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Erschienen in EasyLinux 03/2011   »   Ausgabe bestellen

Kernel 3.0 kommt

Liebe Leserinnen und Leser

Bald wird Kernel-Version 3.0 erscheinen -- nach etlichen Jahren, in denen die Versionsnummer mit einer 2 begann, klingt das nach einem großen Durchbruch. Wird mit Linux 3.0 also alles anders? Wohl kaum. Kernel 3.0 trägt einfach diese Nummer, weil Linus Torvalds meinte, es wäre jetzt langsam Zeit, sich von den 2.x.y-Nummern zu verabschieden. Der bereits vorgesehene Name "Linux 2.6.40" wurde also in "Linux 3.0" geändert; mehr ist da nicht.

Auch bei den Distributoren bedeutet es wenig, wenn sich die vordere Nummer ändert, manche machen das z. B. im Jahresrhythmus, alle vier Releases oder nach einem anderen Schema, das nichts über wesentliche Änderungen aussagt.

Früher hatten Versionsnummern dagegen echte Bedeutung: Bei einer Nummer wie 4.1 nannte man die vorne stehende 4 die "Major Release" (Hauptversionsnummer) und die hinter dem Punkt stehende 1 die "Minor Release" (Unterversionsnummer). Der Sinn war klar: Alle Updates innerhalb einer Major Release standen für kleine Aktualisierungen und Fehlerkorrekturen, und der Wechsel der Hauptnummer (von 4.x auf 5.x) bedeutete wesentliche Neuerungen. Bei kommerziellen Produkten war hiermit auch häufig ein Neukauf nötig, während es die kleinen Updates oft gratis gab.

Dieses Verständnis missbrauchten dann gelegentlich auch Software-Anbieter, um eine neue Version (mit unerwartet wenig neuen Features) trotzdem der Käufergruppe schmackhaft zu machen; in der Welt der freien (und kostenlosen) Software sind solche Marketingmaßnahmen aber eher überflüssig.

3.0 fürs Marketing

Wird nun das baldige Erscheinen von Linux 3.0 irgendwelche Auswirkungen haben? Ja, damit ist zu rechnen. Die Zahl der Meldungen zum Thema wird größer sein, manche werden den großen Versionssprung feiern, und damit erhält Linux für ein paar Tage etwas mehr Aufmerksamkeit. Linux-Distributionen werden aber deswegen kaum ihren Release-Zyklus anpassen, so dass dann in den folgenden Monaten nach und nach Distributionen mit dem Hinweis "jetzt mit Kernel 3.0!" in die Download-Bereiche der Anbieter und auf die Heft-DVDs der Linux-Zeitschriften (auch auf unsere) wandern werden. Ich fände es aber spannender, auf einer der kommenden Ausgaben "jetzt mit perfekter Hardware-Unterstützung" (statt "jetzt mit Kernel 3.0") schreiben zu können.

Wenn es so weit ist, wollen wir uns (trotz kaum veränderter Features) dennoch freuen, weil über das Medienecho vielleicht der eine oder andere zusätzliche Windows-Anwender für einen Linux-Test gewonnen wird. Schließlich macht es die Masse: Je mehr PC-Anwender auf Linux setzen, desto besser wird die Unterstützung durch Hardware-Hersteller und Software-Anbieter. Und dann warten wir auf Linux 4.0.

Hans-Georg Eßer
Chefredakteur

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