Re: [EasyLinux-Suse] [OT]: Grundlagenwissen für Linux - Wo und Wie erwerben?

Gerdi Kamml GerdiKamml at t-online.de
Sam Jul 21 23:12:01 CEST 2007


Heinz-Stefan Neumeyer schrieb:
> Hallo an alle Mitleser - für SuSE OT, aber vielleicht mal allgemein recht 
> interessant?
> 
> Es war heute an dieser Stelle ja schon verschiedentlich über ein gewisses 
> Grundlagen-Wissen die Rede. Mich würde mal interessieren, wer wie und wo sein 
> Linux-Wissen erworben hat. Denn mit einer Art "professionellen" Anleitung 
> habe ich persönlich nur sehr ungute Erfahrungen gemacht.

Mit "Profi-Kursen" scheinst Du überhaupt viel Glück zu haben ;-)

> Meinen ersten Versuch mit Linux habe ich 1998 gestartet. Was das damals war 
> weiß ich heute nicht mehr. Aber es gab da ein Tool mit Namen "fips" zum 
> partitionieren. Nach der Anwendung wußte ich mir nur noch durch den Kauf 
> einer neuen Festplatte zu helfen - und die waren damals noch echt teuer! :(
> 
> Vor ziemlich genau 5 Jahren habe ich dann in der Bahn eine vergessene Zeitung 
> mit einer Mandrake 8.xx-CD gefunden. Davon war ich völlig angetan - und 8 
> Wochen später schon weitgehend microsoft-frei.
> 
> Allerdings habe ich nie wirklich etwas unter geschulter Anleitung lernen 
> können. Bei der Volkshochschule wollte ich mal einen "Grundlagenkurs Linux" 
> machen. Aber schon die Einführung, bei der darüber referiert wurde, daß wir 
> ja doch dem großartig-genialen $BG eigentlich alles verdanken - das Internet, 
> den Computer, die Betriebssysteme - war eine Witz. Daß der Lektor dann aus 
> Linus Torvalds einen Dänen gemacht hat und das Andrew Tanenbaum-Zitat "Linux 
> is obsolete" mit "Linux ist geboren" übersetzt hat, darüber hätte ich ja noch 
> lachen können. Aber die Erklärung, daß Linux deswegen frei ist, weil Linus 
> Torvalds für den Kernel in den USA Patente hat, die aber in Deutschland nicht 
> gelten...

ist ja interessant
:-D


> Einen zweiten Versuch habe ich unternommen für 16 oder 18 
> Stunden "Linux-Systemverwaltung". Da standen dann 2 nicht deutsch 
> lokalisierte Xandros-Rechner und da drauf sah KDE doch wirklich aus wie der 
> IE von Win 98/ME. Sogar die gelben Ordner-Bildchen in der linken oberen Ecke 
> waren da! Und der Referent hat sich als allererstes darüber beschwert, daß ja 
> bei Linux alles anders sei, und bei weitem nicht so praktisch und zweckmäßig 
> eingerichtet wie $MS... usw.
> Auch da habe ich auf einen Abschluß verzichtet.

hätt ich auch ...

> Was bleibt, ist eigentlich "nur" viel lesen (vor allem Kofler), noch mehr 
> ausprobieren - und natürlich seit einiger Zeit die Mailinglisten.
> 
> Hat hier überhaupt (außer Matthias Müller vielleicht) eine Hintergrund aus der 
> Informatik? Oder sind wir alle wirklich nur interessierte Laien, die sich 
> alles mehr oder weniger mühsam selber beibringen (mußten)?
> 
> 
> Gruß Stefan
> 
Vor ca. 13 Jahren haben wir in der Arbeit die ersten Computer bekommen -
mit Unix und einem (Farbe: schwarz-weiß) Textverarbeitungssystem, das
wir sogar heute noch zum großen Teil benutzen, nämlich als terminal-
Programm unter Windows XP. Also wurde damals jemand gesucht, der sich um
das System (ein Rechner, an den die ca. zehn Benutzer über Terminals
angeschlossen waren) und die Benutzer kümmert, neue einrichten, System
nach evtl. Absturz wieder hochfahren, Sicherungen machen usw. Die
Bereitschaft, entsprechende Kurse zu machen, war Voraussetzung für den
Job. Vorlaut, völlig blauäugig und voller Eifer meldete ich mich (als
einzige) dafür - prompt wurde ich ausgewählt! Zweimal fünf Tage
Systemverwalter-Crashkurs für Unix - das reichte bei weitem nicht aus,
wenn man vorher überhaupt noch nichts mit Computern zu tun hatte; den
anderen Kursteilnehmern ging es ähnlich. Man konnte und wollte in der
Arbeit kaum was ausprobieren, das Risiko, das System lahmzulegen und die
ganze Abteilung außer Gefecht zu setzen, war einfach zu groß. Meine
Frage bzw. Bitte, doch noch einige Tage Schulung machen zu können, wurde
sinngemäß so beantwortet: Es reicht wenn es Probleme gibt, wenn Ihr bei
uns anruft und dann per Telefon das tun könnt, was wir Euch sagen -
Dateien im Editor (Ur-Vi) öffnen, bearbeiten und wieder abspeichern,
System neu starten (Knopf drücken) und Sicherungsbänder auswechseln.
Punkt. Auch weitergehende Literatur war nicht drin.
Anschließend hab ich mir einen (den ersten Aldi-)Computer gekauft und
bin dann im Umkreis von 100 km in wahrscheinlich jedes Computergeschäft
gelaufen und wollte ein Unix für PC haben, was aber für mich
unerschwinglich teuer war; in einem dieser Geschäfte bekam ich dann den
heißen Tip für Linux und kaufte mir dort den dicken Wälzer "Das große
Buch zu Unix von Michael Wielsch" mit einer CD "Linux Slackware 2.1".
Von CD-Laufwerken ging damals das Starten/Installieren noch nicht
(jedenfalls auf meiner Maschine nicht), man musste zunächst ein oder
zwei Start-Disketten erstellen (mit DOS, wovon ich auch keine Ahnung
hatte) ... ich hätt platzen können vor Stolz, als ich es geschafft hatte
und der Login-Prompt vor mir prangte!  So ca. zwei Jahre später hatte
ich SuSE 6.2, mit einem neuen Computer klappte dann sogar KDE. Am
meisten gelernt hab ich wohl auch alleine mit Hilfe von dicken Büchern
(u. a. das oben erwähnte Unix-Buch, natürlich Kofler, Das große Buch zu
SUSE Linux 10 von Hans-Georg Eßer und Mirko Dölle vom Verlag Data
Becker) und natürlich viel ausprobieren - Neuinstallationen waren
mittlerweile schon sehr viele fällig ;-) aber aus Fehlern lernt man ja
bekanntlich. Ich hab letztes Jahr zwei Kurse gemacht, aber das Normale
weiß ich ja, und wenns Probleme gibt, kann mir der Kursleiter auch nicht
helfen - Ferndiagnosen sind halt eine schwierige Sache, was wir ja
täglich auch in der Mailingliste sehen. Ebenso ist es mit den Büchern:
Da steht drin, wie es normalerweise geht - wenns bei mir halt nicht
geht, weil ich irgendwo schon gepfuscht habe oder bei der Installation
was schiefgegangen ist, steht das halt auch nicht drin. Alles
ausprobieren geht mangels entsprechender Hardware auch nicht, aber für
mich ist die beste Methode: theoretisches Wissen aus Büchern/sonstiger
Literatur erwerben und dann selbst ausprobieren.

Gruß Gerdi