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Erschienen in EasyLinux 03/2011   »   Ausgabe bestellen

Neue Software


Im Quartalsrhythmus erscheinen viele Programme in neuer Version. Eine Auswahl stellen wir regelmäßig vor, und auf der Heft-DVD finden Sie die passenden Pakete und Installationshinweise.

Martin Loschwitz

Die Chrome-Offensive


Googles Browser Chrome avanciert zum Dauerbrenner in den Software-News. Zurecht, denn die Entwicklung geht rasend schnell voran. Im April erschien Version 11, die zwischenzeitlich noch um ein Sicherheitsupdate erweitert wurde. Version 12 steht derzeit in den Startlöchern und wird voraussichtlich noch vor Erscheinen dieser Ausgabe verfügbar sein.

Der Suchmaschinenprimus Google hat sich mit seinem Browser auch deshalb einen Namen gemacht, weil das Unternehmen sehr genau darauf achtet, bestehende Web-Standards möglichst akkurat zu nutzen. So war Chrome [1] der erste Browser, der eine umfassende und funktionierende Unterstützung für HTML 5 bot. HTML 5 soll der neue Standard für Websites werden und viele Funktionen bieten, die sich bisher nur über Krückenkonstruktionen wie Flash oder JavaScript auf Websites realisieren lassen. Google handelt dabei nicht ganz uneigennützig: Seit einiger Zeit bietet beispielsweise die zu Google gehörende Website YouTube Videos auch als HTML-5-Video und nicht mehr nur im Flash-Format an. Wegen der Fülle an Google-Web-Angeboten profitiert so auch das Unternehmen selbst von der Einführung besserer Standards.

Sprechen statt schreiben

Chrome 11 implementiert den vom Web-Konsortium W3C festgelegten Speech-Input-Standard [Abbildung 1]. Ziel ist es, die Verbindung zwischen Mensch und PC direkter zu gestalten und neben die Tastatur als Haupteingabegerät eine alternative Methode zu stellen. Denn statt Text einzutippen, spricht der Anwender den Text, die geöffnete Webseite interpretiert die Sprache dann als Kommando und reagiert entsprechend.

Abb. 1: Googles Browser Chrome wartet vor allem bei der HTML5- und CSS3-Unterstützung mit einer Menge neuer Features auf.

Nur HTML-5-Seiten ermöglichen den Zugriff auf die Speech-Input-Engine des Browsers. Sie testen das Feature, indem Sie Googles eigenen Übersetzungsdienst Google Translate (http://translate.google.com) öffnen. Im Eingabefenster sehen Sie dort rechts unten ein kleines Mikrofon-Icon. Sofern an Ihrem Rechner ein Mikrofon oder Headset angeschlossen ist, klicken Sie darauf und sprechen einen Text. Diesen übernimmt der Dienst und übersetzt ihn in die gewählte Zielsprache.

3D-Beschleunigung für CSS

HTML 5 ist für den Einsatz im Web 2.0 gerüstet: Ausgefeilte Effekte und optische Gimmicks, für die bisher fast immer Flash herhalten musste, enthält der neue Web-Standard bereits. Eine ganze Latte an neuen Grafikmöglichkeiten bekommt das Format überdies mit CSS 3.0, das seinerseits viele optische Tricks mitbringt. Die Google-Entwickler investieren viel Zeit, um genau diese Funktionen in Chrome bestmöglich umzusetzen. So erhielt die CSS-Engine in Chrome 11 Unterstützung für 3-D-Effekte auf Basis des Grafikkarten-Chipsatzes. Üblicherweise nutzen Browser für die Berechnung grafischer Effekte die System-CPU, zwacken dieser damit aber Leistung ab, während sich die Grafikkarte langweilt. Chrome wickelt seit Version 11 3-D-Effekte in CSS 3 optional über die Grafikkarte ab und sorgt so für erhebliche Performance-Vorteile.

Mehr Sicherheit in Chrome 12

Chrome 12 spendiert den Nutzern das Tab-Multi-Select-Feature, welches beim Tabbed-Browsing zum Einsatz kommt. Mit gedrückter Strg-Taste wählen Sie mehrere Tabs gleichzeitig aus, beispielsweise um sie neu zu laden oder zu schließen.

Auch in Sachen Sicherheit legt Chrome 12 zu: So hat das Programm ab dieser Version einen Filter für heruntergeladene Dateien. Anstatt nur auf Grundlage der Endung einer Datei einen Betrugsversuch zu unterstellen, prüft die neue Version fallweise. In Kooperation mit Adobe verbesserte Google darüber hinaus den Umgang mit so genannten Flash-Cookies: Die erlauben es Website-Betreibern, detailliert nachzuvollziehen, was Besucher auf der Seite tun. In Chrome war es bisher nicht möglich, solche Cookies aus dem Programm heraus zu löschen. Jetzt findet sich diese Funktion in den Privacy-Einstellungen des Browsers.

Überdies startet die von Google auf den Namen Omnibox getaufte Adresszeile ab sofort auch Programme, wenn die eingegebene einer Applikation entspricht, die auf dem System existiert. Das Ziel der Entwicklung deutet darauf ihn, dass Chrome in Zukunft mehr als nur ein Browser sein möchte und Anwendern auch andere Alltagsbelange abnimmt.

Die Redaktion meint

Google Chrome ist und bleibt der schnellste und der am schnellsten wachsende Web-Browser. Chrome 11 und 12 warten mit wichtigen Veränderungen in Sachen Performance und Sicherheit auf. Ein Update ist deshalb allen Chrome-Benutzern sehr empfohlen.

Bewertung

4 von 5 Sternen

Infos
[1] Google Chrome: http://www.google.com/chrome/

FileZilla


Viele Distributoren bieten ihre Pakete häufig auch via FTP zum Download an, genauso wie diverse Hardwarehersteller ihre Treiber. Grund genug also, einen schmucken und funktionalen FTP-Client zu verwenden. FileZilla ist ein Anwärter auf diesen Posten. Es verwaltet nicht nur Verbindungen über das unsichere FTP-Protokoll, sondern auch die abgesicherten Varianten FTPS, SFTP und SCP.


Das seit 2006 erhältliche Programm liegt aktuell in Version 3.5.0 vor. Die Entwickler behaupten von FileZilla [1], sein wichtiges Feature sei die einfache Benutzbarkeit. Tatsächlich erweist sich die Einstiegshürde als niedrig: Nach dem Programmstart findet sich am oberen Rand des Fensters unter der Menüleiste eine Zeile, in die Sie die Server-Adresse sowie (bei Bedarf) den Nutzernamen samt Passwort eintragen. Klicken Sie dann auf Verbinden, stellt FileZilla die FTP-Verbindung mit diesem Server her. Greifen Sie öfter auf diesen Server zu, richten Sie ihn mit FileZillas Server-Manager ein: Der verwaltet wie ein erweiterter Lesezeichenmanager die Zugänge.

Praktisch: Bei einer über die Leiste geöffneten Verbindung genügt ein Klick auf Datei / Aktuelle Verbindung in Server-Manager aufnehmen, um sie zum Server-Manager hinzuzufügen.

Doch Obacht: FileZilla speichert in den Dateien recentservers.xml, filezilla.xml und sitemanager.xml sämtliche Zugangsdaten inklusive Passwörtern im Klartext. Sie finden diese Dateien im Verzeichnis /home/Nutzername/.filezilla.

Souverän bei den Standards

Bei bestehender Verbindung sehen Sie im Hauptfenster links den Inhalt eines lokalen Verzeichnisses und rechts den des offenen Ordners auf dem Server (Abbildung 1). Mit einfachen Mausklicks navigieren Sie in der Verzeichnishierarchie hoch und runter. Haben Sie die gewünschte Datei gefunden, ziehen Sie diese auf den Bereich Warteschlange, den Sie am unteren Ende des Fensters finden. Sie müssen nicht jede Datei einzeln herunterladen, sondern können der Reihe nach eine Liste der Download-Dateien anlegen. Es genügt ein Aufruf des Menüpunkts Transfer / Warteschlange abarbeiten, um die Downloads in Gang zu setzen.

Abb. 1: Der FTP-Client FileZilla besticht nicht nur durch seine intuitive Benutzeroberfläche, sondern auch durch die Unterstützung aller gängigen Übertragungsprotokolle.

Pfiffige Zusatzfunktionen

Wenn Ihnen das FileZilla-Fenster im Normalzustand etwas zu überladen erscheint, blenden Sie unter Ansicht einzelne, nicht benötigte Elemente aus. Viele Features des Prgramms entziehen sich indes den Augen des Anwenders: So kommt das Programm problemlos mit Dateien über vier Gigabyte Größe zurecht -- längst nicht jedes FTP-Programm kann das von sich behaupten. Für den Betrieb mit dem kommenden IP-Protokoll IPv6 ist die Applikation ebenfalls gerüstet.

Auch den sicherheitsbewussten Anwendern kommt FileZilla entgegen: Es unterstützt neben FTP auch SSL-verschlüsseltes FTP (FTPS) und FTP über SSH-Verbindungen (SFTP). In beiden Fällen überträgt das Programm die Daten verschlüsselt und damit abhörsicher.

Dies und das

Besonders ärgerlich sind Situationen, in denen eine mehrere GByte große Datei kurz vor dem vollständigen Download abbricht. FileZilla unterstützt in solchen Fällen die Wiederaufnahme solcher Verbindungen -- vorausgesetzt, dass es der korrespondierende Server unterstützt, was aber meistens der Fall ist. .

:Das Tool bietet darüber hinaus eine Suchfunktion für Dateien auf dem FTP-Server. Interessant ist FileZilla auch für alle, die verschiedene Betriebssysteme benutzen, sich aber nicht an drei unterschiedliche FTP-Clients gewöhnen wollen. Denn das Programm existiert in Varianten für Linux, Windows und Mac OS. Optisch sind die Versionen identisch, sodass es zu keiner Verwirrung kommt.

Die Redaktion meint

FileZilla ist ein rundes Paket und ein komfortables Tool, um Dateien per FTP zu transferieren. Die Tatsache, dass das Hauptfenster der Applikation sehr überladen wirkt, sorgt für Punktabzug. Schwerer fällt jedoch ins Gewicht, dass die Applikation die Zugangsdaten in mehreren Dateien unverschlüsselt ablegt -- ein absolutes no go! Hier besteht dringender Handlungsbedarf seitens der Entwickler.

Bewertung

2,5 von 5 Sternen

Infos
[1] FileZilla: http://www.filezilla.de

Hugin


Durch die Digitalisierung der Fotografie haben sich die Möglichkeiten, die Aufnahmen zu bearbeiten dramatisch vereinfacht. Dauerte das Zusammenfügen mehrerer Bilder, beispielsweise zu einem Panorama, zu analogen Zeiten noch viele Stunden, geschieht das heute mit Werkzeugen wie Hugin mit wenigen Mausklicks.

Hugin [1] hilft Ihnen dabei, mehrere Fotos zusammenzufügen. Dafür bietet es einen Assistenten, der beinahe alle Schritte selbständig erledigt. Erfahrenere Anwender verwenden die detailreicheren Einstellungsmöglichkeiten.

Nach dem Programmstart lädt zunächst der Assistent: Wenn Sie diesen verwenden möchten, wählen Sie per Bilder auswählen die einzelnen Teilbilder Ihres Motives aus. Geben Sie an, welches Objektiv Sie beim Fotografieren verwendet haben -- die Werte verwendet Hugin später, um die Übergangsbereiche zwischen den einzelnen Referenzpunkten zu berechnen. Im nächsten Schritt richten Sie die einzelnen Punkte passend zueinander aus. Die Feinarbeit nimmt Ihnen Hugin ab. Schließlich erstellen Sie per Mausklick Ihr eigenes Panorama.

Profis kommen auf ihre Kosten

Wem der Automatik-Modus von Hugin nicht ausreicht, der korrigiert die vom Hugin-Assistenten festgelegten Werte k manuell. Das Hauptfenster teilt sich in acht Reiter auf. Eines steht für den Assistenten, die anderen erlauben Basteln nach Herzenslust. Im Reiter Beschnitt legen Sie beispielsweise fest, dass einzelne Fotos vor der Integration in das Panorama noch zugeschnitten werden müssen.

Um herauszufinden, an welchen Stellen einzelne Fotos zusammenzufügen sind, untersucht das Programm alle Fotos eines Panoramas auf einzelne Punkte hin. Erkennt es die gleiche Bildstruktur in mehreren Bildern, merkt es sich diese als Kontrollpunkt. Der Kontrollpunkte-Dialog erlaubt es Ihnen, diese nachträglich anzupassen, neue einfügen oder falsch identifizierte zu löschen (Abbildung 1).

Abb. 1: Mit Hugin fügen Sie mühelos mehrere Einzelbilder zu einem Panorama zusammen.

Automatisches Optimieren

Nach dem korrekten Festlegen der Kontrollpunkte und Objektivwerte stehen Ihnen im Tabulator Optimieren viele Funktionen zur Verfügung, die das Optimum aus ihrem Panorama herausholen. Die Auswahl von Optimierung starten genügt dafür. Dann filtert Hugin zum Beispiel Unreinheiten aus den einzelnen Panoramabildern und sorgt so für ein stimmiges Aussehen des fertigen Bilds.

Im Punkt Zusammenfügen legen Sie schließlich noch Form und Art des fertigen Panoramas fest. So laden Sie beispielsweise den Fisheye-Effekt, um das Bild so aussehen zu lassen, als sähe man auf eine gewölbte Oberfläche.

Das Zusammennähen von Fotos funktioniert nur mit gutem Ausgansmaterial, das im Idealfall speziell für diesen Zweck aufgenommen wurden. Es gilt: Die Fotos sollten mit der gleichen Brennweite und Belichtung aufgenommen sein. Ein Stativ erweist sich als sehr hilfreich, um die Bildauschnitte richtig aneinander anzupassen.

Die Redaktion meint

Hugin ist ein außergewöhnliches und sehr mächtiges Programm. Dank seines Assistenten eignet es sich nach kurzer Einarbeitung auch für den weniger versierten Anwender. Aber auch Profi-Fotografen kommen mit eine Vielzahl von Individualfunktionen Funktionen auf ihre Kosten, um noch bessere Resultate zu erreichen.

Bewertung

5 von 5 Sternen

Infos
[1] Hugin: http://hugin.sourceforge.net

Der im Heft abgedruckte Artikel bespricht noch sieben weitere aktuelle Programme. (tle)

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