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Erschienen in EasyLinux 02/2012   »   Ausgabe bestellen

Multimediadateien streamen

Stream-Team

Kristian Kißling


Im vernetzten Wohnzimmer spielt UPnP eine immer größere Rolle, wenn es darum geht, über den Fernseher oder mit anderen Geräten auf Filme, Videos und Musik zuzugreifen. MediaTomb vernetzt Ihre Mediensammlung.

Wollen Sie Filme, Bilder und Musik in Ihrem Netzwerk zentral verwalten, greifen Sie oft zu einem Rechner mit einer festen IP-Adresse, der seine große Festplatte über eine Samba-Freigabe teilt. Sie schaufeln dann Ihre Mediendateien in dieses freigegebene Verzeichnis und spielen sie auf dem dazugehörigen Rechner ab. Das Kopieren braucht allerdings etwas Zeit, daher gibt es noch einen weiteren Weg -- das Streamen.

Mittlerweile beherrschen immer mehr Geräte UPnP. Die Spezifikation wurde im UPnP-Forum erstellt, einer Initiative der Industrie, die es seit 1999 gibt. Hier haben sich rund tausend Anbieter aus dem IT- und Hardwarebereich zusammengeschlossen, um einen technischen Standard zu entwickeln, der es auf einfache Weise ermöglicht, von einem Zielgerät aus auf die Bild-, Ton- und Videodateien von ganz verschiedenen Rechnern im Netzwerk zuzugreifen. Auf diesen läuft ein UPnP-Server, der die jeweiligen Multimediadateien im Netzwerk bekanntmacht. Die UPnP-Clients (etwa ein TV-Gerät oder Media Center) entdecken diese und spielen sie ab (Abbildung 1). Der Vorteil: Sie müssen die Medien nicht auf einen zentralen Rechner kopieren, sondern starten auf den einzelnen Rechnern vorübergehend einen UPnP-Server wie MediaTomb und streamen die Dateien in das lokale Netzwerk. In der Praxis lauern allerdings einige Fallstricke -- dazu später mehr.

Abb. 1: Mit UPnP streamen Sie Filme, Bilder und Musik im lokalen Netzwerk und sparen sich so aufwändige Kopieraktionen.


UPnP: Universal Plug and Play ist ein von der Industrie entworfener Standard zum einfachen Streaming-Zugriff auf Multimediadateien.

UPnP und DLNA

Grob vereinfacht besteht UPnP aus Clients, Kontrollpunkten und Diensten, die sich über ein eigenes Protokoll miteinander unterhalten -- aber nur im lokalen Netzwerk. Während die Dienste (UPnP AV MediaServer) Inhalte anbieten, spielen die Clients (UPnP MediaRenderer) diese ab. Sie prüfen dafür, welche Features der Server anbietet und bieten eine Oberfläche, um ihn zu steuern. Die Kontrollpunkte (UPnP AV MediaServer ControlPoints) vermitteln zwischen den Clients und Diensten: Sie sind in der Lage, die Freigaben zu entdecken und zu lesen.

In der Praxis laufen UPnP-Clients auf der Xbox oder Playstation 3 oder auf einem intelligenten Fernseher. Auch die meisten käuflichen Media-Center -- also die kleinen Boxen, die Sie an den Fernseher anschließen -- bringen einen eingebauten UPnP-Client mit. Selbst auf Ihrem Smartphone können Sie Mediendateien abrufen. Ihr Linux-Rechner bringt gleich mehrere Programme mit, die UPnP-Freigaben abspielen: In diesem Artikel zeigen wir, wie es mit dem Videoabspieler VLC klappt (Abbildung 2). Mitunter bringen die Geräte auch gleich einen UPnP-Server mit, um auch selbst Dateien im Netzwerk anzubieten -- das kommt aber seltener vor.

Abb. 2: Geben Sie die Multimediadateien über einen UPnP-Server wie MediaTomb frei, spielen Sie diese auf einem anderen Rechner über VLC ab.

Neben UPnP taucht häufig auch der Begriff DLNA auf. Die Digital Living Network Alliance vergibt -- in Form eines Logos -- eine Art Gütesiegel für Geräte, die bestimmte Richtlinien erfüllen: die "Home Networked Device Interoperability Guidelines". Diese liegen seit 2006 in Version 1.5 vor und werden nur an Mitglieder der DLNA oder zahlende Interessenten vergeben. So führt die Organisation verschiedene Tests mit Geräten durch, die im Erfolgsfall das Siegel erhalten [1]. Das ist allerdings nicht sonderlich schwer: Ein großer Mangel von DLNA besteht darin, dass ein Gerät lediglich drei vorgeschriebene Audio-, Video- und Bildformate (LPCM, MPEG-2, JPEG) unterstützen muss, um das Logo zu erhalten [2].


DLNA: Die Digital Living Network Alliance ist eine Industrieorganisation. Sie wurde 2003 von Sony und Intel gegründet und vergibt ein Gütesiegel für UPnP-fähige Geräte.

UPnP-Chaos

In der Theorie klingt die Idee hinter UPnP großartig, in der Praxis macht sich oft Ernüchterung breit. Wenn Sie Pech haben, werfen Sie Ihren UPnP-fähigen Client an, geben auf einem anderen Rechner Ihre Multimediadateien frei und sehen am Ende doch nichts. Die verfügbaren freien und proprietären UPnP-Clients und -Dienste verfügen über ganz unterschiedliche Fähigkeiten. Es grenzt an ein Kunststück, eine gut funktionierende Kombination aus Client und Server zu finden. Wahlweise unterstützt der Dienst oder der Client ein bestimmtes Format nicht. In diesem Fall tauchen die freigegebenen Dateien einfach nicht auf, oder sie lassen sich nicht abspielen. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass die kommerziellen UPnP-Implementierungen meist keinen Deut besser sind als die freien Varianten.

Allerdings scheint sich die Situation langsam zu verbessern. In unserem Test erzielten wir durchaus akzeptable Ergebnisse, die allerdings nur für die probierten Distributionen mitsamt der vorgestellten Testsoftware gelten. Wir haben MediaTomb 0.12.1 als Server eingesetzt, und zwar unter OpenSuse 11.4/12.1 und Kubuntu 11.10. Dieser kommt also auf den Rechnern zum Einsatz, auf denen sich Ihre Multimediasammlung befindet.

Als Client verwendeten wir VLC 1.1.13 in einer Vorabversion von (K)Ubuntu 12.04 sowie VLC 1.1.12 unter (K)Ubuntu 11.10. Die freie Software spielte die gewünschten Filme überall problemlos ab. Als wir jedoch aus Interesse einen UPnP-Client auf einem Android-Handy testeten, verweigerte dieser bei einem Teil der Filme die Kooperation -- nicht untypisch für die Technologie.

MediaTomb auf die Platte

Zunächst zur Installation von MediaTomb: Unter OpenSuse 11.4/12.1 (und vermutlich auch unter OpenSuse 11.3) finden Sie den UPnP-Server MediaTomb in der externen Paketquelle von Packman -- oder auf unserer Heft-DVD. Binden Sie die DVD als Paketquelle ein und installieren Sie die Pakete. Dazu geben Sie in der Paketsuche mediatomb in die Suchzeile ein. Kreuzen Sie dann mediatomb und mediatomb-mysql an und wählen Sie Akzeptieren (Abbildung 3). Nun erscheint ein Fenster mit Software, die OpenSuse zusätzlich installieren will: Klicken Sie auf Fortfahren, landen eine ganze Reihe von Softwarepaketen auf Ihrem Rechner.

Abb. 3: Über unsere Heft-DVD installieren Sie MediaTomb auch unter OpenSuse 11.4/12.1, ohne zusätzliche Paketquellen zu benötigen.

Unter OpenSuse verhindert nun noch die Firewall, dass Sie von einem externen Rechner auf die Freigaben zugreifen dürfen. Um die Regeln für diese anzupassen, sind noch weitere Handgriffe nötig.

  1. Rufen Sie im K-Menü den Eintrag Rechner / YaST auf. Im Fenster der Systemverwaltung wählen Sie dann links den Punkt Sicherheit und Benutzer und klicken rechts auf Firewall.
  1. Bevor Sie Parameter der Brandmauer ändern, klicken Sie auf Firewall jetzt stoppen. Im linken Bereich wählen Sie nun den Eintrag Erlaubte Dienste aus und auf der rechten Seite den Button Erweitert
  1. In das kleine Fenster, das sich nun öffnet (Abbildung), tragen Sie in die Zeile TCP-Ports die Ports 49152 49153 49154 ein und trennen diese durch ein Leerzeichen. Über diese Ports kündigt MediaTomb die eigenen Multimediadateien im Netzwerk an.

  1. Nach einem Klick auf OK landen Sie wieder im Übersichtsfenster und wählen nun links Start, rechts Firewall jetzt starten und dann rechts unten Weiter.
  1. Das bringt Sie zu einem Übersichtsfenster. Hier sollte stehen, dass die Firewall nun die drei eingetragenen Ports freigibt. Über Beenden schließen Sie die Konfiguration ab.

Nutzer von Kubuntu 11.10 haben es wesentlich leichter: Sie müssen keine Firewall verändern und installieren den Server bequem über den Paketmanager. Den rufen Sie auch hier über das K-Menü auf -- der gesuchte Eintrag lautet Rechner / Muon-Programmverwaltung. In die Suchzeile geben Sie mediatomb ein und installieren die Software dann über einen Klick auf Installieren. Das war es schon.

MediaTomb einrichten

Das Schöne an MediaTomb ist: Die Software kann -- im Gegensatz zum ebenfalls freien Ushare -- auch Flash-Dateien streamen. Das kann man nicht genug betonen, bietet es Ihnen doch die Möglichkeit, Ihre gesammelten YouTube-Videos zu streamen. Zudem verfügt MediaTomb über eine grafische Oberfläche, die in einem Browserfenster läuft. Dadurch funktioniert sie plattformübergreifend und sieht überall gleich aus. Starten müssen Sie MediaTomb über die Kommandozeile: Dazu klicken Sie unter Kubuntu 11.10 oder OpenSuse 11.4/12.1 auf das K-Menü-Icon und geben in die Suchzeile im Menü konsole ein. Nun sollte ein Icon erscheinen, über das Sie das Terminalprogramm aufrufen.

Geben Sie dann im Terminalfenster mediatomb ein, um den UPnP-Dienst zu starten. Gewöhnlich rollt eine ganze Latte von Textbefehlen an Ihnen vorbei, bevor am Ende die Aufforderung steht, eine bestimmte IP-Adresse mitsamt Port-Nummer im Browser aufzurufen (Abbildung 4). Im Beispiel lautete die angezeigte Adresse http://192.168.111.143:49152, bei Ihnen kann die Adresse vor und nach dem Doppelpunkt anders lauten. Kopieren Sie die Adresse und fügen Sie diese in die URL-Leiste des Browsers ein, gelangen Sie zum Interface von MediaTomb (Abbildung 5).

Abb. 4: Die nach dem Start von MediaTomb angezeigte IP-Adresse geben Sie in den Browser ein, um an das Interface zu gelangen. Der Port spielt beim Konfigurieren der Firewall eine Rolle.

Abb. 5: Über die MediaTomb-Oberfläche verwalten Sie Ihre freigegebenen Verzeichnisse, sie läuft in einem Browserfenster.

Die grafische Oberfläche von MediaTomb ist sehr einfach gestrickt und besteht aus den Einträgen Database und Filesystem sowie -- ganz rechts -- aus einigen Icons, über die Sie bestimmte Aktionen starten. Zunächst gilt es, MediaTomb mit Ihrer Mediensammlung bekannt zu machen. Dafür wechseln Sie zum Eintrag Filesystem und rufen zum Beispiel den Ordner mit Ihren Videos auf, den Sie meist unter /home/benutzer/Videos finden, wobei Sie benutzer durch Ihren Benutzernamen ersetzen. Da MediaTomb eine rekursive Suchfunktion anbietet, genügt es auch, ein übergeordnetes Verzeichnis zu wählen.

Haben Sie Ihr Wunschverzeichnis markiert, klicken Sie ganz rechts auf das Icon mit dem Pluszeichen und dem Kreis drum herum. Es bringt Sie in ein Konfigurationsfenster, in dem Sie verschiedene Parameter für die Freigabe einstellen (Abbildung 6). Wählen Sie in der Zeile Scan Mode den Eintrag Timed. Auf diese Weise schaut MediaTomb regelmäßig in das freigegebene Verzeichnis und sucht darin nach neuen Dateien. In der Zeile Scan Level gibt es zwei Optionen: Basic und Full. Wählen Sie die erste Option, durchforstet MediaTomb ein Verzeichnis zwar nach neuen und entfernten Dateien, bemerkt aber -- im Gegensatz zur Suche mit dem Parameter Full -- keine Veränderungen, die Sie an den Metadaten der Dateien vornehmen. Die Option Recursive wählen Sie nur dann, wenn das Verzeichnis mit den Multimediadateien mehrere Unterordner enthält. Über die letzten beiden Optionen stellen Sie ein, ob MediaTomb auch versteckte Verzeichnisse und Dateien aufspürt, die einen Punkt vor dem Namen tragen (Include hidden...), und wie häufig die Software den Quellordner neu durchsucht (Scan Interval...). Wenn Sie den Ordner nicht ständig mit neuen Dateien füttern, sollte die voreingestellte halbe Stunde (1800 Sekunden) als Update-Rhythmus genügen. Ein Klick auf Set speichert die von Ihnen vorgenommenen Änderungen.

Abb. 6: Für jede Freigabe legen Sie den Umfang und den Aktualisierungsintervall gezielt fest.

Sehen ohne Ende

Nun wechseln Sie auf den Zielrechner, auf dem Sie die Filme sehen wollen, und starten VLC, das Sie zuvor über den Paketmanager installieren. Unter Kubuntu 11.10 -- aber auch unter OpenSuse 11.4/12.1 -- können Sie die Software in den Versionen 1.1.12 bzw. 1.1.13 aus den Standardquellen einspielen.

Nach dem Start von VLC klicken Sie auf das zentrale Icon mit dem Listensymbol. Bewegen Sie die Maus über das Icon, erscheint der Text Wiedergabeleiste anzeigen, alternativ drücken Sie [L]. Auf der linken Seite der Wiedergabeliste sehen Sie nun eine Anzahl von anklickbaren Links, wählen Sie Lokales Internet / Universal Plug'n'Play. Rechts sollten nun die Ordner Ihrer Freigabe auftauchen (Abbildung 2).

Ist das nicht der Fall -- und im Test verhielt es sich so -- müssen Sie etwas nachhelfen, indem Sie MediaTomb neu starten. Wechseln Sie zum Terminal und drücken Sie einmal oder mehrmals [Strg-C], um MediaTomb zu beenden. Anschließend geben Sie erneut mediatomb ein, um den Dienst wieder zu starten. Jetzt sollten auch die Inhalte in VLC auftauchen. Bevor Sie die darin enthaltenen Songs, Videos und Bilder allerdings zufrieden abspielen (was Sie nun können), sollten Sie noch zwei Kleinigkeiten beachten, die mit VLC zusammenhängen.

Workarounds

Die VLC-Version 1.1.13 zeigt aktuell ein etwas merkwürdiges Verhalten: Sie spielt zwar alle Freigaben ab, doch wenn Sie den Player schließen und erneut aufrufen, findet er die Freigaben nicht mehr. In diesem Fall müssen Sie MediaTomb neu starten. Stoppen Sie hingegen den Film oder Song einfach, ergeben sich keine Probleme. Einen Bug-Report beseitigt den Fehler hoffentlich bald, der im übrigen nicht auftritt, wenn Sie VLC 1.1.12 verwenden.

Ein zweites Problem betrifft das Löschen von Freigaben: Geben Sie die URL von MediaTomb in den Browser ein, um eine Freigabe zu löschen, klappt das nicht über das dafür vorgesehene Icon ganz rechts im Reiter Database. Sie arbeiten um diesen Fehler herum, indem Sie den versteckten Ordner .mediatomb in Ihrem Home-Verzeichnis löschen und dann MediaTomb neu starten. Nun können Sie Freigaben neu anlegen. Sie finden den versteckten Ordner übrigens, indem Sie den Dateimanager Dolphin aufrufen, in das Home-Verzeichnis wechseln und dort auf Ansicht / Versteckte Dateien anzeigen klicken.

Resümee

Glücklicherweise haben wir eine Kombination von UPnP-Server und -Client gefunden, die funktioniert. Dass MediaTomb Flash-Videos abspielt, ist eine gute Sache für alle Freunde von Youtube und Co. Leider bedeutet das nicht zwangsläufig, dass die Freigaben auch mit anderen UPnP-Clients zusammenarbeiten -- an MediaTomb liegt das aber nicht. Die freie Software ragt momentan aus anderen Angeboten heraus. Schön wäre, wenn die Entwickler dafür sorgen könnten, dass die Freigaben im UPnP-Client nicht erst nach einem Neustart erscheinen. Zudem wäre es praktisch, wenn das Entfernen der Freigaben funktionieren würde. Aber das sind Details. (kki)

Infos
[1] DLNA-Zertifizierung: http://www.xxcal.co.jp/english/stAuthor_dlna_2.html
[2] DLNA-kritischer Cnet-Artikel: http://www.cnet.de/praxis/tv-gaming/41515883/page/2/dlna_so_loesen_filmfans_die_probleme_beim_multimedia_netzwerkstreaming.htm

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