC: Thomas Leichtenstern, "Raue Schale, harter Kern", EasyLinux 02/2009, S. 76 ff., http://www.linux-community.de/artikel/17964
[3] Miro-Programmführer: https://miroguide.com/
[4] Artikel zu Transmission und BitTorrent: Heike Jurzik, "Immer in Bewegung", EasyLinux 04/2009. S. 54 ff., http://www.linux-community.de/artikel/19258

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